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Flüchtlinge ab Herbst in der Lausitz-Kaserne

Wettlauf gegen die Zeit in Doberlug-Kirchhain Flüchtlinge ab Herbst in der Lausitz-Kaserne

Brandenburgs Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt ist chronisch überfüllt. Bis zu 800 Flüchtlinge sollen nun in der ehemaligen Kaserne in Doberlug-Kirchhain untergebracht werden. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Schon jetzt schlafen Flüchtlinge in Zelten, weil es an Platz mangelt.

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Erst Bundeswehrkaserne, nun Flüchtlingsheim: Doberlug-Kirchhain. Die ersten Asylbewerber sollen im Herbst einziehen.

Quelle: Foto: dpa

Doberlug-Kirchhain. Schier unendlich schlängelt sich die Torgauer Straße vorbei an Feldern, dann durch den Wald. Wie aus dem Nichts ragt am Ende, knapp vier Kilometer vom Stadtzentrum Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) entfernt, die einstige Lausitz-Kaserne empor. Wo vor acht Jahren noch Stiefelschritte über den Hof hallten, könnte es heute idyllisch ruhig sein. Das frühere Militärareal grenzt unmittelbar an den Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft.

Doch statt Vogelgezwitscher zerreißt seit Kurzem Baulärm die Stille. Noch in diesem Herbst sollen die ersten 400 Flüchtlinge die ehemaligen Soldatenstuben beziehen. Das Land hämmert hier, im südbrandenburgischen Doberlug-Kirchhain, vor allem gegen die Zeit. An die 14 000 Flüchtlinge erwartet Brandenburg bis zum Jahresende. Allerorts wird derzeit händeringend nach Unterkünften gesucht. Weil das Erstaufnahmelager in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) längst aus allen Nähten platzt – Anfang der Woche mussten bereits Zelte für die Asylbewerber errichtet werden, baut das Land die ehemalige Lausitz-Kaserne nun im Eilverfahren zur Außenstelle um.

Die Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt ist chronisch überfüllt

Die Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt ist chronisch überfüllt. 280 Flüchtlinge wurden dort zum Übergang in Zelten untergebracht.

Quelle: dpa-Zentralbild

Die endgültige Entscheidung, auf dem früheren Areal des Fallschirmjägerbataillons 373 eine zweite Erstaufnahmestelle zu errichten, war erst zu Beginn des Jahres gefallen und hatte anfangs für teils heftige Debatten gesorgt. Vor der Landtagswahl im September machte nicht nur die Alternative für Deutschland Stimmung gegen das geplante Asylbewerberheim, auch der Bürgermeister von Doberlug-Kirchhain, Bodo Broszinksi (FDP), polterte damals, er sei über die Pläne nicht rechtzeitig informiert worden. Mittlerweile haben sich die Wogen in dem 9000-Einwohner-Städtchen geglättet: „Ich habe mich dem fachkundlichen Rat gebeugt“, so Broszinski. Bis zum Einzug der Flüchtlinge wolle er „genug ehrenamtliche Kräfte“ mobilisieren.

Keine Angst vor Asylbewerbern

Mit einem Tag der offenen Tür sollen mögliche Vorbehalte seitens der Anwohner abgebaut werden. „Angst vor der Flüchtlingen habe ich nicht, eher vor denen, die deswegen Stimmung machen wollen“, gab eine Rentnerin, die nicht weit von der Kaserne entfernt wohnt, angesichts der jüngsten Anschläge auf ein geplantes Flüchtlingsheim in Zossen (Teltow-Fläming) im Mai zu bedenken. In Doberlug-Kirchhain blickt man gelassen auf die Ankunft der ersten Flüchtlinge. Beim Besichtigungstermin am Donnerstag gab sich Finanzminister Christian Görke (Linke) zuversichtlich, dass die ersten Flüchtlinge im Herbst einziehen können. Den Verantwortlichen sei bewusst, dass das ein „sehr sportlicher Plan“ ist. „Aber wie ich sehe, wird hier ordentlich zugepackt“, resümierte Görke nach einem Rundgang durch die Soldatenstuben – leider gelte das nicht nur für die Bauarbeiten, auch in die Kassen seines Ministeriums sei für den Ausbau kräftig zugelangt worden, bemerkte der Finanzminister mit ironischem Unterton. Mehr als 18 Millionen Euro kostet die Herrichtung der neuen Flüchtlingsunterkunft.

Doberlug-Kirchhain ist nicht die einzige Baustelle, die dem Land derzeit finanziell einiges abverlangt. Weitere 30 Millionen Euro veranschlagt Görke für die geplante Außenstelle in Wünsdorf (Teltow-Fläming). „Die 15 Millionen Euro vom Bund sind ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte Görke und forderte angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen mehr Hilfe vom Bund.

Neben einer Unterkunft für bis zu 400 Männer, soll in der Außenstelle zudem ein Haus für Familien, ein Ärzte- und Schulungszentrum sowie ein Verwaltungsgebäude für die Zentrale Ausländerbehörde entstehen. Saniert wird auch die ehemalige Soldatenküche: Hier sollen zum Jahresende 1000 Mahlzeiten täglich an die Flüchtlinge ausgegeben werden.

Chronisch überfüllt

Seit Anfang der 1990er-Jahre werden in Eisenhüttenstadt alle Asylbewerber untergebracht, die das Land Brandenburg aufnimmt.

Nach drei Monaten sollen sie auf die Landkreise verteilt werden. Doch seit ein paar Jahren wird es auf dem Gelände immer enger: Für etwa 600 Flüchtlinge war die Einrichtung einst konzipiert. Mittlerweile sind mehr als doppelt so viele dort untergebracht.

Die Außenstelle Doberlug-Kirchhain soll 800 Flüchtlingen Platz bieten. 2007 sind die Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 373 aus der Lausitz-Kaserne abgerückt.

190 Millionen Euro stellt das Land allein in diesem Jahr für die Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung. 2016 soll der Posten im Haushaltsplan nochmals aufgestockt werden – auf 250 Millionen Euro.

 

Von Josefine Sack

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