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Besserer Gewaltschutz im Flüchtlingsheim

Potsdam will mehr als das Gesetz vorschreibt Besserer Gewaltschutz im Flüchtlingsheim

Sie sind auf der Suche nach Zuflucht – aber wie sicher sind sie wirklich? Angekommen im Asylheim ist für viele Flüchtlinge die Angst vor Gewalt längst nicht zu Ende. Die Landeshauptstadt Potsdam erwägt, ein eigenes Gewaltschutzkonzept zu erarbeiten. Im Auge hat man dabei besonders schutzbedürftige Flüchtlinge: Kinder, Frauen, Homosexuelle.

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Schutzbedürftig sind vor allem Flüchtlingskinder.

Quelle: foto: dpa

Potsdam. Kinder und Frauen, Alte und Kranke, Homosexuelle, unbegleitete Jugendliche, Behinderte: Viele der Menschen, die als Flüchtlinge nach Potsdam kommen, benötigen einen besonderen Schutz – vor allem, wenn sie in Gemeinschaftsunterkünften leben. Aber genügen die vom Land Brandenburg per Gesetz vorgegebenen Standards, um die besonders gefährdeten unter den Geflüchteten vor Gewalt, Mobbing und Diskriminierung zu bewahren?

Bereits ein halbes Jahr diskutieren die Potsdamer Stadtverordneten darüber, ein zu den geltenden gesetzlichen Regelungen zusätzliches Kinder- und Gewaltschutzkonzept zu erarbeiten. Der Ausschuss für Gesundheit, Soziales und Inklusion hat dem Antrag der Fraktion Die Andere nach erneuter intensiver Diskussion nun zugestimmt – nicht, ohne sich zuvor den Rat jener einzuholen, die die Situation in den Heimen beurteilen können. So waren zu der Sitzung am Dienstagabend Leiter und Mitarbeiter diverser Unterkünfte, aber auch andere in der Flüchtlingsarbeit Aktive eingeladen, etwa Jirka Witschak vom Katte-Verein für Schwule, Lesben und transidente Menschen, Georgios Papadopoulos vom Potsdamer Betreuungshilfe-Verein sowie Heidrose Gerber vom Autonomen Frauenzentrum.

Tenor der Erfahrungsberichte: Es besteht Handlungsbedarf – zumal die meisten Flüchtlinge länger als vorgesehen in den Heimen bleiben werden. Ein schwerwiegendes Gewaltpotenzial machte zwar keiner der Experten aus. Dennoch komme es immer wieder zu gefährlichen Vorfällen, etwa zur syrisch-tschetschenischen Massenschlägerei in Groß Glienicke im September.

Jirka Witschak, der brandenburgweit homo- und transsexuelle Flüchtlinge berät, warnte aber nicht nur vor Gewalt- sondern auch vor Sexualdelikten. Er plädierte dafür, homosexuelle Flüchtlinge aus den ländlichen Gebieten und den Gemeinschaftsunterkünften zu holen und in einer Stadt wie Potsdam in WGs unterzubringen. Heiderose Gerber berichtete von häuslicher Gewalt: Waren unter den im Frauenhaus Schutzsuchenden im vergangenen Jahr 16 Prozent Flüchtlingsfrauen, so seien es in diesem Jahr 60 Prozent. Im Wohnheim am Nuthetal im Schlaatz, dem größten Potsdams, hat die Leitung bereits selbst Nachbesserungsbedarf erkannt: Das eigene Gewaltschutzkonzept sei so gut wie fertig.

Von Nadine Fabian

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