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Finanzamt hat Großkonzerne im Visier

Prüfung von Großkonzernen Finanzamt hat Großkonzerne im Visier

Seit zwei Jahren hat das Finanzamt in Königs Wusterhausen einen Spezialauftrag: Es soll die Großunternehmen unter die Lupe nehmen. Die Spezialisierung hat einen Grund: Die „Steuersparmodelle“ international agierender Konzerne werden immer komplizierter – und fragwürdiger. Die Fahnder sind offenbar erfolgreich.

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Finanzamt-Vorsteherin Marion Springborn.

Quelle: Gellner

Königs Wusterhausen. Von außen wirkt das Finanzamt Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) unverdächtig – ein mit Aluminium verblendeter Zweckbau. Im Innern arbeiten Finanzbeamte daran, die Blendereien und Steuertricks der Großkonzerne aufzudecken. Seit 2015 ist die Behörde auf die Betriebsprüfung der Brandenburger Großunternehmen spezialisiert.

Egal ob die Flughafengesellschaft im benachbarten Schönefeld, die Lausitzer Braunkohlebetreiber oder der Discounterriese Lidl, der sich im Liebenwalder Ortsteil Kreuzbruch (Oberhavel) angesiedelt hat: Wenn eine Betriebsprüfung ansteht, so läuft sie über die Schreibtische und Computer des Finanzamtes Königs Wusterhausen. Zuvor war die Groß- und Konzernbetriebsprüfung in Brandenburg dezentral auf mehrere Ämter verteilt. In den speziellen Fokus der Prüfer geraten Firmen ab einem Jahresumsatz von 39 Millionen Euro.

Kampf David gegen Goliath

Es ist ein Kampf David gegen Goliath. Hier international agierende Konzerne, die sich gewiefte und teure Steuerberater à la Ernst & Young oder PwC leisten können, da das überschaubare Finanzamt mit seinen 257 Mitarbeitern, wovon 42 auf Brandenburgs Big Player angesetzt sind. Brandenburg sei keine Insel der Glückseligen, kein Hort der ehrlichen Steuermoral, betont Marion Springborn, Vorsteherin des Finanzamts. Die Fantasie und Verschlagenheit, mit der manche Unternehmen ihre Gewinne vor dem Staatszugriff schützen wollen, ist hier ebenso ausgeprägt wie im Rest der Republik. „Es gibt hier nichts, was es woanders nicht auch gäbe“, erklärt Springborn.

Hierin liegt auch der Grund für die Spezialisierung der Behörde: „Wir wollen auf Augenhöhe sein“, erklärt Finanzminister Christian Görke (Linke). Der Fiskus stehe vor immer größer werdenden Herausforderungen, weil die Betriebe auf zum Teil äußerst komplizierte „Steuergestaltungsmodelle“ zurückgreifen. „Wir müssen da ran, um Steuergerechtigkeit sicherzustellen“, so Görke. Dahinter steckt auch die Sorge – oder die Erfahrung – dass der kleine Handwerker brav seine Steuern zahlt, während sich international vernetzte Firmenkonglomerate auf dem Papier arm rechnen. „Wir müssen sehen, welche Beträge da hin- und hergeschoben werden“, so Görke.

136 Millionen zusätzliche Steuermillionen eingetrieben

Durch die Digitalisierung wird die Auslagerung verschiedenster Unternehmensteile über Landesgrenzen hinweg immer einfacher – und die steuerliche Veranlagung immer schwieriger. Deswegen rüstet das Amt derzeit IT-mäßig auf und richtet eine EDV-Fachprüfung ein, um auch hier „auf Augenhöhe“ zu sein.

Die Spezialisten in Königs Wusterhausen können erste Erfolge vorweisen. 2016 wurde durch die landesweiten Groß- und Konzernbetriebsprüfungen 136 zusätzliche Steuermillionen akquiriert, wie Behördenchefin Springborn erklärt. Ins Detail gehen darf sie nicht – wegen des Steuergeheimnisses. Um im Wettstreit mit den Unternehmen bestehen zu können, suchen Brandenburgs Finanzämter auch dringend Fachkräfte. Ab 2019/20 will das Land jährlich rund 100 Finanzwirte ausbilden. „Wir suchen nach Goldstaub“, sagt Görke.

Von Torsten Gellner

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