Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Flüchtlinge ab Herbst in der Lausitz-Kaserne
Brandenburg Flüchtlinge ab Herbst in der Lausitz-Kaserne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:50 16.07.2015
Erst Bundeswehrkaserne, nun Flüchtlingsheim: Doberlug-Kirchhain. Die ersten Asylbewerber sollen im Herbst einziehen. Quelle: Foto: dpa
Anzeige
Doberlug-Kirchhain

Schier unendlich schlängelt sich die Torgauer Straße vorbei an Feldern, dann durch den Wald. Wie aus dem Nichts ragt am Ende, knapp vier Kilometer vom Stadtzentrum Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) entfernt, die einstige Lausitz-Kaserne empor. Wo vor acht Jahren noch Stiefelschritte über den Hof hallten, könnte es heute idyllisch ruhig sein. Das frühere Militärareal grenzt unmittelbar an den Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft.

Doch statt Vogelgezwitscher zerreißt seit Kurzem Baulärm die Stille. Noch in diesem Herbst sollen die ersten 400 Flüchtlinge die ehemaligen Soldatenstuben beziehen. Das Land hämmert hier, im südbrandenburgischen Doberlug-Kirchhain, vor allem gegen die Zeit. An die 14 000 Flüchtlinge erwartet Brandenburg bis zum Jahresende. Allerorts wird derzeit händeringend nach Unterkünften gesucht. Weil das Erstaufnahmelager in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) längst aus allen Nähten platzt – Anfang der Woche mussten bereits Zelte für die Asylbewerber errichtet werden, baut das Land die ehemalige Lausitz-Kaserne nun im Eilverfahren zur Außenstelle um.

Die Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt ist chronisch überfüllt. 280 Flüchtlinge wurden dort zum Übergang in Zelten untergebracht. Quelle: dpa-Zentralbild

Die endgültige Entscheidung, auf dem früheren Areal des Fallschirmjägerbataillons 373 eine zweite Erstaufnahmestelle zu errichten, war erst zu Beginn des Jahres gefallen und hatte anfangs für teils heftige Debatten gesorgt. Vor der Landtagswahl im September machte nicht nur die Alternative für Deutschland Stimmung gegen das geplante Asylbewerberheim, auch der Bürgermeister von Doberlug-Kirchhain, Bodo Broszinksi (FDP), polterte damals, er sei über die Pläne nicht rechtzeitig informiert worden. Mittlerweile haben sich die Wogen in dem 9000-Einwohner-Städtchen geglättet: „Ich habe mich dem fachkundlichen Rat gebeugt“, so Broszinski. Bis zum Einzug der Flüchtlinge wolle er „genug ehrenamtliche Kräfte“ mobilisieren.

Keine Angst vor Asylbewerbern

Mit einem Tag der offenen Tür sollen mögliche Vorbehalte seitens der Anwohner abgebaut werden. „Angst vor der Flüchtlingen habe ich nicht, eher vor denen, die deswegen Stimmung machen wollen“, gab eine Rentnerin, die nicht weit von der Kaserne entfernt wohnt, angesichts der jüngsten Anschläge auf ein geplantes Flüchtlingsheim in Zossen (Teltow-Fläming) im Mai zu bedenken. In Doberlug-Kirchhain blickt man gelassen auf die Ankunft der ersten Flüchtlinge. Beim Besichtigungstermin am Donnerstag gab sich Finanzminister Christian Görke (Linke) zuversichtlich, dass die ersten Flüchtlinge im Herbst einziehen können. Den Verantwortlichen sei bewusst, dass das ein „sehr sportlicher Plan“ ist. „Aber wie ich sehe, wird hier ordentlich zugepackt“, resümierte Görke nach einem Rundgang durch die Soldatenstuben – leider gelte das nicht nur für die Bauarbeiten, auch in die Kassen seines Ministeriums sei für den Ausbau kräftig zugelangt worden, bemerkte der Finanzminister mit ironischem Unterton. Mehr als 18 Millionen Euro kostet die Herrichtung der neuen Flüchtlingsunterkunft.

Doberlug-Kirchhain ist nicht die einzige Baustelle, die dem Land derzeit finanziell einiges abverlangt. Weitere 30 Millionen Euro veranschlagt Görke für die geplante Außenstelle in Wünsdorf (Teltow-Fläming). „Die 15 Millionen Euro vom Bund sind ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte Görke und forderte angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen mehr Hilfe vom Bund.

Neben einer Unterkunft für bis zu 400 Männer, soll in der Außenstelle zudem ein Haus für Familien, ein Ärzte- und Schulungszentrum sowie ein Verwaltungsgebäude für die Zentrale Ausländerbehörde entstehen. Saniert wird auch die ehemalige Soldatenküche: Hier sollen zum Jahresende 1000 Mahlzeiten täglich an die Flüchtlinge ausgegeben werden.

Chronisch überfüllt

Seit Anfang der 1990er-Jahre werden in Eisenhüttenstadt alle Asylbewerber untergebracht, die das Land Brandenburg aufnimmt.

Nach drei Monaten sollen sie auf die Landkreise verteilt werden. Doch seit ein paar Jahren wird es auf dem Gelände immer enger: Für etwa 600 Flüchtlinge war die Einrichtung einst konzipiert. Mittlerweile sind mehr als doppelt so viele dort untergebracht.

Die Außenstelle Doberlug-Kirchhain soll 800 Flüchtlingen Platz bieten. 2007 sind die Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 373 aus der Lausitz-Kaserne abgerückt.

190 Millionen Euro stellt das Land allein in diesem Jahr für die Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung. 2016 soll der Posten im Haushaltsplan nochmals aufgestockt werden – auf 250 Millionen Euro.

Von Josefine Sack

Brandenburg Geld vom Bund für Brandenburg - 108 Millionen Euro für arme Gemeinden

7 von 14 Landkreisen sind in der Mark finanzschwach. Besonders arme Kommunen im Land Brandenburg erhalten nun eine Finanzspritze des Bundes – und die hat es in sich. Insgesamt 108 Millionen stehen aus einem speziellen Förderprogramm zur Verfügung. Vor allem die Infrastruktur soll mit den Mitteln ausgebaut werden.

17.07.2015
Brandenburg 181 Menschen in mobilem Behandlungszentrum untersucht - Notlandung am Flughafen in Schönefeld

Notlandung in Berlin Schönefeld: Bis nach Tel Aviv hat es ein Flugzeug der Linie Easyjet am Donnerstagnachmittag nicht mehr geschafft, es musste am Flughafen Schönefeld notlanden. Passagiere hatten über gesundheitliche Probleme geklagt, einige mussten ins Krankenhaus. An Board der Maschine befanden sich 181 Menschen.

16.07.2015
Brandenburg Hauptstadtflughäfen für Airlines zu teuer - „Monopolrendite“ am Flughafen Schönefeld

Die Berliner Flughäfen sind aus Sicht des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften fast vollständig abgeschrieben. Umso ärgerlicher sei es deshalb, dass die Kosten am Airport für die Fluglinien viel zu teuer sind. Doch der Flughafenverband sieht das ganz anders.

16.07.2015
Anzeige