Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Fall Erna F.: Pathologe schließt Unfall aus

Kindsmord-Prozess Fall Erna F.: Pathologe schließt Unfall aus

Hat Erna F. ihren eigenen Sohn vor Jahrzehnten ermordet? Die Mutter sprach immer von einem Unfall. Für einen Pathologen, der sich mit den Todesumständen ihres damals acht Jahre alten Sohnes vor 42 Jahren befasste, erscheint das abwegig.

Voriger Artikel
Dienstwagen produzieren auch gute News
Nächster Artikel
Brandenburg sucht Pflegepersonal in Asien

Erna F. soll ihren Sohn getötet haben.

Quelle: dpa-Zentralbild

Neuruppin. Im Prozess um den Tod des achtjährigen Mario aus Schwedt vor 42 Jahren ist der Unfalltheorie der Verteidigung am Mittwoch widersprochen worden. Nach Einschätzung des Rechtsmediziners Wolfgang Mattig ist davon auszugehen, dass sich der Junge die tödliche Menge Kohlenmonoxid nicht selbst beibringen konnte. Vor dem Landgericht Neuruppin muss sich die 74-jährige Erna F. verantworten. Ihr wird vorgeworfen, ihren Sohn in der Nacht vom 4. zum 5. November 1974 mit Gas aus dem Küchenherd vergiftet zu haben. Erna F. soll den Schlafenden in die Küche getragen und später wieder in sein Bett gelegt haben. Sie bestreitet die Tat. Nach ihren früheren Angaben bei der Polizei habe Mario nachts am Herd gespielt und den Hahn geöffnet.

Rechtsmediziner Wolfgang Mattig

Rechtsmediziner Wolfgang Mattig.

Quelle: Julian Stähle

Für sein Gutachten hat sich Mattig mit verschiedenen Ablaufszenarien beschäftigt. Nach seiner Berechnungen müssen alle drei Brenner des Herdes geöffnet gewesen sein. Das Gas müsse bei offenen Türen zwei Stunden ausgeströmt sein, um das Kinderzimmer zu erreichen und den bei der Obduktion festgestellten Wert von 73 Prozent Kohlenmonoxid im Blut herbeizuführen. Laut Mattig führt eine Konzentration zwischen 60 und 80 Prozent zum Tod. „Mario konnte nicht noch einmal aufgestanden sein und die Gashähne wieder zudrehen“, so der langjährige Chef des Rechtsmedizinischen Instituts in Potsdam. Die Hähne waren, als Mario gefunden wurde, aber geschlossen. Zeugen, so der damalige Notarzt, hatten ausgesagt, kein Gas gerochen zu haben. Wäre es aber über Stunden ausgeströmt, hätte man es noch teilweise wahrnehmen müssen, denn DDR-Stadtgas war aus Sicherheitsgründen mit stark riechenden Zusätzen angereichert.

Ein früherer Lebensgefährte entlastete Erna F., die im niedersächsischen Göttingen lebt. Den Vorwurf, die Mutter habe ihren verhaltensauffälligen Sohn umgebracht, weil er ihrer Lebensplanung im Wege stand, nannte der 75-Jährige „absolut abwegig“. Er habe keinerlei Zweifel an der Unfallversion. Erna F. habe über keines der Kinder jemals negativ gesprochen. Sie habe von etwas mehr Wohlstand geträumt, „aber wer tat das damals nicht“.

Der Prozess wird am 26. Mai fortgesetzt.

Von Volkmar Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg