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Ex-Minister Günther Krause ist erneut pleite

Anhaltspunkte für Insolvenzverschleppung? Ex-Minister Günther Krause ist erneut pleite

Der ehemalige Bundesverkehrsminister Günther Krause – einer der Väter des Einheitsvertrags – ist schon wieder pleite. Seine Firma in Brandenburg/Havel schuldet Gläubigern rund 800.000 Euro. Dabei hatte der Unternehmer nichts weniger als eine Revolution versprochen: Er wollte aus Müll Öl machen.

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Mit seiner Unterschrift wurde 1990 die Einheit besiegelt: Günther Krause.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Der ehemalige Bundesverkehrsminister Günther Krause – einer der Väter des Einheitsvertrags – ist schon wieder pleite. Das Amtsgericht Potsdam hat einen vorläufigen Insolvenzverwalter für Krauses Firma „Information – Beratung – Projektentwicklung GmbH“ (IBP) bestellt, die im Brandenburger Ortsteil Kirchmöser sitzt. Das Verfahren soll in diesen Tagen eröffnet werden, erklärte ein Gerichtssprecher auf Anfrage. Den Insolvenzantrag hat nicht Krause selbst gestellt, Gläubiger waren aktiv geworden. Es geht dabei um ausstehende Zahlungen an Krankenkassen und das Finanzamt. Die Verbindlichkeiten belaufen sich laut Insolvenzverwalter auf etwa 800.000 Euro.

„Jetzt beginnt die Suche nach einem möglichen Investor“, sagte Moritz Sponagel, der als vorläufiger Insolvenzverwalter berufen wurde. Er habe sich inzwischen einen Überblick verschafft, der Geschäftsbetrieb könne zunächst aufrecht erhalten werden, sagte er der MAZ. Viele Mitarbeiter gibt es aber in der Firma, die in einer alten Villa residiert, nicht. „Die Firma besteht im Wesentlichen aus Günther Krause selbst“, so Sponagel.

Anhaltspunkte für Insolvenzverschleppung?

Möglicherweise hat die Firmenpleite weitergehende juristische Konsequenzen für Krause. Laut Insolvenzverwalter liegen erste Anhaltspunkte für eine Insolvenzverschleppung vor. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ist allerdings noch nicht aktiv geworden, das Verfahren ist noch ganz frisch. Krause war am Donnerstag nicht zu erreichen.

Der 62-Jährige ist gelernter Ingenieur. Vor einigen Jahren war er mit seiner Firma von Rostock nach Brandenburg/Havel gezogen. Mit der Firma IBP hatte er nach eigenen Angaben ein Verfahren erfunden, mit dem aus Hausmüll und Stroh Rohöl hergestellt werden soll. Außerdem wollte er aus alten Autoreifen Carbon gewinnen. Auch im Ausland warb Krause damit, so eröffnete er in Kiew ein Büro.

Nicht die erste wirtschaftliche Schieflage

Es ist nicht das erste Mal, dass Krause in wirtschaftliche Schieflage gerät. In den 90er-Jahren war seine Rostocker „Aufbau Invest GmbH“ insolvent gegangen – Krause landete wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht. Er musst einen Offenbarungseid leisten, es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, der schließlich vor dem Bundesgerichtshof landete. Der hob 2009 ein Urteil gegen Krause wegen „Bankrottvergehens“ teilweise auf, bestätigte aber eine Bewährungsstrafe.

Krause war 1990 unter DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière Verhandlungsführer beim deutsch-deutschen Einigungsvertrag. Später war er Bundesverkehrsminister. Er trat im Zusammenhang mit der sogenannten Putzfrauen-Affäre zurück. Seine Frau ließ eine Hausangestellte vom Arbeitsamt unterstützen, er sich einen Umzug erstatten.

Karriere mit Höhen und Tiefen

Günther Krause, 1953 in Halle an der Saale geboren, ist gelernter Ingenieur und war 1990 unter DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière Verhandlungsführer beim deutsch-deutschen Einigungsvertrag.

Von 1990 bis 1991 war er zunächst Bundesminister für besondere Aufgaben, von 1991 bis 1993 Bundesverkehrsminister. Er trat im Zusammenhang mit der sogenannten Putzfrauen-Affäre zurück. Seine Frau ließ eine Hausangestellte vom Arbeitsamt unterstützen, er sich einen Umzug erstatten.

Seine Nachfolge an der Spitze der CDU in Mecklenburg-Vorpommern übernahm die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Als Privatunternehmer versuchte er in den 90er-Jahren in der Immobilienbranche sein Glück, doch die Aufbau Invest GmbH ging pleite. 2001 musste er einen Offenbarungseid leisten. Er wurde unter anderem wegen Insolvenzverschleppung angeklagt. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hob der Bundsegerichtshof Teile vorheriger Urteile auf; Krause erhielt eine Bewährungsstrafe.

Von Torsten Gellner

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