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Brandenburg Flüchtlinge: Der lange Weg in den Arbeitsmarkt
Brandenburg Flüchtlinge: Der lange Weg in den Arbeitsmarkt
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02:15 20.02.2016
Die syrischen Flüchtlinge Bassam Rabah (l) und Zakariya Abou Mraisch nehmen einer Bildungsmaßnahme in der Handwerkskammer in Cottbus teil. Quelle: FOTO: DPA
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Potsdam

Unternehmen in Brandenburg suchen händeringend nach Arbeitskräften – und würden durchaus auch Flüchtlinge nehmen. Doch ganz so einfach ist das nicht. Das Potsdamer Kongresshotel am Templiner See beschäftigt derzeit sechs ausländische Mitarbeiter. Einer ist ein 24-jähriger Afghane, der nach Deutschland geflüchtet war, jetzt eine Ausbildung absolviert und als gut integriert gilt. Das Hotel würde gern mehr solche Neuankömmlinge einstellen, „wenn sie gut deutsch sprechen“, betont Pressesprecherin Antje Senf. Doch daran hapert es immer mehr. Es gebe Anfragen an das Hotel, nur oft fehlten die nötigen Sprachkenntnisse. „Dann hat sich das schnell erledigt.“

Solche Erfahrungen machen Unternehmen der Region immer mehr. Die anfängliche Euphorie, mit dem Zuzug von Flüchtlingen könnte Engpässe in Firmen oder gar das Fachkräfteproblem gelöst werden, ist in Ernüchterung umgeschlagen. „Wir haben uns grob verschätzt“, räumt Jan Eder ein, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. Jeder Fünfte, der kommt, sei ein Analphabet, würden laut Eder Prognosen zeigen.

Davon sind derzeit viele auf dem Markt. Belastbare Zahlen über das Bildungsniveau der Flüchtlinge gibt es keine. Fest steht wohl nur, dass die Ausbildung der Flüchtlinge in der Schule und für den Beruf schlechter ist als die der einheimischen Bevölkerung. In den Jobcentern der Region heißt es inzwischen oft, jeder kenne zwar einen syrischen Zahnarzt, aber alle wüssten, das sei nur die Ausnahme.

Inzwischen schlagen die Verbände wie Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern Alarm. „Die Integration in den Arbeitsmarkt wird ein steiniger Weg“, meint der Cottbuser IHK-Chef Wolfgang Krüger. Am Willen der Unternehmen liege es nicht. Es gebe aber einen hohen bürokratischen Aufwand, Zuwanderer einzustellen. Das überfordere vor allem kleinere Unternehmen. Bemängelt wird von den Kammern auch, dass es keine ausreichende Vermittlung gebe, keine Agentur, die auf die individuellen Bedürfnisse der Unternehmen schauten.

Das deckt sich mit den Ergebnissen einer aktuellen Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. In der Praxis würden Arbeitgeber und Flüchtlinge nur schwer zusammenfinden, heißt es darin. Die Autoren fordern Integrationseinrichtungen, die auf unterschiedliche Art und Weise versuchen, Flüchtlingen den Berufseinstieg zu vereinfachen. Institutsdirektor Reiner Klingholz sagt, selbst wenn Firmen und Flüchtlinge erfolgreich zueinander gefunden haben, hörten die Schwierigkeiten nicht auf. Falsche Erwartungen, Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede könnten bestehende Arbeitsverhältnisse gefährden. Firmen sollten in ihrem eigenen Interesse die Integration in den Betrieb aktiv fördern. Sie könnten ihre neuen Angestellten beispielsweise bei der Anerkennung der Abschlüsse oder der Wohnraumsuche unterstützen.

Die Verbände haben zahlreiche Projekte angeschoben. Es gibt Aktionsprogramme, Leitfäden, Broschüren. Als günstige Branchen für den Einstieg von Flüchtlingen gilt die Gastronomie, einfache Dienstleistungen, Pflege und die Bauwirtschaft. Das größte Hindernis bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt bleiben die fehlende Deutschkenntnisse. Wolfgang Spieß, der bei der IHK Potsdam den Bereich Aus- und Weiterbildung leitet, sagt: „Wenn keine Sprachkenntnisse da sind, ist es illusorisch, in eine duale Ausbildung zu gehen.“ Derzeit sind im Kammerbezirk Potsdam 185 Jugendliche mit Migrationshintergrund zur Ausbildung in Unternehmen, davon nur zwei aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Das Gros der jungen Leute kommt aus Polen (26), Spanien (26) und Russland (17) – mit inzwischen guten Sprachkenntnissen. Spieß rechnet damit, dass die jetzt Zugewanderten frühestens in zwei bis vier Jahren für eine Ausbildung bereit stehen. „Der Prozess wird ein Längerer sein als anfangs gedacht.“

Das sieht auch der Migrationsforscher Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) so: „Integration braucht Zeit.“ Brücker macht auf Erfahrungen in der Vergangenheit aufmerksam: Nach einem Jahr hatten 10 Prozent der erwerbsfähigen Flüchtlinge Arbeit gefunden, nach fünf Jahren waren es 50 Prozent. Und: Im Vergleich zu anderen Migrantengruppen würden sich Flüchtlinge deutlich später in den Arbeitsmarkt integrieren.

Integration und Kurse

Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist für Flüchtlinge im Grundsatz geregelt:

– Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis haben einen uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt.

Da die Aufenthaltserlaubnis aber zunächst befristet ist, ist auch der Zugang zum Arbeitsmarkt zunächst befristet.

– Flüchtlinge mit einer Duldung (Geduldete) und Flüchtlinge mit einer Aufenthaltsgestattung (Asylbewerber) haben einen eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Da die Duldung und die Aufenthaltsgestattung befristet sind, ist auch der Zugang zum Arbeitsmarkt befristet.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bietet Integrationskurse an (660 Stunden). Diese bestehen aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs, vor allem zur deutschen Rechtsordnung, zur Geschichte und Kultur. Vermittelt werden auch Werte, die in Deutschland wichtig sind, wie Religionsfreiheit, Toleranz und Gleichberechtigung.

Von Igor Göldner

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