Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Fahndung nach neuen Stechmückenarten

Wissenschaftler erstellen deutschen „Mückenatlas“ Fahndung nach neuen Stechmückenarten

Bald geht die Blutsauger-Saison wieder richtig los: Wer gerne Mücken jagt, kann das inzwischen auch im Dienst der Wissenschaft tun. Biologen des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg (Märkisch-Oderland) erstellen einen deutschen „Mückenatlas“. Vor allem Exoten haben die Experten im Blick.

Voriger Artikel
Polizeireform: Land hält Evaluierung zurück
Nächster Artikel
Dem Wolf-Köpfer auf der Spur

Im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg untersucht Biologin Doreen Werner eine Buschmücke.

Quelle: dpa

Müncheberg. Hauchdünne Beinchen, bräunliche Borsten und ein fieser Saugrüssel zum Stechen: Bis zu 50 Mücken verschiedener Arten landen im Sommer pro Tag bei Doreen Werner im Labor – tot in der Post. Bürger unterstützen die Arbeit der Biologin, indem sie ihr erlegte Mücken schicken, in Einmachgläsern, Schächtelchen oder Küchenkrepp. Wichtig: Intakt, etwa im Tiefkühlfach eingefroren, statt zerquetscht sollten die Mücken sein. Denn Werner und ihre Kollegen vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg (Märkisch-Oderland) wollen unter dem Mikroskop die jeweilige Art bestimmen. All das kommt dem „Mückenatlas“ zugute: Doreen Werner leitet das 2012 gestartete Projekt.

Weitere Förderung dafür kommt in den kommenden drei Jahren von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Einen Überblick zu gewinnen über die Verbreitung von Mückenarten in Deutschland ist eines der Ziele der Müncheberger Forscher und ihrer Kollegen am Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems.

Verschiedene präparierte Mücken sind im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung   in Müncheberg zu sehen

Verschiedene präparierte Mücken sind im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg zu sehen.

Quelle: dpa

Experten gehen von rund 50 Arten von Stechmücken hierzulande aus. Allein für 2014 hat Werners Team bundesweit mehr als 1250 Mücken-Fangorte mit Datum und Art auf einer Online-Karte verzeichnet. Seit Projektbeginn 2012 schickten Bürger mehr als 25 000 Mücken von mehr als 40 verschiedenen Arten ein.

„Jede Mücke landet in der Referenzsammlung“, sagt Werner. Mit deren Hilfe könnten eines Tages weitergehende Untersuchungen zu Mücken aus bestimmten Regionen gemacht werden. Richtig los geht es für die Forscher im Juni und Juli. „Bisher ist die Mückensaison lau. Wenige, manchmal keine, sind uns bisher in die Fallen gegangen“, sagt der Parasitologe Egbert Tannich vom Hamburger Bernard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. „Für die Larvenentwicklung im Wasser braucht es bestimmte Temperaturen, noch ist es zu kalt.“

Exoten gehen Bürgern wie Profi-Forschern immer wieder mal ins Netz: etwa die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus), die sich seit einigen Jahren vor allem in westdeutschen Bundesländern ausbreitet. Noch nicht umfassend angesiedelt hat sich die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die warme Temperaturen liebt. Einzelne Exemplare mit den charakteristisch schwarz-weißen Beinchen hat Werner allerdings 2014 aus dem Raum Freiburg in Baden-Württemberg zugeschickt bekommen.

Die Biologin Doreen Werner leitet das Projekt

Die Biologin Doreen Werner leitet das Projekt.

Quelle: dpa

Auch die Forscher um Tannich betreiben mit Partnern rund 150 Fallen in Deutschland. Im Blick haben sie ebenfalls die Tigermücke, die in anderen Ländern das Dengue- und das Chikungunya-Fieber übertragen kann. Spezielle Fallen haben sie entlang von Autobahnen aufgestellt. „Tigermücken kommen immer wieder in Autos über die Alpen und werden an Raststätten freigesetzt“, sagt Tannich. Die Mücke selbst könne den deutschen Winter schwerlich überstehen, glaubt er. Ihre Eier an geschützten Orten hingegen schon. „Die Mücken haben dann einen frühen und guten Start in die Saison. So können mehr Nachkommen entstehen, als wenn ein Exemplar spät im Jahr aus Italien mitgebracht wird.“

Sollte das passieren, wollen es die Wissenschaftler so früh wie möglich mitbekommen. Sie setzen auf ausgetüftelte Fallen – nicht jede Mücke reagiere auf jedes Lockmittel. Verschiedene Mischungen aus Duftstoffen und Kohlendioxid sollen die Plagegeister anlocken. Für Laien dürfte der Mücken-Fang schwieriger sein, doch der Forscherdrang überwiegt offenbar bei vielen. Der Direktor des Potsdamer Naturkundemuseums, Detlef Knuth, erzählt, dass er vor allem Mücken aus Gebieten mitbringe, in die sonst kaum jemand komme. Die Regionen an der Elbe und der Oder und das an Gewässern reiche Brandenburg seien wichtige Areale für die Forschung – auch, da sich dort Entwicklungen aus Osteuropa zuerst bemerkbar machten, sagt er. Die diesjährige Mückensaison jedenfalls könnte relativ harmlos werden, vorausgesetzt, es bleibt kühl und trocken. Entscheiden werde sich das aber erst in den nächsten Wochen, sagt Egbert Tannich.

Auf Tigermücken-Jagd

Die Biologin Doreen Werner will im Sommer mit ihren Kollegen vom Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg (Märkisch-Oderland) in Süddeutschland nach Exemplaren der Asiatischen Tigermücke suchen.


Mit mindestens 500 Fallen

Die Tigermücke ist in den Tropen beheimatet, kommt inzwischen aber auch in Südeuropa vor. Sie kann Krankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen.

 

Von Gisela Gross

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg