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Potsdam: Darum helfen wir Flüchtlingen

250 Helfer bauen Betten auf Potsdam: Darum helfen wir Flüchtlingen

In Potsdam werden rund 300 Flüchtlinge erwartet, sie sollen auf dem einstigen Ministeriumsgelände an der Heinrich-Mann-Allee untergebracht werden. Unterdessen zeigen sich viele Potsdamer solidarisch und organisieren ein Hilfsprogramm. Mehr als 250 Helfer Betten bauen Montagabend Betten auf. Wir haben mit einigen über ihre Motivation gesprochen.

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Am Montag hatten sich im Freiland rund 200 Flüchtlingsunterstützer getroffen.
 

Quelle: Julian Stähle

Potsdam.  Dass in Potsdam noch in dieser Woche Flüchtlinge eintreffen ist bereits klar. Wann sie wirklich ankommen, ist jedoch noch unklar. Über die Zahl und den genauen Zeitpunkt gab es im Laufe des Montags unterschiedliche Angaben. Ingo Decker, Sprecher des Innenministeriums machte auf MAZ-Anfrage deutlich: Montag treffen keine Flüchtlinge ein. Betten hingegen schon. Gegen 21 Uhr sind sie eingetroffen. Die Bundeswehr stellt die provisorischen Nachtlager zur Verfügung. Sie werden derzeit von mehr als 250 Helfern aufgebaut. Sie rechnen mit der Ankunft der Flüchtlinge am Dienstagmorgen.

In Potsdam ist viel Solidarität mit den Flüchtlingen zu spüren. Viele Menschen wollen helfen. Und das ganz konkret. Eine wichtige Schaltstelle für Menschen, die Flüchtlinge unterstützen wollen, ist das Freiland – Potsdams selbstverwaltetes Kulturzentrum zwischen Hauptbahnhof und S-Bahn-Station Babelsberg. Dort laufen viele Fäden der Flüchtlingshilfe zusammen.

Im Freiland wird die Flüchtlingshilfe koordiniert

 – Das Freiland ist für viele freiwilligen Helfer ein wichtiger Ort. Hier treffen sich viele Flüchtlingshelfer, hier werden Hilfsmöglichkeiten und konkrete Einsätze vor Ort be- und abgesprochen.

 – Das nächste Treffen soll dort am Montag in einer Woche um 9.30 Uhr stattfinden.

 – Dazwischen hält das Freiland alle Helfer über ihre Facebook-Seite und den Twitteraccount auf dem Laufenden. Außerdem gibt es einen Tumblr, auf dem man alles Wichtige erfährt. Auch unter dem #rfgspdm gibt es Neuigkeiten zur Flüchtlingshilfe.

 – Auf der  Tumblr-Seite (refugeesinpdm.tumblr.com) gibt es ein Übersicht, welche Sachspenden aktuell benötigt werden.

 – Das Freiland hat auch ein Spendenkonto für die Flüchtlingshilfe eingerichtet. Kontoinhaber: CULTUS UG, Kontonummer: 1000 8649 83, Bankleitzahl: 160 500 00, IBAN: DE54160500001000864983, Verwendungszweck: Spende Refugees in Potsdam

Am Montagmorgen haben sich rund 200 Menschen auf dem Freiland-Gelände getroffen, um verschiedene Hilfsmaßnahmen zu beschließen. So haben sich im Laufe des Vormittags mehrere Gruppen gebildet. Die eine koordiniert alles, was sich um rechtliche Fragen dreht. In einer anderen Gruppe wird geklärt, wie man den Flüchtlingen medizinische Hilfe zukommen lassen kann. In einer weiteren Gruppe wird der Umgang mit Spenden aller Art begleitet.

Stadt sichert dem Land Unterstützung zu

Die Stadt Potsdam hat am Montag dem Land zugesichert, es bei der Unterbringung der Flüchtlinge zu unterstützen. Auch die Einrichtung der Erstaufnahmestelle wird befürwortet. „Die Menschen sind in absoluter Not. Wir müssen alles dafür tun, dass sie ein Dach über dem Kopf bekommen und hier willkommen geheißen werden“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs.

