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Flüchtlinge dürfen keinen Spargel ernten

Bürokratie im Weg Flüchtlinge dürfen keinen Spargel ernten

Die Spargelernte ist in vollem Gange. Händeringend wird nach Hilfskräften gesucht. Nicht jeder möchte die anstrengende Arbeit machen. Einige Landwirte hätten in dieser Saison gerne Flüchtlinge eingestellt, scheiterten aber an der Bürokratie. Doch es gibt auch Bauern, die aus einem bestimmten Grund keine Flüchtlinge einstellen wollen.

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Spargelstechen bleibt eine Domäne der polnischen Saisonkräfte.

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. Die Spargelernte ist in vollem Gange, Helfer werden gesucht. Und wäre es nach Karl-Ludwig Syring vom gleichnamigen Spargelhof gegangen, hätten sich unter den rund 50 Saisonarbeitern auf den Feldern um Zauchwitz (Potsdam-Mittelmark) vielleicht schon diesen Monat ein paar Flüchtlinge befunden. „Spargelstechen macht nicht jeder, da muss man seine Fühler in alle Richtungen ausstrecken“, sagt Syring. Die Bürokratie machte ihm einen Strich durch die Rechnung: Die Behörden seien bei seiner Anfrage im Februar nicht sonderlich entgegenkommend gewesen. Die Asylbewerber müssten sich erst einmal eingewöhnen, hieß es. Fürs Spargelstechen sei es noch zu früh.

„Selbstverständlich“ hat auch der Chef des Spargelhofes Kremmen (Oberhavel), Malte Voigts, an Flüchtlinge als Saisonarbeiter gedacht – etwa aus dem Heim vor Ort. Der Landwirt, der immerhin 600 Mitarbeiter beschäftigt, hat aber doch davon abgesehen. „Ihr Status ist noch nicht klar. Es wäre nicht legal, sie zu beschäftigen“, sagt er.

Spargelbauer ist skeptisch

Skeptisch ist Jürgen Jakobs vom Jakobs Hof in Beelitz. „Ich glaube nicht, dass das funktioniert“, sagt er. Jakobs hatte nicht nach Saisonarbeitern unter den Flüchtlingen gesucht, obwohl ihm das der Landkreis Potsdam-Mittelmark sogar nahegelegt habe. Er wolle nicht seinen gut eingearbeiteten 230 rumänischen und 120 polnischen Saisonkräften sagen, sie dürften jetzt nicht mehr arbeiten, weil er ab jetzt Syrer beschäftige. Für diese sei das märkische Gemüse und dessen Ernte doch etwas Fremdes. Außerdem scheut Jakobs den bürokratischen Aufwand, der vor der Einstellung Geflüchteter anfällt.

Spätfrost kann Spargel schädigen

Ob die laufende Spargelsaison in Brandenburg eine gute wird, hängt jetzt sehr stark vom Wetter ab, sagt Unternehmensberater Jürgen Schulze, der auch hiesige Betriebe berät. Spargel sei ein extrem temperaturempfindliches Gemüse. Schulz hat schon erlebt, dass in einem Betrieb auf verschiedenen Feldern zu unterschiedlichen Zeiten angestochen wurde, weil sich die Temperatur auf den Feldern leicht unterschied.

Insgesamt wirken sich milde Winter positiv auf die Spargelernte aus, da die Saison dann zeitiger beginnt. Aber Spargelbauern sind nicht rundweg glücklich mit dem Klimawandel. Karl-Ludwig Syring verweist darauf, dass dann Spätfröste die bereits treibenden Spargelpflanzen schädigen können.

Den Statistiken des Landwirtschaftsministeriums zufolge sind Erträge wie Anbauflächen in den vergangenen 15 Jahren ständig gestiegen. Während das Jahr 2015 mit „nur“ 15 900 Tonnen Spargel kein so gutes Jahr war, hoffen Bauern wie Jürgen Jakobs dieses Jahr auf eine bessere Ernte. Einen Wermutstropfen gibt es bereits: Die Betriebe leiden unter dem Mindestlohn. Mehrkosten legen sie auf den Preis um. Zwar müssen die Gartenbaubetriebe erst ab 2017 vollen Mindestlohn von 8,60 Euro pro Stunde zahlen, aber schon die 7,20 Euro vom vergangenen Jahr wirkten sich auf den Preis des Spargels aus. Laut Jürgen Jakobs war der bereits im Schnitt 30 Cent teurer.

Mindestlohn hat personelle Konsequenzen

Personelle Konsequenzen hatte der Mindestlohn auf dem Spargelhof Kremmen. Um etwa 15 Beschäftigte hat Malte Voigts seine Belegschaft reduziert. „Bevor ich den Preis des Spargels erhöhe, versuche ich, den Betrieb effizienter zu gestalten und die Erträge zu steigern“, sagt Voigts. Trotzdem sei der Stellenabbau schmerzlich gewesen, besonders weil einige polnische Mitarbeiter mit dem früheren Stundenlohn von 6,50 Euro zufrieden gewesen seien.

Nicht zuletzt führe der Mindestlohn zu höherem Aufwand bei den Abrechnungen. Der Spargelhof Karl-Ludwig Syring hat dafür eine Stelle mehr geschaffen, der Beelitzer Spargelhof Jakob sogar anderthalb Stellen mehr.

Von Rüdiger Braun

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