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Brandenburg Familie überglücklich: Endlich darf Bonny zurück in die Heimat
Brandenburg Familie überglücklich: Endlich darf Bonny zurück in die Heimat
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09:15 12.08.2016
Jutta und Manfred Kühl mit Cira von Beelitz, Bonnys zehn Monate alter Nichte. Quelle: Bernd Gartenschläger
Ferch

„Die ganze Familie freut sich. Wir haben immer fest daran geglaubt, dass Bonny eines Tages zu uns zurückkehrt.“ Jutta und Manfred Kühl aus Ferch (Potsdam-Mittelmark) sind erleichtert. „Die Geschichte hat uns Nerven gekostet“, sagte Jutta Kühl am Donnerstag sichtlich gerührt der MAZ. Der bizarre Rechtsstreit um Bonny von Beelitz, den Rauhaardackel ihres Mannes, ist zu Ende. Das Landgericht Potsdam hatte am Mittwoch entschieden, dass ein Münchner Ehepaar die Hündin herausgeben muss. Das Urteil ist rechtskräftig. Tierfreunde mag es ärgern, aber das Gesetz will es, dass der Vierbeiner hier zur „Sache“ wird. „Der Eigentümer kann von dem Besitzer die Herausgabe der Sache verlangen“, heißt es im Bürgerlichen Gesetzbuch. Dieses Eigentum habe Manfred Kühl nie aufgegeben, so Richterin Christel Schulz bei der Urteilsverkündung.

Ein Geschenk zum 70. Geburtstag

Die damals neun Monate alte Bonny war Manfred Kühl im April 2012 auf dem Spargelhof Buschmann und Winkelmann in Klaistow entwischt. Noch als Welpen hatte Jutta Kühl den Hund ihrem Mann zum 70. Geburtstag geschenkt. Manfred Kühl ist Jäger, er wollte auf dem Hof eine Jagdvorführung machen. Aber das ungestüme Jungtier sprang aus dem Auto, kaum dass die Tür offen war. „Wir haben alles abgesucht, Plakate aufgehängt und noch Wochen später in Tierheimen und bei Züchtern nachgefragt. Vergeblich“, erinnert sich Jutta Kühl. „Uns war klar, dass Bonny von jemandem mitgenommen worden ist.“ Tatsächlich hatten Touristen aus Bayern den herrenlosen Dackel, der weder Marke noch Halsband trug, an der nahen Autobahnauffahrt aufgelesen und mitgenommen.

Meldepflicht für Fundtiere

Finder dürfen zugelaufene Tiere nicht einfach behalten. Sie sind dazu verpflichtet, sie zeitnah bei ihrer Kommune zu melden. Kommen sie dem nicht nach, machen sie sich strafbar.

Nach der Meldung können Finder zugelaufene Tiere laut Tierschutzbund selbst versorgen. Die Tiere müssen aber artgerecht gehalten und gegebenenfalls zum Tierarzt gebracht werden.

Ob Tiere beim Finder bleiben dürfen, hängt davon ab, ob sich innerhalb von sechs Monaten der Eigentümer meldet. Wenn nicht, kann der Finder das Fundtier als Eigentum erwerben.

Damit Halter Tiere schnell zurückbekommen, empfiehlt der Tierschutzbund, Haustiere beim Tierarzt mit einem Chip oder mit einer Tätowierung kennzeichnen.

Als Lulu lebte Bonny fortan in München, gut umsorgt, es fehlte ihr offenbar an nichts. Als die neuen Hundehalter zwei Jahre später bei einem Züchter Papiere für den märkischen Übersiedler beschaffen wollten, offenbarte sich dessen Identität. Bonny trug einen Mikrochip, damit konnte der Züchter die wahren Besitzer in Ferch informieren.

Mit dem Gerichtsvollzieher nach München

„Die Leute in München haben Hunderte Fotos von Bonny auf Facebook gepostet. Wir haben sie sofort wiedererkannt und wollten sie zurück“, sagt Jutta Kühl. Aber die zunächst ergangene Entscheidung des Amtsgerichts Potsdam führte nicht zum gewünschten Erfolg. „Wir waren bereit, 600 Euro für die Tierarztkosten zu übernehmen.“ Die Münchner hätten sich aber nicht gerührt, auch nicht, als die Kühls mit dem Gerichtsvollzieher vor ihrer Tür standen. „Bonny hat in der Wohnung gebellt, aber wird konnten nichts machen“, sagt Jutta Kühl.

Noch ist Bonny in Bayern

Eine bittere Pille für die Fercher ist, dass sie laut Landgericht nun 3271,16 Euro für Kost und Logis für Bonny an die Bayern zahlen sollen. „Das ist ungerecht, weil sie die Herausgabe des Hundes seit zwei Jahren verzögern. Wir werden zahlen, um Bonny zurückzubekommen.“ Verhandelbar ist das auch für die Münchner Eheleute nicht mehr, „sonst holt der Gerichtsvollzieher den Hund ab“, so eine Sprecherin des Landgerichts. Wann die Übergabe des Dackels erfolgt, ist noch unklar. Die Bayern haben erkennbar niedergeschlagen reagiert: „Lulu wird nach viereinhalb Jahren aus ihrer Familie (2 Menschen, 1 weiterer Teckel) gerissen und in eine für sie sicherlich verängstigende Situation gegeben“, heißt es in einer Erklärung.

„Bei Bonnys Rückkehr wird gefeiert. Auch die Enkel warten schon. Wir werden viel mit Bonny spazieren gehen, damit sie die Umgebung wiederentdeckt“, so Jutta Kühl. Ein eingetragener Jagdhund kann die jetzt Fünfjährige aber nicht mehr werden. „Dafür war sie zu lange weg.“

Diskussion um die Rückgabe

Unter Züchtern und Tierfreunden ist derweil Streit darüber ausgebrochen, ob es sinnvoll ist, Bonny nach so vielen Jahren aus einer intakte Umgebung herauszureißen. „Nach deutschem Recht ist das so“, sagt die Oranienburger Dackelzüchterin Gabriele Wassermann. Das Tier gewöhne sich auch wieder um. Der Berliner Hans Bensmann, gemeinsam mit seiner Frau lange Zeit Züchter und im Landesverband Berlin-Brandenburg aktiv, kritisiert, dass die Münchner den Hund einfach mitgenommen und sich niemals gemeldet haben. Er würde den Hund allerdings nicht mehr zurückholen, den selbst ernannten Besitzern in Bayern jedoch „eine kräftige Strafe aufbrummen“.

Dass dem Dackel früher schon mal das Spießer-Image als Hausmeister-Kläffer anhaftete, ist Geschichte. Der kurzbeinige Rassehund erfreut sich trotz massiver Konkurrenz weiter großer Beliebtheit. Fast 5900 Deutsche Dackel, auch Teckel genannt, sind allein beim Verband für das Hundewesen bundesweit gemeldet. In der Verbandsstatistik besetzt er Platz zwei hinter dem Schäferhund. Der Dackel passt als freundlicher Familienhund in die Stadtwohnung und ist seiner Natur folgend auch als furchtloser Jagdhund einsetzbar. Züchter und Liebhaber sind sich einig: Der knuffige Kerl mit den Hängeohren mag in der Sofaecke verschmust sein, wenn er durch Fuchs- bauten stöbert, zeigt er Zähne.

Von Volkmar Krause

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