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Am Flughafen stehen die Zeichen auf Streik

Schönefeld Am Flughafen stehen die Zeichen auf Streik

Zweimal hat das Bodenpersonal an den Berliner Flughäfen bereits für kurze Zeit die Arbeit niedergelegt. Jetzt stehen die Zeichen erneut auf Streik. Dann wird es eine unbefristete Arbeitsniederlegung geben. Seit Dienstag läuft eine Urabstimmung. Bei der Gewerkschaft Verdi ist man optimistisch, dass es zum Streik kommt. Am Freitag wird das Ergebnis verkündet.

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So sah es beim letzten Warnstreik am Flughafen Schönefeld aus – ziemlich verlassen.

Quelle: dpa

Schönefeld. Am Dienstag hat die Urabstimmung zu einem möglichen unbefristeten Streik an den Berliner Flughäfen begonnen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ruft ihre Mitglieder unter den rund 2000 Beschäftigten in den Bodenverkehrsdiensten noch bis Donnerstag auf, über einen Ausstand zu entscheiden. Zuvor waren die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern der Bodenservices seitens Verdi für gescheitert erklärt worden.

Stillgelegt: Streiks an den Berliner Flughäfen

Im laufenden Tarifstreit kam es an den Flughäfen Schönefeld und Tegel in den letzten Wochen schon zweimal zu Warnstreiks.

So setzte das Bodenpersonal an den beiden Flughäfen am 8. Februar für sechs Stunden seine Arbeit aus. Von 5 bis 11 Uhr am Morgen ging nicht mehr viel. Insgesamt fielen 137 Flüge aus.

Nur acht Tage später folgte der nächste Warnstreik. Mehr als 200 Verbindungen mussten gestrichen werden, als die Bodencrews ihre Arbeit am Nachmittag des 16. Februars niederlegten.

Am Freitag wird bekanntgegeben, ob es an den Berliner Airports zu unbefristeten Streiks kommen wird. Die Fluglinien haben dann tagesaktuell Hinweise für ihre Reisenden.

Dabei stehen die Zeichen in der Urabstimmung auf Streik. Die Stimmen von 75 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder sind erforderlich, damit es einen Streik geben kann. „Wenn wir die Stimmung in der Belegschaft richtig deuten, werden wir ein eindeutiges Ergebnis erhalten“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Enrico Rümker. Die Dienstleistungsgewerkschaft habe einen großen Rückhalt unter den Beschäftigten. Die Beteiligung an der Wahl ist entsprechend hoch. Verdi rechnet damit, dass fast alle Mitglieder ihre Stimme abgeben werden. „Nach zwei Stunden hatten schon zehn Prozent der Mitglieder gewählt“, sagt Rümker.

Wahlbüro am Mittwoch bis in den späten Abend geöffnet

Um möglichst vielen Flughafenmitarbeitern die Stimmabgabe zu ermöglichen, wird das Schönefelder Wahlbüro am Mittwoch bis in den späten Abend geöffnet. „Die Nachtschicht soll nicht anreisen müssen“, sagt Angela Lawerentz. Sie ist eine der ehrenamtlichen Wahlbetreuerinnen, sitzt selbst in der Tarifkommission. Am Morgen hat Lawerentz als erste Gewerkschafterin am Flughafen Schönefeld abgestimmt. „Wir müssen die Arbeitsbedingungen verbessern“, sagt die Angestellte im Bereich Weight and Balance, „das Gehaltsgefüge passt einfach nicht.“ Sie ist überzeugt: „Alles deutet auf einen Streik.“

Dilan Edes ist eine von rund 2000 Beschäftigten im Bodenverkehrsservice

Dilan Edes ist eine von rund 2000 Beschäftigten im Bodenverkehrsservice. Sie hat abgestimmt.

Quelle: Saskia Kirf

„Unser Ziel ist nicht ein unbefristeter Streik auf den Berliner Flughäfen, sondern eine faire Lösung am Verhandlungstisch“, sagt Enrico Rümker. Die Arbeitgeber seien am Zug, um mit einem geeigneten Angebot weitere Verhandlungen und letztlich eine Lösung des Tarifkonfliktes zu ermöglichen. Verdi fordert für die rund 2000 Beschäftigten des Bodenservices einen Euro mehr in der Stunde. Die Arbeitgeberseite bezeichnet die Forderung als „irrational und von den Unternehmen nicht leistbar“.

Einstiegsgehalt bei 10,30 Euro pro Stunde

Nach Angaben der Arbeitgeber werden an den Flughafen-Standorten in Berlin und Brandenburg bereits mit die höchsten Löhne bei den Bodenverkehrsdiensten deutschlandweit gezahlt. Das Einstiegsgehalt liege bei 10,30 Euro pro Stunde. In der jüngsten gescheiterten Tarifverhandlung wurde eine schrittweise Erhöhung der Löhne angeboten, wobei eine Mitarbeitergruppe besonders profitiert hätte. Bei ihr sollte der Stundenlohn um 1,20 Euro binnen vier Jahren erhöht werden.

Sechs Firmen werden vom 2013 erarbeiteten Tarifvertrag erfasst. Ihr Vorwurf lautet, Verdi wolle mit dem Abbruch der Verhandlungen und dem Streik die Situation an den Berliner Flughäfen als Druckmittel für die bundesweiten Verhandlungen ausnutzen. „Wir wollen natürlich einen Bundestarifvertrag machen“, sagt Verdi-Bundestarifsekretärin Katharina Wesenick. „Die Airlines müssen begreifen, dass sie nicht mehr auf dem Rücken der Beschäftigten Preisvorteile erschleichen können.“ Ein Ausnutzen der Situation bestreitet Wesenick. „Das ist, salopp gesagt, vollkommener Quatsch. Wir müssen hier zwei verschiedene Ebenen betrachten, die konkreten Verhandlungen in Berlin und eventuell künftige im Bund.“ Manche Streitpunkte seien nur bundesweit zu regeln, darunter Qualifikationen und Personaleinsatz. Sonst entstünde Wettbewerbsverzerrung. Derzeit seien jedoch die Belange der Berliner Mitglieder ganz oben auf der Gewerkschafts-Agenda. „Das Bodenpersonal der Berliner Flughäfen muss von seinem Lohn leben können“, sagt Wesenick.

Das Verdi-Wahlbüro im Schönefelder Terminal A liegt gleich neben der Besucherterrasse. Die Gewerkschafter haben einen guten Blick auf die startenden Flugzeuge, während sie darüber befinden, wie es an den Berliner Flughäfen weitergeht. Am Freitag will die Gewerkschaft das Ergebnis der Urabstimmung bekanntgeben.

Von Saskia Kirf

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