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Firmen besetzen freie Stelle erst nach 109 Tagen

Wirtschaft in Brandenburg Firmen besetzen freie Stelle erst nach 109 Tagen

Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg haben vor einer Verschärfung des Fachkräftemangels gewarnt. Inzwischen dauere in Brandenburg die Besetzung offener Stellen drei Mal länger als noch vor sechs Jahren. Auch bei der Digitalisierung und dem Ausbau der Infrastruktur müsse die rot-rote Landesregierung mehr Tempo machen.

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Der Mangel an Fachkräften gefährdet den Wirtschaftsstandort Brandenburg, meint der UVB.

Quelle: dpa

Potsdam. Die rot-rote Landesregierung sollte dem Fachkräftemangel in Brandenburg eine größere Bedeutung beimessen. Das fordern die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB). Das Problem einer nicht ausreichenden Zahl von Fachkräften werde sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen, befürchtet Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. So werde die Besetzung offener Stellen schwieriger. Nach Berechnungen des UVB, die am Donnerstag in Potsdam präsentiert wurden, benötigt eine Firma in Brandenburg im Durchschnitt 109 Tage, bis sie eine freie Stelle neu besetzen kann – das sei dreimal so lange wie noch vor fünf Jahren. Die Landesregierung müsse mehr für Ausbildung und für die Qualifizierung von Arbeitslosen werben. Vier von zehn Arbeitslosen hätten keine Qualifikation. Bei den arbeitslosen Jugendlichen seien zwei von drei ohne Ausbildung. „Da müssen wir ran“, so Amsinck.

Es sei damit zu rechnen, dass bis zu 2000 Ausbildungsplätze zum Herbst nicht besetzt werden können. Angeboten werden rund 84 000 Plätze. „Wir müssen jetzt jedes verfügbare Talent mobilisieren.“ Auch ist aus Sicht der Unternehmensverbände die Zahl der Schulabbrecher noch viel zu hoch.

Nachholbedarf habe die Landesregierung auch beim Thema Digitalisierung. Brandenburg stecke noch immer in der traditionellen Welt der Verwaltungsabläufe und werde von der digitalen Wirklichkeit überholt, kritisierte UVB-Geschäftsführer Sven Weickert. Auf dem Weg zur digitalen Verwaltung sei es in Brandenburg noch ein weiter Weg. „Die Geschwindigkeit bei der Digitalisierung nimmt dermaßen zu, dass sich niemand auf dem Erreichten ausruhen darf“, sagte Weickert mit Verweis auf das Breitbandprogramm „Brandenburg Glasfaser 2020“. Wichtig sei eine Breitbandversorgung auch für Unternehmen und vor allem für Gewerbegebiete.

Nach einer Prognose des UVB entstehen dieses Jahr in Brandenburg 9400 neue Arbeitsplätze. Die meisten werden bei Post- und Kurierdiensten (1300), in Erholungs- und Ferienheimen (1500), bei industrienahen Dienstleistungen (1000) sowie im Baugewerbe (900) erwartet. Für Berlin wird wegen des massiven Zuzugs in die Stadt mit ses Jahr gerechnet. Einen Anstieg gibt es bei der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Diese stieg auf 824 000 zu Beginn des Jahres. Im Jahr 2005 waren es noch 120 000 weniger. Ein Instrument zur Bindung von Nachwuchskräften sei das duale Studium mit parallelem Berufsabschluss. Daher müsse die Zahl dieser Plätze bis 2019 auf 1000 verdoppelt werden.

Amsinck äußerte sich unzufrieden über die bisherige Kooperation der Landesregierungen von Brandenburg und Berlin. Als Beispiele nannte er die Verkehrsplanung, die Wirtschaftsförderung, die Gesundheitsversorgung und die Energiepolitik. Es würde oft nur bis zur Landesgrenze gedacht. Das müsse sich dringend ändern. Gemeinsame Kabinettssitzungen seien eher die Ausnahme als die Regel, bedauerte der Hauptgeschäftsführer.

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gestaltet sich nach wie vor als schwierig. „Flüchtlinge seien eher die Fachkräfte von übermorgen“, sagte Amsinck.
Sicher seien die Erwartungen am Anfang etwas überschätzt worden. Er habe aber nie zu denen gehört, die annahmen, mit Flüchtlingen könnte die Fachkräftelücke geschlossen werden. Derzeit gebe es 1400 Flüchtlinge, die einen Job haben.

Von Igor Göldner

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