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Brandenburg Fernbus-Preiskampf: Mehr übermüdete Fahrer
Brandenburg Fernbus-Preiskampf: Mehr übermüdete Fahrer
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11:33 24.05.2016
Fernbusreisende am Busbahnhof. Quelle: dpa
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Potsdam

Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle mit Lastwagen und Bussen ist auf den höchsten Stand seit fünf Jahren geklettert. Laut Polizeipräsidium Potsdam starben im Vorjahr 51 Menschen – zehn mehr als 2014. Deshalb startet die Polizei am Montag eine Kontrolloffensive auf den märkischen Straßen. Die Fernfahrer waren in zwei Dritteln der Fälle Verursacher der tödlichen Crashs. „Die Fahrer stehen unter erheblichem Druck seitens ihrer Auftraggeber“, sagt Marc Leuschner vom Polizeipräsidium in Potsdam. Weil Lastwagen zu schnell unterwegs waren, starben zwölf Menschen auf Brandenburgs Straßen.

Fast alle kontrollierten Fernbusfahrer saßen zu lang hinterm Steuer

Besonders bei den Fernreisebussen mache sich der Preisdruck wegen des scharfen Konkurrenzkampfs bemerkbar, heißt es aus dem Potsdamer Polizeipräsidium. So stellten die Beamten bei 305 Busfahrern Überschreitungen der Lenk- und Ruhezeiten fest – also bei fast jedem aus dem Verkehr gewunkenen Busfahrer.

1012 Unfälle mit Reisebussen im Jahr 2015

Bei gezielten Kontrollen hat die Polizei im Jahr 2015 in Brandenburg 25 158 Lastwagen untersucht. Bei 41,3 Prozent gab es etwas zu beanstanden. Die meisten Verstöße betrafen die Missachtung von Len- und Ruhezeiten sowie Vorschriften zu Gefahrentransporten. Von 1183 aus dem Verkehr gewunkenen Gefahrguttransporten wurden 640 beanstandet.

1012 Unfälle mit Bussen hat es 2015 gegeben. Davon ereigneten sich 67 auf Autobahnen. Zwei Menschen starben, 14 wurden verletzt. Im Vorjahr hatte die Polizei 990 Bus-Unfälle verzeichnet, Tote gab es nicht. Im Jahr 2010 lag die Zahl der Bus-Unfälle landesweit noch bei 1400.

Die Zahl der Toten bei Lkw-Unfällen lag 2015 bei 51. Die Vergleichswerte: 41 (2014), 34 (2013), 49 (2012), 50 (2011) und 44 (2010).

Nach Auffassung der Gewerkschaft Verdi führt die „harte Wettbewerbssituation im Fernbusverkehr zu einer ernsthaften Gefährdung der Busfahrer, Fahrgäste und anderer Verkehrsteilnehmer“, wie es in einem Positionspapier heißt. Fahrer berichteten von „gefährlicher Übermüdung“ und Mobbing seitens des Arbeitgebers, würden sie sich über zu enge Terminplanung beschweren. Die Gewerkschaft fordert ein Qualitätssiegel für Busunternehmen, die bestimmte Arbeitsstandards erfüllten.

Tricksereien bei elektronischen Sicherheitssystemen

Beim Kampf gegen die Uhr schrecken die Kraftfahrer und Spediteure nicht vor Tricksereien zurück: In 255 Fällen ertappten die Verkehrspolizisten Fernfahrer, die mit manipulierten Kontrollgeräten unterwegs waren. Die elektronischen Fahrtenschreiber ließen sich derart beeinflussen, dass „die angegebene Geschwindigkeit nicht der tatsächlich gefahrenen entspricht“, so Hauptkommissar Leuschner.

„Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. beschwert sich zudem über Unzulänglichkeiten bei den Fahrerassistenzsystemen (Spurverlassen-Warnsystem, Notbremsassistent, ESP), da „durch eine bestehende Abschaltfunktion der Fahrer im Extremfall seine gesamte Lenkzeit ohne die obligatorisch vorgeschriebenen Sicherheitssysteme absolvieren kann“, wie es in einer Stellungnahme des Branchenverbands heißt. An die Autoindustrie appelliert der BGL, sie solle sicher stellen, dass abgestellte Sicherheitssystem der Fahrzeuge nach 15 Minuten sich wieder automatisch einschalten.

Polizei setzt Infrarotkameras zum Aufspüren von Fahrzeugschäden ein

Eine neue Geheimwaffe zum Aufspüren von Defekten an Lastwagen steht der Polizei seit kurzem zur Verfügung: Mit zwölf Infrarotkameras können die Verkehrspolizisten aus dem Auto heraus Temperaturmessungen an rollenden Fahrzeugen vornehmen. Die Temperaturmessungen können abgefahrene Profile, eingefahrene Nägel oder Risse in Bremsscheiben entdecken.

Von Ulrich Wangemann

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