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Inklusion an Brandenburgs Schulen in der Kritik

Experten widersprechen Bertelsmann-Studie Inklusion an Brandenburgs Schulen in der Kritik

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung erteilt der Mark für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf eine gute Note. Ein Bildungsexperte widerspricht vehement: Das Land habe seine einstige Vorreiterrolle bei der Inklusion verspielt.

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Brandenburg will eine „Schule für alle“.

Quelle: dpa

Potsdam.

Der ehemalige Schulleiter aus Templin (Uckermark) hat Brandenburg im eigens vom Land initiierten wissenschaftlichen Beirat zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention beraten. Sein Inklusions-Zeugnis für die rot-rote Landesregierung liest sich ganz anders als jenes von Bertelsmann: „Die Mark war auf dem Weg, bei Inklusion eine Vorreiterrolle einzunehmen. Aber Brandenburg ist bei dem Thema steckengeblieben“, kritisiert er. Im März 2014 legte der Beirat der damaligen Bildungsministerin Martina Münch (SPD) seine Empfehlungen vor. „Seitdem ist nichts mehr passiert“, erklärt Steinert. „Es ist wirklich sehr enttäuschend.“ Zumal das Thema Inklusion im Herbst sogar in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden sei.

Vorschläge einer Expertengruppe wurden nicht umgesetzt

Insgesamt zehn Experten hatten Brandenburg zur Inklusion beraten und auf 50 Seiten ihre Standpunkte dargelegt. Darunter seien auch Vorschläge gewesen, die ohne große Kosten umzusetzen gewesen wären, erklärt Steinert: die Einrichtung einer Ombudsstelle etwa, an die sich Eltern bei Problemen wenden können.

Klagen der Eltern zur Inklusion gab es gleich zu Beginn des neuen Schuljahrs: In Großbeeren (Teltow-Fläming) wurden wegen Lehrermangels statt vier nur drei erste Klassen eingerichtet – das bedeutet mehr als 23 Schüler pro Klasse, obwohl das Land selbst diesen Richtwert empfiehlt. Die Otfried-Preußler-Grundschule Großbeeren ist eine von 75 öffentlichen Pilotschulen für Inklusion. Ähnlich die Lage in Bad Liebenwalde (Elbe-Elster). Auch dort wurden große Klassen gebildet, obwohl mehrere behinderte Kinder eingeschult wurden. Der Landeselternrat fand heraus, dass im vergangenen Schuljahr jede dritte Inklusionsklasse im Land zu groß war und mehr als 23 Schüler hatte. „Das ist eine Katastrophe“, sagt Wilfried Steinert ganz klar. „Wenn das Land nicht einmal die Gestaltungskraft hat, seine eigenen Vorgaben einzuhalten, dann ist das schon bezeichnend.“

Selbst in den 74 Pilotschulen gibt es Probleme

„Es gibt selbst aus den Pilotschulen Klagen, dass es nicht gut läuft“, sagte auch die Vorsitzende des Brandenburger Philologenverbandes, Kathrin Wiencek, zum Schuljahresstart. Die Pilotschulen bekommen Lehrerstunden extra zugewiesen, aber selbst das reiche oft nicht aus, wenn Kollegen krank werden. Ein Beispiel aus dem Vorjahr: An der Thomas-Müntzer-Grundschule in Walsleben (Ostprignitz-Ruppin) musste ein Inklusions-Lehrer, der Kinder individuell fördern soll, des Öfteren anders eingesetzt werden, weil sonst Unterricht ausgefallen wäre.

Bildungsminister Günter Baaske (SPD) hingegen sieht Brandenburg beim gemeinsamen Unterricht „auf gutem Weg“. Das bestätige die Studie. Das Land wolle Inklusion voranbringen, „aber mit Augenmaß und immer mit einem Blick auf die tatsächlichen örtlichen Möglichkeiten“, so Baaske. Die 75 Pilotschulen setzten ihre Arbeit für zunächst zwei Jahre mit Sonderausstattung fort. Insgesamt bekommen sie 109 Lehrer zusätzlich. Erst im Herbst, wenn die Evaluierung des Pilotprojekts vorliege, wolle man dann entscheiden, wie es insgesamt mit Inklusion weitergehen soll. Inklusion werde auf die lange Bank geschoben, sagt hingegen Wilfried Steinert. Schließlich habe das Land schon einmal eine angeforderte Expertise zu dem Thema ungenutzt beiseite gelegt.

Von Marion Kaufmann

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