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Viel Arbeit am Flüchtlingsheim in Potsdam

Hunderte Menschen erwartet Viel Arbeit am Flüchtlingsheim in Potsdam

In Potsdam werden bald Hunderte Flüchtlinge ankommen. Die Entscheidung dafür ist recht kurzfristig gefallen. Wie schnell kann man den Menschen ein Obdach bieten? Der Leiter des Einsatzstabes des Landesverbands des Deutschen Roten Kreuzes verrät im MAZ-Interview, was nötig ist, wer hilft und was die Flüchtlinge erwartet.

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Stefanie Lewis und Gordon Teubert vom DRK.

Quelle: Ildiko Röd

Potsdam. Gordon Teubert ist der Leiter des Einsatzstabes des Landesverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Potsdamer Alleestraße. Gemeinsam mit sechs Kollegen koordiniert Teubert die Arbeit in den bislang drei Erstaufnahmeeinrichtungen in Brandenburg. Nun muss sich sein Team zusammen mit den DRK-Mitarbeitern aus dem Kreisverband Potsdam/Zauch-Belzig außerdem um die neue Erstaufnahmeeinrichtung in Potsdam in der Heinrich-Mann-Allee kümmern – und die Zeit drängt. Zum Glück gibt es eine große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung.

MAZ: Wissen Sie schon, wie viele Flüchtlinge in den nächsten Tagen in der neuen Aufnahmeeinrichtung ankommen werden?

Gordon Teubert : Die genaue Kapazität ist uns noch nicht bekannt. Sie hängt auch von den Sanitäreinrichtungen in der neuen Erstaufnahmeeinrichtung ab. In jedem Fall, werden zunächst nur zwischen hundert und 300 Menschen aufgenommen werden können. Aber genaue Informationen liegen uns – bislang – noch nicht vor.

Wie überraschend ist diese neue Situation – die Einrichtung einer neuen Flüchtlingserstaufnahmestelle in Potsdam quasi über Nacht - für Sie gekommen?

Teubert : Es war eigentlich schon absehbar, dass weitere Standorte neben den beiden Erstaufnahmeeinrichtungen in Eisenhüttenstadt sowie in Doberlug-Kirchhain zur Verfügung gestellt werden müssen. Dass es jetzt Potsdam wird, ist relativ kurzfristig entschieden worden.

Wann genau?

Teubert : Ende letzter Woche.

Warum ist die Wahl auf die fünf Häuser am Standort Heinrich-Mann-Allee/Horstweg gefallen, wo bis vor kurzem das Sozialministerium seinen Sitz hatte?

Teubert : Die Objektauswahl wurde durch das Innenministerium getroffen. Wir sind durch das Land beauftragt worden, die Betreuung zu sichern. Aus unserer Sicht ist dieser Standort tatsächlich ideal, weil die Gebäude erst seit acht Wochen leer stehen. Dadurch sind die Rahmenbedingungen noch da: Wasser, Strom. Mittelfristig wird es auch Internet geben. So etwas ist sehr wichtig für unsere Arbeit und manchmal zu Anfang noch gar nicht gegeben. Insofern ist das ein Glücksfall für uns.

Wie hat man sich die Unterbringung in diesen Häusern vorzustellen, die ja noch bis vor kurzem nur als Büros genutzt wurden?

Teubert : Das DRK hat für die Notunterbringung von Flüchtlingen eigene Mindeststandards entwickelt, die trotz der Notlage eine halbwegs humanitär verträgliche Situation für die Menschen sicherstellen soll. Konkret heißt das für die Notunterbringung: ein Schlüssel von fünf Quadratmetern pro Flüchtling. In einem Raum mit 20 Quadratmeter können demnach maximal vier Flüchtlinge untergebracht werden. Die Betten, die aus der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt stammen, hat das Land zur Verfügung gestellt. Bei der Anzahl der notwendigen Dusch- und WC-Einrichtungen die das Land noch zusätzlich beschafft, gibt es ebenfalls Mindeststandards. Insgesamt bemüht sich der Kreisverband Potsdam/Zauch-Belzig derzeit intern, eine Struktur für die Betreuung aufzubauen.

Wie viele DRK-Mitarbeiter werden vor Ort sein?

Teubert : Erst einmal fünf bis zehn Helfer des DRK, um die Ausgabe des Materials vorzubereiten: Bettdecken, Kissen, Hygienesets mit Dingen wie Zahnputzbechern. Jedem Ankömmling wird sein Bett zugewiesen und sie werden registriert, da es sich ja um eine Erstaufnahmeeinrichtung handelt. Zusätzlich werden Mitarbeiter einer Catering-Firma die Verpflegung sicherstellen.

Wie lange soll die Erstaufnahmeeinrichtung in Potsdam bestehen bleiben?

Teubert : Das ist momentan auch noch offen, ob das ein längerfristiger oder ein kurzfristiger Standort ist. Diese Entscheidung ist Sache der Behörden. Wir wissen derzeit auch noch nicht, ob nur Alleinstehende oder auch Familien kommen werden. Wir gehen aber davon aus, dass es eine gemischte Unterbringung sein wird.

Viele der Menschen sind nach den Erlebnissen in ihren Herkunftsländern und der langen Fluchtreise traumatisiert. Stehen auch Therapeuten für die psychologische Erstversorgung zur Verfügung?

Teubert : Wir bemühen uns, schnellstmöglich eine soziale Betreuung vor Ort zu ermöglichen: Kinderbetreuung, aber auch einfach Freizeitbetreuung. Damit soll eine Tagesstruktur geschaffen werden. Die Idee ist auch, Deutschkurse anzubieten. Unsere Leute vom DRK sind auch immer ansprechbar für Probleme der Flüchtlinge.

Momentan ist die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ja sehr hoch. Wie werden diese Ehrenamtlichen eingebunden?

Teubert : Diese so genannten „ungebundenen Helfer“, die spontan kommen, bringen sehr viel Hilfsbereitschaft mit. Vor Ort wird mit diesen Menschen gesprochen, um mit ihnen gemeinsam eine Struktur zu etablieren. Sie werden bei der Materialausgabe, der Spendenkoordinierung oder bei der Sprachmittlung eingesetzt. Gerade die Sprachmittlung ist ein ganz wichtiger Punkt. Es ist sehr wichtig, wenn der eine oder andere gut Englisch spricht.

Wie gehen Sie als DRK-Team mit diesem starken Ansturm von hilfsbedürftigen Menschen emotional um?

Teubert : Das stellt natürlich eine große Herausforderung dar. Unsere Mitarbeiter versuchen, das zu bewältigen, aber die Belastung war während der vergangenen Wochen zugegebenermaßen sehr hoch.

Von Ildiko Röd

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