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Brandenburg Nach Krebserkrankung: Evin aus der Oberlausitz feiert seinen Geburtstag daheim
Brandenburg Nach Krebserkrankung: Evin aus der Oberlausitz feiert seinen Geburtstag daheim
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15:48 13.12.2018
Anne Busch liest ihrem heimgekehrten und noch von der Chemothearapie geschwächten Sohn Evin (6) in der neuen Wohnung in Großschönau eine Geschichte aus seinem Lieblingsbuch „Peppa Wutz" vor. Quelle: Robert Busch
Grossschönau

Für die meisten ist es ein normaler Donnerstag. Einem kleinen Jungen in der Oberlausitz aber wird dieser Tag lange in Erinnerung bleiben. Evin Busch aus Großschönau hat heute Geburtstag, seinen sechsten. Dass er den erleben, gar mit seiner Familie feiern kann, grenzt an ein kleines Wunder.

Bei dem Jungen war Anfang Oktober ein Krebstumor entdeckt worden, der seine Niere auffraß. Ein Schock für alle. Seine hochschwangere Mutter Anne und Vater Robert, aber auch die beiden Schwestern Emely und Eleanore machten eine schwere Zeit durch. Chemotherapie, Krankenhausbesuche, Geburtsvorbereitung, nebenbei noch Umzug aus einem sanierungsbedürftigen Mehrfamilienhaus in Seifhennersdorf in eine neue Wohnung in der Nachbargemeinde Großschönau.

„Wir haben Evin, so oft es ging, besucht und Mut gemacht“, sagt sein Vater. „Der Stress und die Sorge um unseren Sohn hat uns ziemlich fertig gemacht. Aber man musste irgendwie funktionieren.“

Schon wieder neue Sorgen um Kinder

Ärzte und Pfleger waren professionell und sehr einfühlsam. Die Operation am 8. November zur Entnahme der befallenen Niere verlief gut. Aber nach zehn Wochen Krankenhaus hatte Evin keine Lust mehr auf die ewigen Behandlungen. Erst als sein Zustand sich im Dezember allmählich stabilisierte, stimmten die behandelnden Ärzte in dieser Woche seiner Heimkehr zu. „In unserer neuen Wohnung ist es tausend Mal schöner als im Krankenhaus“, sagt der Junge über seine ersten Eindrücke.

Familie Busch will sich heute einen schönen Tag ganz in Familie gönnen. Das erste Mal seit langer Zeit sind fast alle vereint. Doch die Sorgen sind damit längst nicht passé. Im Krankenhaus wurde bei Evin eine neue Wucherung in der Blase entdeckt. Nach genauerer Untersuchung stellte sie sich zunächst als gutartig heraus, muss aber ebenso wie die Nieren regelmäßig mittels Ultraschall überwacht werden. Auch die Chemotherapie soll noch ein halbes Jahr andauern, um den Krebs restlos aus dem kleinen Körper zu verbannen. „Evin hat enorme Stimmungsschwankungen, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt“, sagt Mutter Anne. „Aber er ist ein tapferer kleiner Kämpfer. Wir stehen das durch.“

Kummer und Sorgen bereitet auch die kleinste im Bunde. Die erst fünf Wochen alte Amila kam zwei Tage vor Evins Operation mit einem Defekt im Verdauungstrakt zur Welt. „Vereinfacht gesagt gibt es keine Verbindung von der Speiseröhre zum Magen“, erklärt der Vater. Ernährt wird die Kleine seit der Entbindung über eine Magensonde, im Januar stehen zwei schwierige Operationen an, zwischendurch wird sie künstlich beatmet. Mindestens bis zum Frühjahr bleibt der Säugling permanent in der Klinik.

Damit die arbeitslosen Eltern das alles überhaupt stemmen können, haben sie eine Crowdfunding-Kampagne auf der Online-Spendenplattform Gofundme gestartet. Auch Leser der Leipziger Volkszeitung und der Dresdner Neuesten Nachrichten gehörten nach einem entsprechenden Bericht zu den Helfern, schickten Geldspenden, Briefe und Päckchen. „Die Resonanz war einfach überwältigend“, sagt Vater Robert und bedankt sich im Namen seiner Familie bei allen, die mitfühlten und mithalfen. „Ohne diese Welle der Anteilnahme hätten wir irgendwann nicht weiter gewusst.“ Auch aus persönlichen Begegnungen konnten die jungen Eltern viel Mut und Energie schöpfen. Mal stand die parteilose Bürgermeisterin von Seifhennersdorf, Karin Berndt, unangekündigt vor der Tür und bot ihre Unterstützung an. „In der Kindertagesstätte wurden mit Kuchenbasar und Mini-Trödelmarkt spontan Spenden für unseren Evin gesammelt“, fügt Anne Busch gerührt hinzu.

Nicht nur wohlwollende Kommentare

Andererseits quollen immer wieder auch Neid und Missgunst aus Kommentaren in sozialen Netzwerken. „Anonyme Foristen, die uns gar nicht kennen und vermutlich keine eigenen Kinder haben, behaupteten, wir würden Evin und seine Schwestern nur vorschieben, um die Einnahmen verprassen zu können“, sagt der 24-jährige Vater. „Das macht traurig und trifft uns sehr!“ Aber schließlich wüssten sie selbst am besten, dass die Vorwürfe haltlos sind. Mitgefühl und freundlicher Zuspruch hätten die hässlichen Einwürfe überwogen.

Evin, der tapfere kleine Kämpfer, hat ganz anderes im Sinn. Seit gestern hat er sein eigenes Kinderzimmer. Und statt im Pflegebett ruht er nun im bunten Hausbett mit offenem Dach. Wenn er die Augen öffnet, blickt der Heimkehrer auf funkelnde Sterne und sagenhaft weite Landschaften, die ihm die Mama an die Wand gezaubert hat. „Das ist so wunderschön“, seufzt das Geburtstagskind. Und schlummert friedlich wieder ein.

Wer Evins Familie unterstützen möchte: www.gofundme.com/kleiner-kmpfer-evin

Von Winfried Mahr

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