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Fachkräfte fehlen, Ausbilder aber auch

Arbeit in Brandenburg Fachkräfte fehlen, Ausbilder aber auch

Arbeitsministerin Diana Golze kann eigentlich zufrieden sein. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich positiv, 59.000 Angebote hatten die einschlägigen Portale zu bieten. Doch das neue Betriebspanel zeigt laut Ministerin auch, dass die hiesigen Betriebe noch mehr tun müssten und könnten, um künftigen Fachkräftebedarf zu decken.

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Quelle: Staatskanzlei Brandenburg

Potsdam. Zwei Stellen hat derzeit die Hoffbauer-Stiftung in Potsdam für ihr Seniorenzentrum „Hertha von Zedlitz“ ausgeschrieben. „Wir suchen immer wieder Kolleginnen und Kollegen in diesem Bereich“, sagt Sprecherin Heidrun Spengler. Altenpflege sei für junge Leute vermutlich nicht gerade „sexy“. „Es ist sehr schwierig, Stellen nachzubesetzen, wenn Kollegen gehen“, sagt Spengler. Dringend müsse das Image der Pflegeberufe in der Öffentlichkeit verbessert, vor allem aber müsse die Bezahlung der Leistung von Altenpflegern angepasst werden.

Das Beispiel ist repräsentativ für die Situation in ganz Brandenburg. Im ersten Halbjahr 2014 suchten brandenburgische Betriebe 59 000 qualifizierte Mitarbeiter. Jede vierte Stelle war zumindest zum gewünschten Einstellungstermin noch unbesetzt geblieben. Dies zeigt das sogenannte Betriebspanel des Instituts für Arbeitsmarkt-und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Brandenburgs Arbeitsministerin Diana Golze (Linke) hob am Freitag den Fachkräftemangel als ein Ergebnis dieser 19. Studie zum Arbeitsmarkt hervor.

Dass Unternehmen Mitarbeiter suchten, sei zunächst eine gute Situation, so Golze. „Aber es wird zunehmend schwieriger. Der Wettbewerb nimmt zu.“ Die Betriebe hätten erkannt, dass sie Strategien entwickeln müssten, um attraktiver zu werden. Einige versuchten dies zum Beispiel durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen. Golze berichtetet zum Beispiel von einer Physiotherapiepraxis in Cottbus, die ihren Mitarbeiterinnen hilft, einen Kitaplatz zu finden.

Vera Dahms, Wissenschaftlerin am Berliner Institut für sozialökonomische Strukturanalyse, sagt, der Fachkräftemangel steige seit 2000 von Jahr zu Jahr tendenziell an. Im Jahr 2007 machten sich zum Beispiel nur die Hälfte der märkischen Betriebe Sorgen wegen der Besetzung ihrer Stellen. 2014 sagten fast 90 Prozent aller Unternehmen, die Besetzung von Stellen sei schwer geworden. Das ist der höchste Wert unter den ostdeutschen Bundesländern.

Billiglohn sehr verbreitet

981 märkische Betriebe wurden für das IAB-Betriebspanel 2014 zur Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Situation und der Beschäftigung durch das Institut TNS Infratest Sozialforschung befragt. Die Daten wertete das Institut für sozialökonomische Strukturanalysen aus.

Die Einführung des Mindestlohns war neben der Fachkräftegewinnung ein Thema der aktuellen Studie. Demnach gab es in Brandenburg 2014 in 22 Prozent aller Betriebe mindestens einen Mitarbeiter, der für weniger als 8,50 Euro brutto pro Stunde arbeitete. Hochgerechnet verdienten demnach über 1150 00 Beschäftigte weniger als 8,50 Euro in der Stunde.

Ein Jobkiller sei er nicht geworden. Die Arbeitsmarktzahlen belegten, dass die Einführung keine negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung gehabt habe. bra

Im Wesentlichen habe dieser Mangel an qualifiziertem Nachwuchs zwei Ursachen, erläutert Dahms. Die Zahl der Älteren und damit auch der Pensionäre nehme zu, außerdem steige der Bedarf an Mitarbeitern durch Betriebserweiterungen. Hinzu komme, dass wegen der inzwischen entspannteren Arbeitsmarktsituation Mitarbeiter auch leichter kündigten und anderweitig eine lukrativere Beschäftigung suchten. Das Problem betreffe inzwischen alle Arten und Klassen von Betrieben in der Mark.

„Den Betrieben stehen unterschiedliche Strategien zur Verfügung“, sagt Dahms. Am häufigsten geben die brandenburgischen Betriebe in Umfragen an, sie versuchten „attraktive Arbeitsbedingungen“ zu schaffen. Auf diese recht vage Strategie setzen 64 Prozent der hiesigen Betriebe. Immerhin investieren über die Hälfte, nämlich 55 Prozent, massiv in die Fort- und Weiterbildung ihrer Beschäftigten. Bei der Ausbildung von Berufseinsteigern jedoch fällt Brandenburg gegenüber Westdeutschland enorm zurück: Nur 37 Prozent der Betriebe geben an, dem Fachkräftemangel wolle man durch die Ausbildung junger Leute gegensteuern. In Westdeutschland setzen immerhin 51 Prozent auf die Gewinnung von Azubis.

Das Problem einer zu geringen Ausbildungsquote sieht auch Arbeitsministerin Golze. Es seien 55 Prozent der brandenburgischen Betriebe ausbildungsberechtigt. Davon bildeten jedoch wiederum nur 38 Prozent aus. „Das ist eine Zahl, die nicht ausreicht.“ Golze wirbt gerade im Hinblick auf die vielen Kleinbetriebe für die Verbundsausbildung durch mehrere Betriebe, die vom Land auch unterstützt werde. Nicht zuletzt müssten kleinere Betriebe mehr auf sich aufmerksam machen. Viele Jugendliche seien auf klassische Ausbildungen fixiert, ohne den Handwerksbetrieb zwei Gemeinden weiter zu kennen.

Aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Berlin-Brandenburg könnten viele Ausbildungsabbrüche vermieden werden, wenn man die Qualität steigere. „Betriebe müssen Zeit und Geld in die Ausbildung investieren“, sagt Gewerkschaftsbund-Sprecherin Nina Lepsius. „Wenn Betriebe aber ihre Azubis als volle Arbeitskraft in den laufenden Betrieb stecken, führt das vielfach zum Abbruch.“

Von Rüdiger Braun

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