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Droht Brandenburg die Islamisierung?

MAZ-Faktencheck Flüchtlinge Droht Brandenburg die Islamisierung?

Rund 36.000 Asylsuchende werden voraussichtlich bis Jahresende nach Brandenburg kommen. Wie werden sie die Gesellschaft verändern? Droht die Islamisierung? Werden Parallelgesellschaften entstehen? Wir machen den Faktencheck und beenden damit unsere Reihe.

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Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Schönefeld (Dahme-Spreewald). FOTO: DPA

Potsdam. Rund 36 000 Asylsuchende werden voraussichtlich bis Jahresende nach Brandenburg kommen. Wie werden sie die Gesellschaft verändern? Drohen Parallelgesellschaften in der Mark?

Behauptung: Mit dem Zuzug vieler Flüchtlinge wird der Islam auch in Brandenburg immer einflussreicher.

Heike Hendl vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg sagt: „2015 lebten rund 2,4 Millionen Menschen im Land Brandenburg, von denen 2,6 Prozent Ausländer waren.“ Die Religionsgemeinschaft werde nicht erfasst, es gebe aber Indizien, dass Muslime in Brandenburg bislang eine verschwindend kleine Minderheit bilden. Die größte Gruppe der Ausländer kommt mit über 11.000 aus Polen. Mit rund 1000 Afghanen ist immerhin auch eine muslimische Gruppe präsent.

Der MAZ-Faktencheck

In loser Folge geht die MAZ Gerüchten und Halbwahrheiten rund um das Thema Flüchtlinge auf den Grund.

Themen des Faktenchecks sind Kriminalität, Gesundheit, Arbeitsmarkt und Integration.

Mit dem Start des Faktenchecks hat die MAZ geschaut, wie viele Flüchtlinge in den einzelnen Landkreisen leben und wie ein Asylverfahren abläuft.

Folge 1: Landkreise sprechen von Notstand

Folge 2: Steigt durch Asylbewerber die Kriminalität?

Folge 3: Sind Flüchtlinge wirklich ansteckend?

Folge 4: Syrischer Arzt ist die Ausnahme, nicht die Regel

Folge 5: Droht Brandenburg die Islamisierung?

Stephan Breiding , Sprecher im Kulturministerium sagt: „Die bestehenden islamischen Kultusgemeinden oder -verbände in Brandenburg sind in der Regel klein.“ Bekannt seien das 1992 gegründete Zentrum für Islamstudien in Trebbus (Elbe-Elster) und der 1998 gegründete Verein der Muslime in Potsdam, der die Al-Farouk-Moschee in Potsdam betreibt.

Behauptung: Die Neuankömmlinge werden Parallelgesellschaften ausbilden.

Werner Schiffauer , Lehrstuhlinhaber für Anthropologie an der Europa-Universität Viadrina, meint: „Der entscheidende Faktor für Integration ist die Haltung der Mehrheitsgesellschaft.“ Spürten die Neuankömmlinge Ablehnung, zögen sich in den Kreis Gleichgesinnter zurück. Die Furcht vor einer Parallelgesellschaft werde somit zur sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Integriertes Wohnen erleichtere die Integration.

Renate Haas vom Institut für Kulturanalyse in Berlin, koordiniert Integrationsprojekte. Sie meint: „Anstatt die Ängste und den Ärger zu empfinden, die die viel zu lange währende Unfähigkeit der europäischen Länder auslöst, im arabischen Raum nachhaltige Entwicklungskonzepte mit der dortigen Bevölkerung zu entwickeln und umzusetzen, wird das Unbehagen auf die Flüchtlinge projiziert.“

Florian Engels , Sprecher im Bildungsministerium, sagt: „Seit dem Schuljahr 2013/14 werden auch in Erstaufnahmeeinrichtungen speziell entwickelte Kurse für Kinder und Jugendliche im Grundschul- und Sekundarstufe-1-Alter angeboten.“ In den täglich vierstündigen Kursen nehmen derzeit durchschnittlich 140 Kinder in sieben Gruppen in Eisenhüttenstadt und rund 60 Kinder in fünf Gruppen in Ferch teil. „Die Kurse sind ausgebucht“, so Engels.

Behauptung: Das Frauenbild des Islam ist nicht mit der westlichen Kultur zu vereinbaren

Ulrike Häfner , Sprecherin des Frauenpolitischen Rats in Brandenburg, hält bestimmte Frauenbilder nicht für ein spezifisches Problem des Islam: „In den meisten Kulturen dieser Welt gibt es religiös motivierten Chauvinismus.“ Ganz unabhängig von der Flüchtlingsproblematik nehme der Rat an vielen Orten Phänomene wahr, „die auf ein Erstarken traditioneller Rollenbilder hinweisen“. Auch in Deutschland gebe es Mädchen und Frauen, die traditionelle Rollenvorbilder gut fänden. Von Flüchtlingen sei eher ein starkes Frauenbild zu erwarten. Die geflüchteten Frauen seien aufgrund ihres Verhaltens nicht in erster Linie als hilfsbedürftig oder schwach einzuschätzen. „Im Gegenteil beweist ihr bloßes Hiersein eine Stärke, die in ihrem Kulturkreis oftmals nicht gerade als weibliches Attribut gilt – zumal wenn Kinder zu versorgen sind.“

Behauptung: Muslime wollen die Ausbreitung des Islam

Kadir Sanci , wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft an der Universität Potsdam, betont, dass sich in der islamischen Theologie keine Tendenzen zur Islamisierung finden. „Einen Missionierungsauftrag wie im Christentum gibt es im Islam nicht. Es geht nur darum, das Wort Gottes und das des Propheten zu verkünden.“ Bekehrung werde keineswegs verlangt. „Der freie Wille wird im Koran sehr groß geschrieben.“ In Sure 18:29 heiße es: „Wer glauben will, möge glauben, und wer ablehnen will, möge ablehnen.“ Damit bleibe es dem Einzelnen überlassen, wie er sich zu den Inhalten des Islams verhalte.

Von Rüdiger Braun

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