Jakos hat das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengerufen. Wegen der Ereignisse hat Jakobs eine Ungarn-Reise abgesagt. Die Stadt verweist in ihrer Mitteilung ebenfalls auf die Flüchtlingshilfe im Freiland und auf die „Koordinierungsstelle Neue Nachbarschaften Potsdam“, über deren Homepage können ebenfalls verschiedenen Hilfen koordiniert werden.

Wir haben mit freiwilligen Helfern gesprochen und nach ihrer Motivation gefragt, das haben sie gesagt.

Die 67-jährige Eva Wieczorek aus Potsdam etwa will vor allem Flüchtlingskindern helfen. „In Ferch gibt es bereits ein gutes Hilfsnetzwerk“, sagt sie. Im von Potsdam nur wenige Kilometer entfernten Ferch leben bereits viele Flüchtlinge. Wieczorek kennt dort einige Unterstützer und will nun dabei helfen, dass die Kinder auch in Potsdam hier wohlfühlen können. Dazu will sie zum Beispiel Spiel- und Lernangebote initiieren. Eva Wieczorek ist ehemalige Lehrerin, sitzt als sachkundige Bürgerin im Potsdamer Bildungsausschuss. Sie habe viele Bekannte und Freunde, die sich für Flüchtlinge einsetzen, sagt sie.

„Mich berühren die Bilder von Flüchtlingen, deswegen helfe ich“, sagt sie. Außerdem sei auch die Generation ihrer Eltern vom Krieg vertrieben worden. Deswegen sei ihr das Leid der Flüchtlinge bekannt.

Eva Wieczorek

Eva Wieczorek: „In Potsdam sind viele Menschen sehr engagiert, es gibt eine tolle Hilfsbereitschaft. Es ist am besten mit den Menschen in Kontakt zu kommen, das löst viele Probleme.“

Quelle: Christian Meyer

An der Potsdamer Hilfsaktion beteiligen sich neben dem Freiland auch das Deutsche Rote Kreuz, viele private Initiativen, der Landesjugendring, auch die Parteien engagieren sich.

„Wir dachten schon, dass das Thema viele Menschen interessiert“, sagt Florian Richter vom Freiland. Der 30-Jährige ist einer der vielen Freiland-Helfer, die die Flüchtlingshilfe koordinieren. Am Sonntagabend wurde bekannt, dass in Potsdam die Flüchtlinge ankommen sollen. Kurz danach rief das Freiland unter anderem über Facebook zu dem Treffen auf. „Wir waren dann schon überrascht, wie viele Menschen gekommen sind.“ Ihn freue besonders, dass so viele unterschiedliche Altersgruppen und Typen gekommen sind. Unter den Helfern sind viele junge Menschen, aber auch Familien mit kleinen Kindern und auch einige Ältere.

Die verschiedenen Gruppen seien ins Leben gerufen worden, damit jeder seine Stärken einbringen könne und man so eine effektives Hilfsangebot auf die Beine stellen könne, sagt Richter. Für ihn sei es ein Gebot der Stunde zu helfen. Außerdem stelle sich für ihn nicht die Frage, ob er helfen wolle. Das sei eine Selbstverständlichkeit.

Florian Richter

Florian Richter: „Staatliche Stellen können oft nur Verwaltung. Wir wollen helfen und so für die menschliche Seite sorgen.“

Quelle: Christian Meyer

Dass sie helfen will ist klar. Nur wie und was, dass kann Maria Reichert noch nicht sagen. Die 31-jährige Potsdamerin ist am Montag etwas später zur Koordinierungsrunde im Freiland dazugekommen. „Ich trage mich jetzt in einen E-Mail-Verteiler ein und hoffe, dass ich dann mithelfen kann“, sagt sie. Über den Verteiler wolle sie auch auf dem Laufenden bleiben. Sie sei auf jeden Fall dafür, dass Flüchtlinge aufgenommen werden und ihnen geholfen wird.

Maria Reichert

Maria Reichert: „Die Flüchtlinge sollen wissen, an wen sie sich wenden können. Ich finde es wichtig, dass für die Hilfe gute Strukturen aufgebaut werden.“

Quelle: Christian Meyer

Von Christian Meyer

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