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Brandenburg Feuerwehr von Gaffern behindert
Brandenburg Feuerwehr von Gaffern behindert
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11:43 28.04.2017
Vier Autos standen auf der Autobahn in Flammen. Quelle: julian stähle
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Ziesar

Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn 2 kurz hinter der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt sind am späten Mittwochnachmittag vier Fahrzeuge in Brand geraten und komplett ausgebrannt, darunter ein Lastwagen samt Anhänger. Zwei Menschen kamen mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Der Unfall ging einigermaßen glimpflich aus, hätte aber schwerwiegendere Folgen haben können. Denn die Einsatzkräfte hatten einmal mehr Mühe, zum Unfallort zu kommen.

„Das war wieder eine absolute Katastrophe. Man kann bei so einem Verhalten nur den Kopf schütteln und die Augen verdrehen“, sagte Kreisbrandmeister Walter Metscher, der mit seinen Kollegen aus dem sachsen-anhaltinischen Landkreis Jerichower Land zu dem Unfall gerufen worden war. Die Rettungsgasse, die Autofahrer im Stau frei halten müssen, sei zum Teil nur zögerlich gebildet worden und habe sich nach den Einsatzfahrzeugen gleich wieder geschlossen und dadurch nachfolgende Helfer behindert.

Die Feuerwehr wird mitunter beschimpft, weil Autofahrer der Meinung sind, die Kräfte seien nicht schnell genug. Quelle: Julian Stähle

Erst gaffen, dann beschimpfen

Doch damit nicht genug. Als die Feuerwehr am Einsatzort eintraf und mit den Löscharbeiten begann, sollen sich Autofahrer an der Ausrüstung zu schaffen gemacht und zur Seite geschoben haben. Währenddessen hätten sich immer mehr Gaffer auf den Weg zur Unfallstelle gemacht, um ein „Andenkenbild“ zu schießen, wie Brandmeister Metscher erklärte. Beschimpfungen von Autofahrern, denen die Rettungsarbeiten nicht schnell genug gehen, gehörten inzwischen zur Tagesordnung: „Ja meinen die, wir wollen auf der Autobahn kampieren? Wir haben auch Familien zu Hause“, sagte Metscher.

Reesdorf, 26. April 2017 – Ein Pkw sieht das Stauende auf der A 2 nahe der Landesgrenze von Brandenburg zu spät und kracht in einen Lkw. Daraufhin brennen mehrere Fahrzeuge aus. Zwei Menschen werden leicht verletzt. Die Autobahn bleibt stundenlang gesperrt.

„Grundsätzlich klappt das System mit der Rettungsgasse, aber manche Autofahrer scheinen ein Problem damit zu haben“, sagte Polizeisprecherin Bärbel Cotte-Weiß. Allerdings müssten die Beamten vor Ort auch häufig leichtsinniges und lebensgefährliches Verhalten beobachten. „Oft versuchen Autofahrer im Stau noch schnell die Spur zu wechseln, wenn sich irgendwo eine Lücke auftut“, erklärte sie. „Das ist hochgefährlich, wenn von hinten die Rettungsfahrzeuge ankommen.“

Bußgeld bei nur 20 Euro

Größere Sorgen, erwischt zu werden, müssen sich Gaffer und Ausbremser jedoch offenbar nicht machen. Fälle wie der Gaffer-Prozess von Bremervörde (Niedersachsen), bei dem gestern ein 27-Jähriger zu vier Monaten Haft wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt wurde, sind die Ausnahme. Das Bußgeld bei der Blockade einer Rettungsgasse liegt bei verschmerzbaren 20 Euro. Hinzu kommt: Die Polizei hat in den brenzligen Situationen meist gar keine Zeit, sich um Querulanten, Gaffer und Drängler zu kümmern, weil sie schnell zur Einsatzstelle müssen.

Auf der A2 blieb von den Fahrzeugen nicht mehr viel übrig. Quelle: Julian Stähle

Auf der A71 bei Ilmenau kam es kürzlich zu einem schockierenden Zwischenfall. Dort hatten Autofahrer vorbildlich eine Rettungsgasse gelassen. Das nahm ein Autofahrer zum Anlass für ein lebensgefährliches Manöver. Weil ihm das Warten im Stau zu lang wurde, machte er mit seinem Wagen kehrt und fuhr laut Polizei als Geisterfahrer durch die Rettungsgasse in die entgegengesetzte Richtung. Über die nächste Ausfahrt fuhr er – immer noch entgegen der Fahrtrichtung – von der Autobahn ab. Die Polizei sucht mit einem Zeugenvideo nach dem Täter.

Weil der Stau nervt auf der Autobahn gewendet

Ein ähnlicher Fall hatte vor einem Jahr in Brandenburg unter Feuerwehrleuten für Entsetzen gesorgt. Am 19 April hatte auf der A 12 ein VW-Transporter im Stau einfach kehrt gemacht, um sich als Geisterfahrer seinen Weg durch die Rettungsgasse Richtung Ausfahrt zu bahnen. Die Feuerwehr klagte hinterher in den sozialen MEdien über chaotische Zustände auf Brandenburgs Straßen. Der Transporter sei nur einer von drei Geisterfahrern gewesen, den Einsatzkräften vor Ort begegneten. Folgen hatte die Aktion für die Geisterfahrer nicht. Obwohl es von dem Transporter ein Foto gab, sah sich die Polizei nicht in der Lage, den Täter ermitteln.

Nach dem Unfall auf der A2 müssen Autofahrer in den kommenden Tagen mit Behinderungen rechnen. Nach MAZ-Informationen wurde der Asphalt aufgrund der enormen Hitze beschädigt und muss in Teilen erneuert werden. Es wird also noch einige Zeit dauern, bis die Spuren des Unglücks verschwinden.

Von Torsten Gellner und Julian Stähle

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