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Experte: Demonstranten in Cottbus radikaler als Pegida

Rechtsextremismus Experte: Demonstranten in Cottbus radikaler als Pegida

Der rechtspopulistische Verein „Zukunft Heimat“ organisiert seit Wochen Demonstrationen durch die zweitgrößte Stadt im Süden Brandenburgs. Die Aufmärsche in Cottbus erinnern an Kundgebungen der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung. Doch Extremismusforscher warnen, dass es sich dabei um eine weitaus bedrohlichere Bewegung handele.

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Das rechtspopulistische Bündnis „Zukunft Heimat“ mobilisiert immer mehr Menschen zu rechten Demonstrationen in Cottbus.

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. Extremismus-Experten halten die politische Situation in Cottbus für besonders bedrohlich. Die Demonstranten artikulierten ihre fremdenfeindlichen Vorbehalte deutlich radikaler als noch in den Dresdener Anfängen von Pegida. „Wir sehen in Cottbus schon jetzt eine Bewegung, die offen mit rechtsextremen Parolen auftritt“, sagte der Leipziger Extremismusforscher Oliver Decker.

Der Sozialpsychologe hat beobachtet, dass die AfD bei den Kundgebungen in Cottbus stärker in Erscheinung tritt als noch auf dem Dresdener Neumarkt. Doch nicht nur AfD-Politiker mischen sich unter die Cottbuser Demonstranten. Auch Bürger aus der Mitte der Gesellschaft würden Plakate wie „Schnauze voll!“ und „Faxen dicke!“ hochhalten, was den Extremismusforscher nicht überrascht. Er und seine Kollegen von der Universität Leipzig untersuchen alle zwei Jahre in der sogenannten „Leipziger Mitte“-Studie rechtsextreme Einstellungen in Deutschland. „Wir müssen realisieren, dass immer mehr Menschen bereit sind, für ihre fremdenfeindlichen und antidemokratischen Ressentiments auf die Straße zu gehen“, erklärt er.

Bilder der rechten Pegida-Demos in Dresden

Dem stimmt auch Gideon Botsch, Politikwissenschaftler vom Moses- Mendelssohn-Zentrum in Potsdam zu. „Der Trägerkreis der Demons­trationen in Cottbus sind keine verängstigten Bürger, sondern Anhänger der rechtsextremistischen Szene, Hooligans, Neonazis und der AfD“, sagt Botsch.

In der zweitgrößten Stadt Brandenburgs mit gut 100 000 Einwohnern hatte es zuletzt mehrfach Übergriffe zwischen Deutschen und Flüchtlingen gegeben. Mindestens 2000 Teilnehmer demonstrierten am Wochenende bei einer Kundgebung des rechtspopulistischen Vereins „Zukunft Heimat“ gegen Flüchtlinge. Die Demonstrationen gegen Zuwanderer erinnerten an Bilder der rechten Pegida-Demos in Dresden. So sprach auch Pegida-Chef Lutz Bachmann am Sonnabend in Cottbus auf einem Wagen zur aufgebrachten Menge.

„Viele Cottbuser fühlen sich in ihrem Angstgefühl bestärkt“

Nach Einschätzung des Rechtsextremismusforschers Botsch handelt es sich beim Lausitzer Verein „Zukunft Heimat“ um einen „offiziellen Pegida-Ableger und Kooperationspartner“. Anhänger der sogenannten Pegida-Bewegung waren montags in Dresden auf die Straße gegangen, unter anderem um gegen eine angebliche Islamisierung der Gesellschaft zu protestieren. Das islam- und fremdenfeindliche Bündnis breitete sich auf andere deutsche Städte wie Bonn, Potsdam oder Leipzig aus.

Nach mehreren Angriffen auf Asylsuchende und von Flüchtlingen fühlten sich viele Cottbuser in ihrem Angstgefühl bestärkt und würden aktiv von „Zukunft Heimat“ angesprochen, sagt Susanne Kschenka vom Mobilen Beratungsteam Cottbus. Sie sieht vor Ort die Gefahr, dass die Pegida-Getreuen, Aktivisten der NPD sowie Mitglieder der Identitären Bewegung und Rocker mit den Demonstrationen eine Bühne haben, die sich ihnen sonst nicht biete. „Rechtsextreme treten in Erscheinung, die sonst nicht geschlossen durch die Straßen von Cottbus ziehen und haben dadurch auch einen wachsenden Zulauf“, so Kschenka.

„Landesregierung hat nur sehr langsam reagiert“

Die rechte Szene in Cottbus gilt als aktivste im ganzen Land und hat nach Einschätzung vom Mobilen Beratungsteam eine lange Tradition. In den 1990er Jahren gab es eine Reihe von Übergriffen. Bis heute gebe es eine Mischszene aus Rockern, Türstehern, freien Kräften, Rechtsextremen und NPD-Funktionären, sagt Kschenka.

Auf der anderen Seite gebe es auch diejenigen, die engagiert Flüchtlinge unterstützen. Die Hilfsangebote reichen von Beratungen über Deutschkurse bis zu Patenschaften. „Viele Leute bemühen sich, etwas zu tun und es ist schade, dass es so aussieht, die Stadt käme nicht aus dem Mustopf“, sagt Kschenka. Rechtzeitig habe man auf die Probleme aufmerksam gemacht. Nur sehr langsam habe die Landesregierung reagiert.

Von Diana Bade

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