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Brandenburg Brandenburg hat fast alle 1000 Lehrerstellen besetzt
Brandenburg Brandenburg hat fast alle 1000 Lehrerstellen besetzt
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00:24 12.08.2018
Diesmal sollten in Brandenburg zum Schulbeginn genügend Lehrer da sein. Quelle: dpa
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Potsdam

Zehn Tage vor Beginn des neuen Schuljahres hat Brandenburgs Bildungsministerium fast alle der benötigten rund 1000 neuen Lehrkräfte „an Bord“. Aktuell gibt es noch sechs offene Stellenangebote, teilte Ministeriumssprecherin Antje Grabley der MAZ mit. Vergangene Woche wurden noch zehn Lehrerinnen oder Lehrer gesucht. Es gäbe daher einen „gewissen Optimismus“ im Ministerium, dass die Vorgaben erfüllt werden könnten, so Grabley. Unterrichtsbeginn ist in Brandenburg am 20. August.

Verbeamtung auch an Grundschulen

Brandenburg biete Pädagogen mit gymnasialer Lehramtsbefähigung künftig auch dann eine Verbeamtung an, wenn diese vorwiegend an Grundschulen eingesetzt würden. Zudem sollen die Gehälter für Grundschullehrer vom kommenden Jahr an um eine Stufe angehoben werden. Dies sorgt laut Grabley für Einkommensverbesserungen bis zu fast 500 Euro monatlich.

Bei den 2018 unbefristet eingestellten Lehrkräften stieg indes der Anteil von Seiteneinsteigern, die erst noch weiter qualifiziert werden müssen, auf 26,5 Prozent. Im Vorjahr waren es 20,45 Prozent. Damit kommen dieses Schuljahr rund 260 Lehrer neu an Schulen, die keine pädagogische Ausbildung haben. Das Personal an märkischen Schulen ist auch trotz solcher Seiteneinsteiger knapp. Das Land bietet deshalb Lehrern vom kommenden Jahr an an, über das eigentliche Pensionsalter hinaus zu arbeiten. Dafür bekommen sie drei Jahre lang einen monatlichen Zuschlag von 400 Euro. Diese Regelung ist bis Ende 2021 befristet.

1870 Seiteneinsteiger im vergangenen Jahr

Das Land Brandenburg beschäftigte im vergangenen Schuljahr insgesamt rund 19 500 Lehrkräfte. Allerdings waren rund 1870 davon sogenannte Seiteneinsteiger. Das sind Akademiker, die zwar Fächer wie Physik, Kunst oder Mathematik, aber diese eben nicht auf Lehramt studiert haben. Ihnen fehlt die entsprechende pädagogische Ausbildung, die nachgeholt werden muss. Hinzu kommt, dass wie am Ende jeden Schuljahres auch 2018 viele Lehrer in Pension gegangen waren. „Aber weit weniger als die rund 1000, die wir neu eingestellt haben“, betont Grabley.

„Das heißt nicht, dass es nicht an der ein oder anderen Schule zu Engpässen kommen kann“, so die Sprecherin. Es sei früher schon vorgekommen, dass Lehrkräfte dann am Schuljahresbeginn doch nicht erschienen seien. Nicht selten bewerben sich Kandidaten mehrfach und wählen dann kurzfristig das für sie günstigste Angebot aus.

Diese Möglichkeit besorgt auch den Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Brandenburg, Günther Fuchs. Dass das Land sich so engagiere, sei erfreulich, man müsse aber sehen, wie es am ersten Schultag tatsächlich aussehe. Unabhängig von den Zahlen habe Brandenburg ein grundsätzliches Qualifizierungsproblem.

Es fehlen Grundschullehrer

„Es kommt ja nicht nur auf die Zahl der Personen an, sondern auch auf die Unterrichtsfächer und die Qualifizierung für ein gemeinsames Lernen.“ Gebraucht würden in Brandenburg vor allem mehr Grundschullehrer und für gemeinsames Lernen Sonderpädagogen. Die Zahlen sagten nichts über solche Qualifikationen aus.

Nicht hinnehmbar sei auch die hohe Zahl von Quereinsteigern ohne Lehramststudium. Es gäbe Regionen in Brandenburg, wo deren Anteil mit rund 40 Prozent den vom Bildungsministerium genannten durchschnittlichen Anteil bei Weitem übersteige. „Das ist schon sehr besorgniserregend“, so Fuchs.

Sachsen sucht noch 230 Lehrer

Trotzdem steht Brandenburg besser da als benachbarte Bundesländer. In Sachsen bleiben wohl rund 230 Lehrerstellen unbesetzt. Von den 1100 ausgeschriebenen Stellen konnten bislang nur 870 besetzt werden, so Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Donnerstag. Noch dramatischer ist die Situation in Berlin. Dort fehlten im Juni laut Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) noch 1250 Lehrer – so viele wie nie zuvor. Wie groß die Lücke zum Schuljahresbeginn ist, steht noch nicht fest. Der Senat stopft diese schon jetzt mit recht drastischen Maßnahmen. Zum Beispiel wirbt die Hauptstadt unter dem Motto „Unterrichten statt Kellnern“ auch Studenten in lehramtsbezogenen Masterstudiengängen für den Unterricht an. Ihnen werden Halbjahres- oder Jahresverträge an Schulen angeboten.

Unklar ist, wie groß die Besetzungslücke zum Schulbeginn in Sachsen-Anhalt sein wird.Das Bildungsministerium in Magdeburg schweigt zu seiner Besetzungsquote. Die Gewerkschaft GEW sagt aber, ein Drittel der Stellen sei noch frei.

Wie Brandenburg hat sich auch die dortige Landesregierung dieses Jahr eigentlich 1000 Neueinstellungen vorgenommen. Künftig müssen den Rechnungen der Experten zufolge bis 2030 in Sachsen-Anhalt jedes Jahr im Schnitt 730 Lehrer neu eingestellt werden. Für manche Schulen findet sich trotz mehrerer Ausschreibungen kein Bewerber, etwa weil sie in sozialen Brennpunkten oder weit ab vom Schuss liegen.

Deswegen zahlt Sachsen-Anhalt jetzt erstmals eine sogenannte Buschzulage für die schwer besetzbaren Stellen. Ab Herbst soll es eine Imagekampagne für den Beruf geben - und etwa ein Stipendienprogramm für Studierende, die nach ihrem Abschluss im ländlich geprägten Gardelegen unterrichten.

Von Rüdiger Braun und Klaus Peters

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