Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Bürger fordern Klarheit vom Land

Flüchtlinge: Teltower Hilfe läuft Bürger fordern Klarheit vom Land

Die Flüchtlingshilfe in Teltow kann sich auf viele Ehrenamtliche stützen. Das hat Sozialministerin Diana Golze (Linke) bei einem Besuch erfahren. Als Landespolitikerin musste sich Golze aber auch kritische Fragen gefallen lassen. Bürokratische Hürden sollen abgebaut werden, so die Bürger.

Voriger Artikel
Lindow: Protest gegen Flüchtlinge
Nächster Artikel
Brandenburg stoppt Abbau der Polizei

Sehr gesprächsfreudig und interessiert zeigten sich die meisten der gut 70 Gäste, die zur Reihe „Teltower Gespräche“ ins Bürgerhaus kamen.

Quelle: Claudia Krause

Teltow. Je regionaler die Flüchtlingsarbeit, desto schneller geht manches. Und: An der Bereitschaft der Einwohner der Region Teltow, den Ausländern zu helfen, mangelt es auch weiterhin nicht. So lautet kurz das Fazit der jüngsten „Gespräche in Teltow“. Dazu gehören aber auch Forderungen der Bürger an Bund und Land, für mehr Klarheit, Ehrlichkeit und Regelungen in der Flüchtlingspolitik zu sorgen sowie „überzogene deutsche Bürokratie“ bei der Umsetzung von Hilfsprojekten zu vermeiden. Außerdem wurde der schnelle Zugang zu Arbeit und Ausbildung gefordert.

Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze (Linke) versicherte, man unternehme Anstrengungen auf dem Arbeits- und dem Wohnungsmarkt, um nicht nur den Flüchtlingen, sondern allen Betroffenen zu helfen. Etliche Handwerksbetriebe hätten aber schon lange keine hiesigen Azubis gefunden und seien jetzt dankbar für interessierte Ausländer. Golze ermunterte, noch Gelder aus der zweiten Runde für Willkommenskultur beim Land zu beantragen.

Momentan leben in Stahnsdorf etwa 500 und in Teltow 550 Flüchtlinge in zwei Heimen. Seine „Linke Ecke“ hatte der Stadtverband Teltow der Partei Die Linke diesmal unter das Thema „Wir schaffen das! Schaffen wir das? Zuwanderung – Belastung und/oder Chance“ gestellt. Und der Saal im Bürgerhaus war mit gut 70 Gästen „so richtig voll“, wie Vorsitzender und Moderator Reinhard Frank sagte. Mit abgedroschenen Klischees vom teuren Handy über angebliche Vergewaltigungen und massenhafte Diebstähle wollte sich kaum noch einer befassen. Vielmehr interessierten konkrete Erfahrungen. Etwa von Beate Koch aus Stahnsdorf, die als Lehrerin a. D. eine Willkommensklasse an der Teltower Mühlendorf-Oberschule betreut. Sie habe bereits 43 Schüler zwischen 12 und 17 Jahren gehabt. Diese „benehmen sich wie unsere Jugendlichen“. Die einen hatten in der Heimat elf Schuljahre hinter sich, andere 4 – mit 15 Jahren. „Aber alle wollen hier Deutsch lernen ohne den Stolz auf ihre Muttersprache aufgeben zu müssen“, so Koch. Das Oberstufenzentrum Teltow hatte unkompliziert einen größeren Raum gestellt, lobte sie. Die Seniorin appellierte an die Männer, sich mehr einzubringen.

Kontakte für Helfer

Die Koordinierungsstelle für die Flüchtlingshilfe in der Region Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf befindet sich im Rathaus Kleinmachnow.

Ansprechpartnerin ist Marion Höne, (Zimmer 2.42), Tel. 033203/8 77 24 11; marion.hoene@kleinmachnow.de; Die 9-12 Uhr und 13 bis 18 Uhr, Do 13-16.

Das Flüchtlings-Hilfe-Portal „HelpTo“ (auch für den Landkreis Potsdam-Mittelmark) über Neues Potsdamer Toleranzedikt e.V., Tel. 0331/ 58390470, kontakt@helpto.de; Web: www.potsdamer-toleranzedikt.de.

Kleider(Schatz)kammer und Fahrradwerkstatt beim USE, Kleinmachnow, Am Fuchsbau 47, Mo – Fr 9 bis 13 Uhr. Tel. 033203/8 68 80-0.

Für das Männer-Wohnheim Teltow engagiert sich Claudia Rashied vom Freundeskreis zur Unterstützung der Asylbewerber Teltow seit drei Jahren – mit drei anderen Frauen. Jetzt kam ein Rentner hinzu, der sich als Gärtner um die Außenanlagen kümmert. Der Freundeskreis gibt Deutschunterricht, führt ein Café, macht monatlich einen Ausflug mit den Männern. Nun wollen die Frauen Fortbildungssprachkurse bieten. Rashied stellte klar: „In den Heimen gibt es genauso wie überall in der Gesellschaft Kriminelle, Menschen, die Alkohol trinken, Depressionen haben“. Aber es gebe „wahnsinnig viele, die ankommen wollen und Bedürfnisse haben“.

Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) ist stolz „auf eine Bürgerschaft, die Flagge zeigt“, wünscht sich aber, dass man als Kommune „etwas früher mit ins Boot geholt wird“, wenn es um Unterbringungen geht. Er forderte eine Förderung des sozialen Wohnungsbaus, um allen, die bezahlbare Wohnungen brauchen, gerecht werden zu können.

Von Claudia Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Flüchtlinge