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Brandenburg Fällt der Sommer ins Wasser?
Brandenburg Fällt der Sommer ins Wasser?
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07:49 13.07.2017
Dieses Bild vom Alten Markt in Potsdam stammt nicht aus dem April, sondern von Ende Juni.. Quelle: dpa
Potsdam

Die Bilanz seit Juni: Niederschlag an 26 Tagen. Bei dem Starkregen vor zwei Wochen stürzten in einigen Regionen Brandenburgs sogar 160 Liter pro Quadratmeter vom Himmel. Das dafür verantwortliche Sturmtief „Rasmund“ hat in Brandenburg und Berlin Schäden von rund 60 Millionen Euro verursacht.

Sorgen bereitet das Wetter vor allem den märkischen Bauern bei der Getreidemahd. „Die Befahrbarkeit der Böden ist ein Problem“, sagt Sebastian Scholze, Sprecher des Landesbauernverbandes Brandenburg. Auf den feuchten Böden hinterlassen die Landmaschinen tiefe Fahrspuren. „Die Bauern müssen vielerorts das Getreide stehen lassen“, so Scholze. Das Korn droht zu keimen und an Wert zu verlieren. Es könne dann allenfalls noch als Futtermittel verkauft werden. Der Preisunterschied bei Weizen kann bis zu 150 Euro pro Hektar betragen, bei Roggen können sich die Verluste auf 100 Euro pro Hektar belaufen. Außerdem läuft den Landwirten die Zeit weg. Im August steht bereits die Rapsernte an.

Große Probleme haben die Bauern bei der Getreidemahd. Quelle: dpa

„Wenn wir uns etwas wünschen dürften, dann wären es Sonne und 25 bis 30 Grad – und das möglichst sieben Wochen am Stück“, sagt Scholze. Derzeit würde nur punktuell geerntet, je nachdem wie es das Wetter zulasse.

Noch optimistisch zeigt sich die Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB). „Der Sommerurlaub wird ja eher langfristig gebucht“, sagt Sprecher Patrick Kastner. Sogar das Ausflugsgeschehen scheint nicht maßgeblich unter dem Regenwetter zu leiden. Außerdem habe Brandenburg ja etliche Thermen und „Indoor“-Angebote. Zum Beispiel das „Tropical Islands“ bei Krausnick (Dahme-Spreewald), das zu den beliebtesten Touristikzielen im Land gehört.

Für Urlauber bietet die Mark mit ihren vielen Schlössern auch zu Regenzeiten immer noch viel Abwechslung. Quelle: dpa

Im Campingpark Buntspecht bei Ferchesar (Havelland) sind die Folgen des Regenwetters laut Mitarbeiterin Jacqueline Hermann zwar schon zu spüren, aber nicht so, dass ein wirtschaftlicher Schaden entsteht. Auch gestern kamen hier wieder neue Camper an. Von den insgesamt 200 Plätzen seien derzeit 110 Plätze belegt. „Für die Jahreszeit und die Umstände ist das schon gut“, so Hermann.

Alles im grünen Bereich ist trotz Dauerregens beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Brandenburg. „Große Hochwasserstände, die die Binnenschifffahrt beeinträchtigen könnten, haben wir nicht“, sagt die dortige Mitarbeiterin. Der Verkehr laufe normal. Bei extremen Hochwasserständen ist die Durchfahrt unter Brücken problematisch. Das sei von Potsdam bis Magdeburg derzeit aber nirgendwo der Fall.

Campingplatzbetreiber melden noch keine großen Buchungseinbrüche. Quelle: dpa

Nicht auf die leichte Schulter nimmt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (Pik) die Wettereskapaden der vergangenen Wochen. „Ein einziger Starkregen kann natürlich nicht auf den Klimawandel zurückgeführt werden“, sagt Sprecherin Sarah Messina. Über lange Perioden sehe man jedoch, dass sich Extremereignisse häuften und Luftströmungen sich ändern. Darum sagt auch Pik-Meteorologe Peter Hoffmann: „Der vom Menschen verursachte Klimawandel trägt dazu bei, dass sich Luftströmungen über Europa verändern und damit verbunden Extremwetterlagen begünstigt werden.“ Die Tiefdruckgebiete über Mitteleuropa und die vergangenen Starkniederschläge könnten deshalb sehr wohl Symptome des Klimawandels sein.

Mittelfristig könnte das Sommerwetter nach Ansicht von Kristina Fröhlich vom Zentralen Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes (DWD) besser werden. „Bis Ende Juli sagen die Berechnungen für Europa neutrale bis trockene Bedingungen voraus“, sagt Fröhlich. Neutral heiße in diesem Fall: Kaum Abweichungen vom statistischen Mittel. Einen richtigen Sommer im Sinne von Sonne, Hitze und Badespaß kann Fröhlich aber nicht versprechen. Laut den Berechnungen könnte es mit 40- bis 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit doch wieder feuchter werden. Aber: „Etwas mehr als die Hälfte der errechneten Vorhersagelösungen sprechen sich eher für einen trockenen Juli aus“, sagt Fröhlich.

Quelle: dpa-Zentralbild

Subjektiv betrachtet findet der diensthabende Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam das bisherige Sommerwetter gar nicht so schlecht. „Ich fahre oft mit dem Fahrrad zur Arbeit“, sagt er auf MAZ-Nachfrage. „Wenn ich denke, wie oft ich in den Regen kam, dann kann ich das an einer Hand abzählen.“ Die DWD-Daten geben ihm sogar recht. Seit Juni gab es in der Region Berlin-Brandenburg insgesamt nur sechs Tage, die meteorologisch als ausgesprochene Regentage gelten müssen.

Zumindest mit dem Dauerregen über Brandenburg dürfte demnächst also Schluss sein, denn das Zwischenhoch Hanna zieht von Westen her herein. „Es wird die meiste Zeit trocken bleiben“, sagt der Meteorologe vom Dienst beim DWD in Potsdam. Es werde aber immer wieder bewölkte Abschnitte geben. Die Temperatur werde tagsüber zwischen 21 und 24 Grad Celsius schwanken. „Bis Montag müssen wir aber schon damit rechnen, dass es kurzzeitig auch mal regnet.“

Von Rüdiger Braun

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