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Brandenburg Fall Erna F.: Pathologe schließt Unfall aus
Brandenburg Fall Erna F.: Pathologe schließt Unfall aus
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07:49 12.05.2016
Erna F. soll ihren Sohn getötet haben. Quelle: dpa-Zentralbild
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Neuruppin

Im Prozess um den Tod des achtjährigen Mario aus Schwedt vor 42 Jahren ist der Unfalltheorie der Verteidigung am Mittwoch widersprochen worden. Nach Einschätzung des Rechtsmediziners Wolfgang Mattig ist davon auszugehen, dass sich der Junge die tödliche Menge Kohlenmonoxid nicht selbst beibringen konnte. Vor dem Landgericht Neuruppin muss sich die 74-jährige Erna F. verantworten. Ihr wird vorgeworfen, ihren Sohn in der Nacht vom 4. zum 5. November 1974 mit Gas aus dem Küchenherd vergiftet zu haben. Erna F. soll den Schlafenden in die Küche getragen und später wieder in sein Bett gelegt haben. Sie bestreitet die Tat. Nach ihren früheren Angaben bei der Polizei habe Mario nachts am Herd gespielt und den Hahn geöffnet.

Rechtsmediziner Wolfgang Mattig. Quelle: Julian Stähle

Für sein Gutachten hat sich Mattig mit verschiedenen Ablaufszenarien beschäftigt. Nach seiner Berechnungen müssen alle drei Brenner des Herdes geöffnet gewesen sein. Das Gas müsse bei offenen Türen zwei Stunden ausgeströmt sein, um das Kinderzimmer zu erreichen und den bei der Obduktion festgestellten Wert von 73 Prozent Kohlenmonoxid im Blut herbeizuführen. Laut Mattig führt eine Konzentration zwischen 60 und 80 Prozent zum Tod. „Mario konnte nicht noch einmal aufgestanden sein und die Gashähne wieder zudrehen“, so der langjährige Chef des Rechtsmedizinischen Instituts in Potsdam. Die Hähne waren, als Mario gefunden wurde, aber geschlossen. Zeugen, so der damalige Notarzt, hatten ausgesagt, kein Gas gerochen zu haben. Wäre es aber über Stunden ausgeströmt, hätte man es noch teilweise wahrnehmen müssen, denn DDR-Stadtgas war aus Sicherheitsgründen mit stark riechenden Zusätzen angereichert.

Ein früherer Lebensgefährte entlastete Erna F., die im niedersächsischen Göttingen lebt. Den Vorwurf, die Mutter habe ihren verhaltensauffälligen Sohn umgebracht, weil er ihrer Lebensplanung im Wege stand, nannte der 75-Jährige „absolut abwegig“. Er habe keinerlei Zweifel an der Unfallversion. Erna F. habe über keines der Kinder jemals negativ gesprochen. Sie habe von etwas mehr Wohlstand geträumt, „aber wer tat das damals nicht“.

Der Prozess wird am 26. Mai fortgesetzt.

Von Volkmar Krause

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