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Feldvögel: 33 Prozent weniger seit 1995

Natur in Brandenburg Feldvögel: 33 Prozent weniger seit 1995

Industrielle Agrarkulturen, immer weniger Hecken und Wiesen – die Feldvögel in Brandenburg sind bedroht. Seit 1995 ist ein Drittel von ihnen verschwunden. Jetzt hat das Umweltministerium dramatische Details veröffentlicht.

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Der Bestand der Feldlerchen ist in den letzten zwölf Jahren um einen Drittel zurückgegangen.

Quelle: Nabu

Potsdam. Zum Verschwinden vieler Feldvögel hat die Landesregierung auf Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion Details herausgegeben – und die Befunde sind alarmierend: So ist der Bestand an sogenannten Agrarvögeln seit 1995 in Brandenburg um ein Drittel zurückgegangen. Einige Vogelarten sind um mehr als die Hälfte dezimiert worden – etwa Kiebitz (minus 77 Prozent) und Feldsperling (minus 31 Prozent).

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Industrielle Agrarkulturen, immer weniger Hecken und Wiesen – die Feldvögel in Brandenburg sind bedroht. Seit 1995 ist ein Dritte´ von ihnen verschwunden. Jetzt hat das Umweltministerium Details veröffentlicht – sie sind teils dramatisch.

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Ziemlich eindeutig ist: Die immer industrieller geprägte Landwirtschaft und die damit verbundene maximale Ausnutzung der Ackerflächen hält man auch im Ministerium für einen wesentlichen Faktor. Den „Rückgang der Randstrukturen wie Feldräume, Hecken und Ackerrandstreifen“ machen die Ressort-Experten mit verantwortlich für den Schwund bei den Rebhühnern (-65 Prozent), Neuntötern (-38 Prozent), Raubwürgern (-65 Prozent) und zwei Grasmückenarten. Wiederum ist ein „Lebensraumverlust“ mit ursächlich für den Rückgang der Populationen von Bekassine, Wachtelkönig und Uferschnepfe. Auch die Feldlerche (-30 Prozent) leidet unter der Umwandlung von Wiesen und Hecken in Agrar- oder Bauland.

Wissenschaftler weisen auf das dramatische Ausmaß des Insektenschwunds hin

Ein wichtiger Faktor, der diese Arten bedroht, ist laut Ministerium das Insektensterben – Wiesenpieper (-60 Prozent) und Braunkehlchen (-25 Prozent) leben von den krabbelnden und fliegenden Eiweißlieferanten. Wissenschaftler weisen auf das dramatische Ausmaß des Insektenschwunds hin. So sind im vergangenen Jahr mehr als 40 Prozent der Bienen gestorben. Über alle Insektenarten hinweg liegen die Verluste im Vergleich zu 1990 noch höher. Der Naturschutzbund fordert deshalb unter anderem ein Pestizidverbot.

Laut Landesregierung ist der Rückgang von Obstgärten und Kleintierhaltung mit ausschlaggebend für den negativen Trend bei Feldsperling (-30 Prozent) und Bluthänfling (-59 Prozent). Andere Gefahren machen den Raubvögeln das Leben schwer. Insbesondere der Rotmilan (-20 Prozent) leidet unter dem Windkraft-Boom. Er zieht seine Kreise in Höhe der Riesenrotoren. Deren Blätter erwischen auch Mäusebussarde. Die Vermutung, Rabenvögel trügen erheblichen Anteil am ausbleibenden Nachwuchs vieler Arten, lässt sich nach Auffassung des Ministeriums kaum halten. So sind eigentlich nur die Kolkraben als Nesträuber und Gefahr für die Brut von anderen Feldvögeln überführt – tragischerweise leidet besonders die Großtrappe, von der es nur wenige Hundert Exemplare im Land gibt, unter Rabenattacken. Die Rabenpopulation selbst ist zwischen 1995 und 2009 um 15 Prozent gestiegen. Die Experten vom Land gehen insgesamt davon aus, dass bei der Dezimierung der Agrarvögel „Raubsäuger offensichtlich eine größere Bedeutung haben als Verluste durch Vögel“.

Grünen-Politiker schlägt Alarm

Mit Interesse dürften Umweltschützer das Eingeständnis des Ministeriums aufnehmen, dass Ökolandbau tatsächlich deutlich vogelfreundlicher ist als herkömmlicher Feldbau. Dazu sind in der Antwort der Landesregierung mehrere Studien aus den vergangenen 25 Jahren aufgeführt. So heißt es in einer Studie zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin: „Von den vertieft untersuchten Vogelarten profitieren Rebhuhn, Wachtel, Feldlerche und Neuntöter besonders vom ökologischen Landbau.“ Auch weist das Ministerium auf den „speziellen Wert von Brachflächen“ hin. Zur Auswirkung des Spargelanbaus unter Folie legt sich das Ministerium nicht fest: Zwar gebe es „Änderungen in den Brutvogelbeständen“, doch ließen sich Ursachen nicht „kausal nachweisen“.

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Benjamin Raschke, sieht Handlungsbedarf: „Setzen sich diese negativen Trends fort, ist es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Vogelarten aussterben werden“, sagt der Landtagsabgeordnete. Die „Puffer in den Ökosystemen“ seien aufgebraucht. „Wir brauchen eine andere Landwirtschaftspolitik – mehr Ökolandbauförderung, mehr Brachen, weniger Mais und viel weniger Pestizide.“

Von Ulrich Wangemann

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