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Brandenburg Flüchtlinge sollen Handwerk retten
Brandenburg Flüchtlinge sollen Handwerk retten
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00:33 14.06.2015
Die Arbeitsagentur Potsdam will Flüchtlinge besser integrieren. Quelle: dpa
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Potsdam

Es ist ein Pilotprojekt, das bundesweit Schule machen könnte: Die Potsdamer Arbeitsagentur will ab Juli Flüchtlinge vor Ort über Job- und Ausbildungsmöglichkeiten beraten – direkt in den Wohnheimen. „Wir werden aktiv und gehen auf die Menschen zu“, sagte Agenturleiterin Ramona Schröder der MAZ. Sechs Mitarbeiter sollen für die Berufsberatung in den Flüchtlingsheimen speziell geschult werden, die Sprachbarrieren soll mit Hilfe der Dolmetscher der Kommunen überwunden werden. 2500 Asylbewerber und Geduldete gibt es im Agenturbezirk, der Potsdam, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und Brandenburg/Havel umfasst.

Bundesweit einmaliger Vorstoß

Mit dem Vorstoß leistet die Agentur Pionierarbeit. „Soweit ich weiß sind wir deutschlandweit die Ersten, die so etwas machen“, sagte Schröder. „Noch ist nicht alles klar. Wir werden noch viel lernen müssen, aber wir wollen jetzt starten“, sagte sie. Arbeiten könnten die Flüchtlinge etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe, in der Logistik oder in der Reinigungsbranche. Es sind Branchen, die zum Teil Schwierigkeiten haben, geeignete Bewerber zu finden. Der Befürchtung, dass damit ausländische Arbeitskräfte in Konkurrenz zu Einheimischen treten, trat sie entgegen. „Wir haben nach wie vor genügend Stellenpotenzial“, sagte. „Es gibt auch absolut keine Benachteiligung von Einheimischen.“ Denn bevor Flüchtlinge eine Stelle annehmen dürfen, müsse geprüft werden, ob für den Job kein Deutscher oder EU-Ausländer infrage kommt.

Wirtschaftsverbände und Kammern fordern inzwischen immer lauter, das Arbeitskräftepotenzial von Flüchtlingen zu nutzen. „Wie groß die Bereitschaft der Unternehmen ist, tatsächlich Flüchtlinge einzustellen, wird sich zeigen“, sagte Agenturchefin Schröder.

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Handwerkskammern fordern Unterstützung

Der Wille sei da, aber ohne Unterstützung durch die Bundes- und Landespolitik gehe es nicht, heißt es bei der Handwerkskammer Cottbus. Viele Betriebe seien bereit, jugendliche Flüchtlinge auszubilden und gelernten Handwerkern einen Arbeitsplatz anzubieten, erklärte Kammerpräsident Peter Dreißig. „Allein im letzten Jahr blieben im Kammerbezirk rund 330Ausbildungsplätze unbesetzt“, sagte er. „Dieses Angebot sollte den Flüchtlingen unterbreitet werden.“ Stephan Loge, Landrat von Dahme-Spreewald, weiß er auf seiner Seite: „Asylsuchende, die eine Ausbildung absolviert und im Anschluss Arbeit haben, zahlen Steuern und die Kommune spart damit Sozialausgaben“, sagte er.

Luckauer Gerüstbauer zeigt sich offen

Andreas Schulz, Gerüstbauer aus Luckau (Dahme-Spreewald), kann sich vorstellen, schon bald mit Flüchtlingen zu arbeiten. Er sieht die Sache ganz pragmatisch. „Nun sind sie schon mal hier, warum soll man es nicht versuchen?“, sagte er. Vier Azubis hat Schulz derzeit, er konnte seine Stellen alle besetzen. Aber auch er merkt, dass die Bewerberzahlen zurückgehen. „Der Fachkräftemangel wird zum Problem, viele Kollegen merken das schon viel deutlicher.“ Einfach werde die Integration von Flüchtlingen sicher nicht: „Das Hauptproblem dürfte die Verständigung sein, da mache ich mir nichts vor.“ Auch der Bildungsstand könnte zum Problem werden, fürchtet Schulz. „Der wird bei vielen nicht der höchste sein“, fürchtet er.

Die Sprache ist das Hauptproblem

Auch Ramona Schröder von der Potsdamer Arbeitsagentur sagt: „Wir müssen das Sprachproblem in den Griff bekommen.“ Doch das werde nicht einfach: „Es gibt kaum flächendeckende Angebote“, kritisierte sie. „Hier sind der Bund und auch das Land in der Pflicht.“ Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze (Linke) hatte kürzlich mitgeteilt, dass das Land weiterhin Deutschkurse für Flüchtlinge fördern werde, die keinen Anspruch auf Integrationskurse haben. Doch wegen der stark gestiegenen Flüchtlingszahlen könne nicht allen Interessenten ein qualifiziertes Angebot gemacht werden, räumte sie ein.

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung erschweren die langen Asylverfahren in Deutschland Flüchtlingen die so oft geforderte Eingliederung in den Arbeitsmarkt: Die Bundesregierung habe zwar die Residenzpflicht und das Arbeitsverbot für Asylbewerber auf drei Monate verkürzt. Wegen der langen Wartezeit auf eine Genehmigung bleibe vielen Asylbewerbern, von denen immerhin zwei Drittel im erwerbsfähigen Alter seien, der Weg in den Job versperrt.

Von Torsten Gellner

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