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Brandenburg Evangelische Kirche bangt um Mitglieder
Brandenburg Evangelische Kirche bangt um Mitglieder
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11:01 12.11.2015
Es gibt immer weniger Mitglieder in der Kirche.   Quelle: epd
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Potsdam

 Die evangelischen Kirchgemeinden in Brandenburg bangen um Mitglieder: 2012 und 2013 haben 4959 Menschen der Kirche den Rücken gekehrt. In beiden Jahren sind nur 862 Menschen in die Kirche eingetreten. Die Gründe für die Austritte sind vielfältig, wie eine Mitgliederbefragung der Evangelischen Kirche in Deutschland zeigt: Viele Menschen brauchen nach eigener Aussage keine Religion mehr zum Leben, können nichts mehr mit dem Glauben anfangen oder finden die Kirche schlicht unglaubwürdig.

Joachim Zehner, Superintendent des Kirchenkreises Potsdam, kann sich trotzdem vorstellen, dass sich das Verhältnis von Ein- und Austritten in Zukunft umkehrt: „Wir merken, dass evangelische Kitas und Schulen bei Familien immer gefragter sind. Und ich glaube, dass die Sehnsucht nach Heimat und die Rückbesinnung auf den Glauben zunimmt.“ Zehner gibt seit 2003 Glaubenskurse für Erwachsene. Er hat festgestellt, dass sich viele Teilnehmer nach dem Kurs taufen lassen oder wieder in die Kirche eintreten wollen. So ein Wiedereintritt ist zum Beispiel auch in einer der sechs Eintrittsstellen in Brandenburg und Berlin möglich. Die Brandenburger Eintrittsstelle befindet sich in der St.-Nikolai-Kirche Am Alten Markt in Potsdam.

Joachim Zehner, Superintendent des Kirchenkreises in Potsdam. Quelle: Bernd Gartenschläger

Laut Heike Krohn, Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), sind die Wiedereintrittsgründe vielfältig. „Jemand wird für die Taufe eines Kindes um die Patenschaft gebeten, will sich trauen lassen oder einfach wieder der Glaubensgemeinschaft angehören.“ Laut EKBO treten jährlich rund 150 Personen über diese Eintrittsstellen wieder in die Kirche ein. Das sind zehn Prozent der gesamten Eintritte. Die meisten Eintritte erfolgen jedoch über Gemeinden im Heimatort.

Bernd Krebs, Beauftragter der Landeskirche für das Reformationsjubiläum 2017, will das Gedenken an Luthers Thesenanschlag vom 31. Oktober 1517 nutzen, um den Brandenburgern christliche Werte nahezubringen. „Wir Christen haben unsere eigene Freiheits- und Unfreiheitsgeschichte, und das geht anderen Menschen ja auch so.“ Man könne gemeinsam die Ursprünge des jeweiligen Freiheitsgedankens suchen. „Kommt er von Luther? Aus der Aufklärung?“, fragt Krebs. Man werde auch an die Geschichte des Widerstands gegen die Diktatur in der DDR anknüpfen, als die Menschen Kirchen als Freiheitsräume kennengelernt haben. „Religion hilft den Leuten, Verhältnisse anschaulich zu gestalten, und das kann man 2017 sehr deutlich machen“, wirbt der Kirchenbeauftragte.

Was tun, wenn man sich für den Eintritt oder Wiedereintritt in die Kirche entscheidet? „Vor dem Eintritt steht ein Gespräch mit dem Pfarrer“, sagt EKBO-Sprecherin Krohn. Sollten die Pfarrer Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Wiedereintritts hegen, könnten sie ihn auch ablehnen. Zwei Drittel der wiedergewonnenen Mitglieder sind weiblich. Ein besonderer Zeitraum für Wiedereintritte – etwa die Weihnachtszeit – sei hingegen nicht auszumachen, sagt Krohn. Im Gegensatz zu den Gottesdienstbesuchern. Deren Zahl geht am Heiligabend schlagartig in die Höhe: von 33 084 Besuchern im restlichen Jahr auf 525 504 am Weihnachtsabend.

380 000 Mitglieder

Über eine Million Gemeindemitglieder zählte die EKBO im Jahr 2013. In Brandenburg selbst sind es gut 380 000. Damit gehören nur 18 Prozent der Märker einer der 1050 hiesigen evangelischen Kirchengemeinde an.

In anderen Bundesländern ist die Situation ähnlich: Zwar zeigt das Statistische Jahrbuch 2014, dass die Austrittszahlen von 2009 bis 2012 rückläufig sind – sie lagen für die evangelische Kirche zuletzt bei 138 195 – allerdings sieht es bei den Eintritten nicht besser aus. Die Zahl sank stetig auf zuletzt 51 927. Der katholischen Kirche geht es nicht besser: 2012 traten 118 335 Menschen aus und 10 276 erstmalig oder erneut ein.

Von Josephine Mühln

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