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Flüchtlingsheim: Rotes Kreuz räumt Fehler ein

Sexueller Missbrauch Flüchtlingsheim: Rotes Kreuz räumt Fehler ein

Seit Wochen gibt es Berichte über grobe Missstände in der Erstaufnahme Unterschleuse in Eisenhüttenstadt. Nun gelobt das Deutsche Rote Kreuz als Betreiber Besserung.

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Als die Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt provisorisch erweitert wurde, übernahm das DRK mit ehrenamtlichen Helfern den Notbetrieb.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Das brandenburgische Innenministerium hat schwere Missstände in einer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betriebenen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) bestätigt. „Es gab dort Mängel, die sich dort in den letzten Monaten erwiesen haben und wir dringen auf Abhilfe“, sagte Ministeriumssprecher Ingo Decker am Montag.

So habe es Fehler im Umgang bei einem Verdacht von Vergewaltigung und sexuellen Belästigungen von Frauen gegeben. Völlig unverständlich sei aber auch, dass die Sätze für die Verpflegung zwar erhöht worden seien, die Qualität des Essens aber zunächst nicht besser geworden sei. Nach Abmahnungen habe das DRK inzwischen nachgebessert, sagte Decker. „Man muss auch sagen, dass das DRK an anderen Orten Einrichtungen betreibt, wo es funktioniert.“

Rotes Kreuz: Auf Flut vorbereitet, nicht auf Flüchtlinge

Beim Roten Kreuz räumt man die Mängel ein, verweist aber auf die schwierige Zeit des Notbetriebs der Einrichtungen nach Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge im vergangenen Herbst. Tenor: Die ehrenamtlichen Helfer und Strukturen waren auf Katastrophenhilfe wie eine Flut ausgelegt, nicht aber auf die Unterbringung und Verpflegung Hunderter Flüchtlinge.

„Wir weisen darauf hin, dass wir die Einrichtungen von heute auf morgen in Betrieb nehmen mussten und den Betrieb in der Kürze der Zeit nur mit den dem DRK zur Verfügung stehenden ehrenamtlichen Strukturen aufnehmen konnten“, sagte Sprecherin Iris Möker. „Wir haben die Situation zum Zeitpunkt der Vorfälle selbstkritisch untersucht und Konsequenzen und weitere Handlungsempfehlungen abgeleitet.“

„Anlaufschwierigkeiten“

Auch nach Aufnahme des Regelbetriebs am Standort Unterschleuse habe es „Anlaufschwierigkeiten“ gegeben, erklärte das DRK. „Die meisten Punkte konnten bereits behoben werden und wir sind mit Hochdruck dabei, die anderen abzustellen.“ Allerdings sei es weiterhin schwierig, gerade im Raum Eisenhüttenstadt ausreichend qualifiziertes Personal zu finden.

In einem internen Prüfbericht räumt das DRK das eigene Versagen im Betrieb der Erstaufnahme und ihrer Außenstellen ein. So seien die ehrenamtlichen Helfer des DRK zum Teil nicht auf die Situation im Flüchtlingsheim vorbereitet gewesen und hätten keine entsprechende Schulung gehabt.

Kein professioneller Umgang

Es sei ein „Milieu des kameradschaftlichen Miteinanders in der Notunterkunft“ unter den Mitarbeitern des DRK entstanden, während die Maßstäbe des „professionellen Umgangs miteinander“ nicht eingehalten worden seien, zitiert die PNN aus dem Bericht. Die Folge: Das Alarmsystem bei sexueller Gewalt in der Unterkunft habe nicht funktioniert. Außerdem habe es zwischen dem Lagezentrum des Landesverband und den Einsatzleitern vor Ort keine klare Aufgabenverteilung gegeben.

Hintergrund: Eine Kenianerin war im Januar 2016 mutmaßlich von zwei Afghanen in der Erstaufnahme-Außenstelle „Unterschleuse“ vergewaltigt worden. Einer der Männer hat nach Auskunft von Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke ein Geständnis abgelegt, der andere hat teilweise Aussagen gemacht. Außerdem soll ein Dolmetscher des DRK seit Oktober mehrere Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben. Auch in diesem Fall soll die Leitung nicht gegen den übergriffigen Mitarbeiter eingeschritten sein.

Von Torsten Gellner und Klaus Peters

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