Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° heiter

Navigation:
Das brauchen die Flüchtlinge

Bürger setzen sich ein Das brauchen die Flüchtlinge

Die Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen, ist auch im Havelland groß. Um die zahlreichen Initiativen zu koordinieren und interessierte Bürger einzubinden, trafen sich im Rathenower Lutherhaus rund 40 Mitstreiter und brachten gleich mehrere Projekte auf den Weg.

Voriger Artikel
AfD-Treffen: Landrat versteht Aufregung nicht
Nächster Artikel
30 Nationen im Neuruppiner Heim

Im Lutherhaus tauschten sich Bürger darüber aus, wie sie den Menschen in den Asylunterkünften konkret helfen können.

Quelle: Christin Schmidt

Rathenow. Die einen gehen auf die Straße und schreien ihre Angst vor Überfremdung laut heraus, andere beobachten zurückhaltend, wie das Land mit der größten Herausforderung seit der Wiedervereinigung umgeht. Und es gibt jene, die ganz konkret helfen. Auch in der havelländischen Kreisstadt, in der es mittlerweile zwei Übergangswohnheime und eine Notunterkunft für Asylbewerber gibt, sorgen zahlreiche Initiativen für eine Willkommenskultur. Um die vorhandenen Kräfte zu bündeln, trafen sich in dieser Woche im Lutherhaus rund 40 Bürger, darunter Vertreter des Bündnisses für Familie, der Kirche, des Kompetenzzentrums, der Stadtverwaltung und des Jahngymnasiums.

Mit Sandy Kias und Anja Thielecke waren auch die Leiter zweier Asylunterkünfte zugegen. Kias ist zuständig für den Fachbereich Migration der Arbeiterwohlfahrt und leitet das Übergangswohnheim im Birkenweg. Gerade hat sie 40 Flüchtlinge in die Notunterkunft nach Friesack gebracht. Thielecke kümmert sich im Auftrag der Johanniter als Sozialarbeiterin um die Notunterkunft im Hasenweg. Gemeinsam brachten sie den Anwesenden die Situation in den Unterkünften näher und erklärten, was gebraucht wird.

Winterkleidung und Praktika gesucht

Da unter den Flüchtlingen besonders viele junge Männer sind, die in dünner Kleidung und mit nur einem kleinen Rucksack ankommen, werden dringend Winterbekleidung in kleinen Größen und Schuhe benötigt. Auch Decken und Lacken können gespendet werden. Im Grünauer Weg und im Birkenweg sind außerdem Bettwäsche, Geschirr- und Handtücher sowie Geschirr, Besteck , Pfannen und Töpfe gefragt. Fahrräder werden ebenfalls noch gesucht.

Neben Sachspenden ist vor allem persönliches Engagement gefragt. Menschen, die bereit sind den Flüchtlingen beim Schreiben von Bewerbungen zu helfen und ihnen Grundlegendes in Sachen Arbeitsrecht erklären, wie zum Beispiel was ist Mindestlohn oder was muss ich beachten, wenn ich einen Arbeitsvertrag unterschreibe. Die Sozialarbeiter versuchen diesen Bereich abzudecken, sind derzeit aber völlig überlastet, so Kias. Ebenfalls gefragt sind Unternehmen, die Flüchtlingen Praktikumsplätze bieten.

Dringend gebraucht: Zeit

„Was wir wirklich von Ihnen brauchen, ist Zeit“, machte Anja Thielecke deutlich. Zeit, sich mit den Flüchtlingen zu beschäftigen, einen Ausflug mit ihnen zu machen, die Gegend zu erkunden. Sport, Musik, Handarbeit, Handwerken – alles was sie beschäftigt, sie in Kontakt mit Einheimischen bringt und ihnen hilft die Sprache zu lernen, hilft. Sandy Kias wünscht sich, dass mehr Bürger bereits sind, sich um die jungen Männer zu kümmern. Das Engagement für Familien und Kinder sei da, Alleinstehende würden aber viel zu kurz kommen.

Nach wie vor werden Helfer gesucht, die sich längerfristig engagieren und zum Beispiel die Patenschaft für einen Flüchtling oder eine Flüchtlingsfamilie übernehmen. Interessierte wenden sich an das Kompetenzzentrum Havelland, 0 33 85/57 01 49, E-Mail: info@kompetenzzentrum-havelland.de. Die ehrenamtlichen Paten werden auf die Aufgabe vorbereitet und können sich bei Fragen oder in schwierigen Situationen an das Team des Kompetenzzentrums wenden.

Basteln und Handwerken

Während des Treffens wurden verschiedene Initiativen auf den Weg gebracht. Ein Gruppe von Frauen will zum Beispiel im Hasenweg Bastel- und Handarbeitsnachmittag anbieten. Ein erster Besuch fand bereits statt. Um die Bewohner mehrmals pro Woche besuchen zu können, werden noch Mitstreiter gesucht. Ein anderes Team wird in den Garagen in der Unterkunft am Birkenweg eine Werkstatt einrichten. Dafür wird Werkzeug und Material benötigt. Schrauben, Holz, Nägel – alles was man zum Handwerken braucht, kann abgegeben werden. Melden können sich auch Bürger, die bereit sind, selbst mit den Flüchtlingen zu schrauben und zu sägen, ihnen das Handwerken näher zu bringen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Mehr Begegnungsort gewünscht

Ein wichtiger Begegnungsort für Neuankömmlinge und Einheimische ist das Interkulturelle Spielecafé. Es findet in den geraden Kalenderwochen montags um 17 Uhr im Saal hinter der Oase in der Bergstraße 6 statt. Die Organisatoren bitten ausdrücklich darum, diese Idee zu kopieren. Die Nachfrage ist so groß, dass die Helfer an ihre Grenzen stoßen. Etwa 30 Menschen kommen jedes Mal zusammen, dabei wird immer wieder der Wunsch laut, das Spielcafé häufiger zu betreiben, berichtete Mitorganisatorin Silke Lange.

Auf den Weg gebracht wurden auch ein interreligiöser Gesprächskreis sowie ein großes Neujahrsfest, ähnlich dem Willkommensfest. Eines wurde während des Treffens besonders deutlich: Den meisten Flüchtlingen fehlt der Kontakt zu Deutschen und eine sinnvolle Beschäftigung, die sie aus ihrem tristen Alltag herausholt und auf die Zukunft vorbereitet.

Zentrale Informationsstelle in der Stadtverwaltung

Als Mitarbeiterin der Stadt kümmert sich Petra Herbrich um die Koordinierung der verschiedener Initiativen. Sie leitet Anfragen weiter und steht in engem Kontakt mit den Heimleitern.

Wer sich engagieren oder eine der vorgestellten Initiativen unterstützen möchte wendet sich an Petra Herbrich: 0 33 85/50 34 42.

Von Christin Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Flüchtlinge