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Flüchtlingsrat: Massenunterkünfte sind unmenschlich

Kritik an Flüchtlingsunterkünften Flüchtlingsrat: Massenunterkünfte sind unmenschlich

Nach den Massenschlägereien in Berliner Flüchtlingsunterkünfte ist nun eine Debatte darüber entbrannt, ob die Unterkünfte menschenwürdig sind. Der Flüchtlingsrat sagt „Nein“ und bezeichnet die Art der Unterkunft als gescheitert und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Berliner Bürgermeister.

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In den Hangars am Flughafen Tempelhof sind Flüchtlinge untergebracht.

Quelle: dpa

Berlin.
Die Lage in den Berliner Flüchtlingsheimen hat sich nach den Schlägereien vom Wochenende beruhigt. Von den festgenommenen Flüchtlingen sei auch keiner länger im Polizeigewahrsam geblieben, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Die Polizei habe in allen Fällen die Personalien notiert und sie dann wieder gehen lassen.

Unterdessen hat der Flüchtlingsrat am Montag eine neue Debatte über die Art der Flüchtlingsunterkünfte angestoßen.

Flüchtlingsrat: Massenunterkünfte fördern Aggressionen

Der Flüchtlingsrat kritisierte am Montag Innensenator Frank Henkel (CDU), der am Sonntag vor einer Gefahr für den sozialen Frieden gewarnt hatte. Schuld an der Gewalt sei die Unterbringung, teilte der Flüchtlingsrat mit. „Dass eine solche extrem beengte und völlig unzureichend ausgestattete Massenunterkunft Aggressionen fördert, war absehbar.“

Der Linken-Abgeordnete Hakan Taş warf Henkel vor, die Stimmung gegen Flüchtlinge aufzuhetzen. Hauptursache für Spannungen in den Unterkünften sei die „menschenunwürdige Unterbringung“.

Henkel hatte erklärt, mit der steigenden Zahl von Massenunterkünften würden auch die Spannungen steigen. „Diese Rechtsbrüche sind unerträglich und nicht hinnehmbar. Es gibt Regeln in unserem Land. Wer sich nicht daran hält, für den gibt es bei uns auch andere Unterkünfte. Mit verriegelten Türen und Fenstern.“

Grünen-Politikerin kritisiert Zustände am Lageso

Nicht nur die Lage in den Flüchtlingsheimen sorgt für Kritik. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) kritisierte am Montaag die Situation am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin. Sie sei schockiert. „Das sind Zustände, die auf eine große Überforderung hindeuten“, sagte die Politikerin bei einem Rundgang auf dem Gelände. „Man hat den Eindruck, dass hier die Menschenwürde nicht im Vordergrund steht.“ Roth kritisierte insbesondere den Tonfall der Sicherheitsleute und ein aus ihrer Sicht undurchschaubares Terminsystem.

Grünen-Politikerin Claudia Roth besuchte am Montag das Lageso

Grünen-Politikerin Claudia Roth besuchte am Montag das Lageso.

Quelle: dpa

Hunderte Flüchtlinge warteten vor dem Lageso teils schon seit dem Vortag auf einen Termin - beispielsweise, um ihre Hostel-Gutscheine zu verlängern. Bei der Öffnung des Geländes um 4 Uhr morgens kam es zu einem Massenansturm auf ein Wartezelt. Auch um 8 Uhr drängten sich die Flüchtlinge noch rufend an Absperrgittern und wurden mühsam von Wachleuten zurückgehalten.

Das Lageso könne nur monatsweise Leistungen gewähren, erklärte Behördenchef Franz Allert mit Blick auf den großen Andrang. Daher müssten die Flüchtlinge immer wieder kommen.

Ausschreitungen in Flüchtlingsheimen am Wochenende

Zuletzt hatte es am Sonntagabend noch einen kleineren Gewaltausbruch in Niederschönhausen im Bezirk Pankow gegeben. Ein Flüchtling griff laut Polizei einen Wachmann an und es gab ein größeres Gedränge. Im ersten Alarm war zunächst von einer Schlägerei mit 30 beteiligten Menschen die Rede. Das habe sich aber nicht bestätigt, so der Polizeisprecher.

In der Flüchtlingsunterkunft in Tempelhof kam es am Wochenende zu Ausschreitungen

In der Flüchtlingsunterkunft in Tempelhof kam es am Wochenende zu Ausschreitungen.

Quelle: dpa

Zuvor hatte es am Samstagabend in einer Flüchtlingsunterkunft in Spandau eine Massenschlägerei gegeben und am Sonntag in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof. In der Mertensstraße in Spandau gab es am Samstagabend sieben Verletzte. Flüchtlinge warfen mit Stühlen, zerstörten Fenster, einige sprühten mit Feuerlöschern. Etwa die Hälfte der 1000 dort untergebrachten Flüchtlinge floh ins Freie, bis 80 Polizisten die Ruhe wieder hergestellt hatten.

Im Flughafen Tempelhof waren nach einem Streit bei der Essensausgabe mehrere hundert Flüchtlinge aneinandergeraten. 120 Polizisten schritten ein und es gab rund 20 Festnahmen.

Von MAZonline

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