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Die Neuen aus der Grotrianstraße 13

Potsdam Die Neuen aus der Grotrianstraße 13

Elf Wohnungen hat die Stadt Potsdam in der Grotrianstraße 13 gemietet, um Flüchtlingen ein erstes Zuhause in der Fremde zu geben. Anders als in den meisten anderen Asylunterkünften leben in dem Wohnungsverbund nur Familien. Zu ihnen gehören die Syrer Ahmed und Khadija Alissa mit ihren fünf Kindern. Wovon sie träumen, haben sie der MAZ erzählt.

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Potsdamer Hilfe für traumatisierte Flüchtlingskinder

Ahmed und Khadija Alissa sind mit fünf Kindern aus Syrien geflohen – hier die drei jüngsten Salha (13), Ola (4) und Mahmud (7). Die Familie sucht dringend eine Erdgeschoss-Wohnung oder ein Häuschen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Am Stern. Wenn Mahmud (7) einen Wunsch frei hätte, er würde sich ein Haus wünschen, in dem sie alle Platz haben: Mama Khadija (38) und Papa Ahmed (40), die Schwestern Aziza (14), Sahla (13) und Ola (4) und natürlich Mossa (16), der große Bruder. „Wir wollen in Potsdam bleiben, es gefällt uns hier“, sagt Mahmud, der nach den Ferien in die 2. Klasse kommt und Deutsch spricht, als wäre es seine Muttersprache. Und doch: Wenn sich die Dunkelheit über die Grotrianstraße Am Stern legt, sagt Mahmud seinen Eltern „Gute Nacht“ auf arabisch.

Die Familie Alissa ist aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Ahmed und Khadija Alissa sind so genannte Kontingentflüchtlinge. Sie haben eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen – und sie geben sich alle Mühe, anzukommen in dem Land, das für ihre fünf Kinder eine Heimat werden soll.

Am 24. August ist es ein Jahr her, dass die Alissas in das neu gebaute Haus mit der Nummer 13 in der Grotrianstraße gezogen sind. Die Stadt Potsdam hat dort seit Februar 2015 elf der 20 Wohnungen gemietet, um Flüchtlingen ein erstes Zuhause in der Fremde zu geben. Anders als in vielen anderen Asylunterkünften leben in diesem Wohnungsverbund – die Obhut hat der Internationale Bund (IB) – ausschließlich Familien. Sie kommen aus Syrien, Pakistan und Tschetschenien. Wie lange sie in der Grotrianstraße bleiben, hängt nicht nur vom Fortgang ihrer Asylverfahren ab, sondern auch davon, ob anderswo eine Wohnung zu ergattern ist.

„Die Alissas etwa suchen bereits seit einer Ewigkeit“, sagt Heimleiter Daniel Grimm. „Sie haben sich zig Wohnungen angeschaut, aber bisher nichts passendes gefunden.“ Mal wucherte überall Schimmel, mal waren die Treppen zu steil. Für die Familie sei es wichtig, eine Wohnung im Erdgeschoss zu bekommen oder in einem Haus mit Lift, denn zwei der Töchter sind schwerst behindert. Sie brauchen nicht nur besondere Fürsorge, sondern auch ein barrierefreies Umfeld. Neulich, als Vater Ahmed wie so oft eines der Mädchen getragen hat, riss ihm der Meniskus. Zum Integrationskurs, in dem bald die Prüfung ansteht, humpelt er nun auf Krücken. Daniel Grimm unterstützt ihn derweil dabei, Arzttermine zu vereinbaren und den Papierkram zu erledigen.

Heimleiter Daniel Grimm (l) und Sozialpädagoge Olivier Heinze helfen den Flüchtlingen dabei, sich im Potsdamer Alltag zurecht zu finden

Heimleiter Daniel Grimm (l.) und Sozialpädagoge Olivier Heinze helfen den Flüchtlingen dabei, sich im Potsdamer Alltag zurecht zu finden.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Insgesamt vier Sozialpädagogen und zwei Bundesfreiwillige sind für die Flüchtlinge da und helfen ihnen, sich im Potsdamer Alltag zurecht zu finden. Das Büro, das der IB im Haus hat, ist werktags von 8 bis 20 Uhr besetzt. Von 20 bis 8 Uhr und am Wochenende ist ein Sicherheitsdienst zugegen. „Es ist immer jemand hier“, sagt Daniel Grimm. „Die Bewohner können jederzeit zu uns kommen – auch Nachbarn, die Fragen haben.“

Apropos: Nachbarn hatten vor dem Einzug der Flüchtlinge bei einem Infoabend der Stadt Bedenken geäußert. Man sorgte sich um Ordnung, Sauberkeit und Ruhe – man sorgte sich umsonst. „Ein halbes Jahr, nachdem wir hier eingezogen waren, kam eine Dame aus dem Hochhaus nebenan und fragte, wann denn die Flüchtlinge nun kommen würden“, erzählt Daniel Grimm. Besser könne es doch kaum laufen – aber vielleicht persönlicher. Deshalb möchte der IB die Alteingesessenen zu einem Grillfest einladen. Vielleicht werden dann beim gemeinsamen Essen aus Flüchtlingen Nachbarn.

Tür an Tür

Die Unterkünfte für Asylbewerber sind in Potsdam sehr unterschiedlich. Es gibt große Gemeinschaftsunterkünfte An der Alten Zauche im Schlaatz, am Lerchensteig in Bornim und im früheren Landtag mit 200 bis 470 Plätzen. Es gibt aber auch Wohnungsverbünde wie den Staudenhof im Zentrum für rund 50 Asylbewerber oder eine Unterkunft speziell für traumatisierte Frauen und Kinder in der City.

Die Grotrianstraße 13 zählt zu den Wohnungsverbünden. Die Pro Potsdam hat das Haus errichten lassen, die Stadt mietet es. Elf der 20 Wohnungen in dem Gebäude stehen seit Februar 2015 für Geflüchtete zur Verfügung. Bis zu 45 Plätze sind somit entstanden. Träger der Einrichtung ist der Internationale Bund (IB).

Ein Integrationsgarten hinter dem Haus wurde im April 2015 eröffnet. Dort hat jede Flüchtlingsfamilie ein eigenes Beet.

Wer Flüchtlingen helfen möchte, orientiert sich am besten auf dem Portal potsdam.helpto.de/de – es vernetzt Helfende und Hilfesuchende miteinander, auf dass die Hilfe da ankommt, wo sie auch wirklich gebraucht wird. Auf dem Portal kann man unter anderem eigene Angebote einstellen, auf Gesuche reagieren und Initiativen finden. nf

 

Von Nadine Fabian

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