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Flughafen BER Schönefeld ist auf Stromausfall vorbereitet
Brandenburg Flughafen BER Schönefeld ist auf Stromausfall vorbereitet
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00:21 16.06.2018
Die Energiezentrale Ost am künftigen BER in Schönefeld. Quelle: Josefine Sack
Schönefeld

Gut zwei Wochen ist es her, da ging am Hamburger Flughafen nichts mehr. Die Lichter fielen aus und die Check-in-Schalter. Geschäfte und Sicherheitsschleusen mussten schließen. Schließlich der gesamte Airport. Der Stromausfall durchkreuzte die Pläne vieler Urlauber. 30.000 Passagiere waren von Flugausfällen betroffen. Ein defektes Kabel hatte den Kurzschluss ausgelöst.

Wie gut ist Schönefeld vorbereitet?

Am Flughafen in Schönefeld drängeln sich täglich an die 35.000 Passagiere. Undenkbar, was passiert, wenn bei der Abfertigung der Strom ausfällt. Wie gut ist der Airport für einen Blackout gewappnet? Und woher stammt die Energie für den neuen Hauptstadtflughafen? Eine Spurensuche am BER.

Am Flughafen Schönefeld drängeln sich täglich 35.000 Passagiere. Wie gut ist der Flughafen bei einem Stromausfall gewappnet? Zu Besuch im Herzstück des Airports.

Von außen ist dem dunklen Quader nicht anzusehen, dass er das Herzstück des Flughafens ist. Die Maschinenhalle in der Hugo-Eckner-Allee befindet sich in der Nähe der Flughafenfeuerwehr-Wache Ost. Sie ist der Motor des künftigen Hauptstadtflughafens. Schon jetzt versorgt die Energiezentrale Ost – so die Bezeichnung für das von der Edis-Tochter Eon edis Contracting betriebene Kraftwerk – nicht nur den Alt-Airport. Auch sämtliche Gebäude am BER, darunter das nicht fertiggestellte Fluggastterminal, beziehen von dort bereits Strom, Fernwärme und Kälte.

BER-Terminal wird auch im Winter geheizt

„Das BER-Terminal muss im Winter frostfrei gehalten werden“, erläutert Wilfried Pester, Eon edis-Geschäftsführer in Schönefeld. Und auch im Sommer stellt die Energiezentrale die Versorgung nicht einfach ab. Die Arbeiten im Problemterminal müssen weitergehen. Damit die Handwerker nicht ins Schwitzen kommen, läuft die Klimaanlage.

Seit 2011 ist die Energiezentrale in Betrieb. Zwar verfügt der BER über ein Umspannwerk, das ähnlich wie ein Stadtwerk funktioniert, es deckt beim Strombedarf aber vorrangig die Lastspitzen ab.

Nach Blackout in Hamburg: Wie gut ist Schönefeld vorbereitet?

Ein Totalausfall ist unwahrscheinlich. Dennoch ist man in Schönefeld gut auf Stromausfälle vorbereitet.

Für den Alt-Airport und den BER stehen zwei Netzersatzanlagen zur Versorgung mit Notstrom bereit. Der BER verfügt über sechs, Schönefeld über zwei stationäre Notstromerzeuger.

Sollte es im Falle eines Stromausfalls zu Flugstreichungen kommen, kümmern sich die Airlines um die Unterbringung der Fluggäste. Falls doch Passagiere im Terminal übernachten müssen, hält der Flughafen 150 Feldbetten bereit. Zusätzlich steht ein Airport Care Team aus 80 Mitarbeitern zur Verfügung.

Insgesamt betreibt die Eon edis am Flughafen drei Kraftwerke. Das Heizhaus am Westgate versorgt die Feuerwehrwache West sowie die dortigen Hangars. Auch das alte Heizkraftwerk des Bestandsflughafens Schönefeld weiter nördlich, das das Energieunternehmen 2010 übernommen hat, ist noch in Betrieb. Die mit Öltanks betriebene Anlage dient als Reserve. Den Großteil der Versorgung übernimmt die Energiezentrale Ost.

Kernstück auf dem circa 17.000 Quadratmeter großen Gelände sind die vier Blockheizkraftwerke, die zusammen eine Leistung von bis zu 8000 Kilowatt erzeugen. „Das ist die gleiche Menge, mit denen man rund 1000 Wasserkocher betreiben könnte“, rechnet Ingenieur Pester vor. Die Leistung entspricht gut einem Drittel des maximalen Energiebedarfs am BER. 25.000 Kilowatt sind laut Wilfried Pester nötig, um den Großflughafen ausreichend mit Energie zu versorgen.

Energiezentrale arbeitet mit Kraft-Wärme-Kopplung

Bei den Blockheizkraftwerken (BHKW) handelt es sich um modular aufgebaute Anlagen zur Gewinnung elektrischer Energie und Wärme. Als Antrieb dient ein Verbrennungsmotor, der aus Erdgas Strom erzeugt. Die Anlage arbeitet aus ökologischer Sicht besonders nachhaltig, weil für das Verfahren das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung genutzt wird. Die bei der Stromerzeugung entstandene Wärme kann gespeichert und anschließend direkt dem Fernwärmenetz zugeführt werden.

„Die Anlagen gehören zu den effizientesten dieser Art in Deutschland“, sagt Pester. Das gilt auch für den 14 Meter hohen Kältespeicher, der mit 18 Metern Durchmesser ein Wasservolumen von 3500 Kubikmetern aufnimmt. Das entspricht einem Fassungsvermögen von sieben Schwimmbecken einer durchschnittlichen Schwimmhalle. Der Kältespeicher am BER gehört zu den drei größten in Deutschland. Damit nicht genug der Superlative: Insgesamt können die Anlagen 19.000 Kilowatt Kälte und 30.000 Kilowatt Wärme erzeugen.

Geschäftsführer Wilfried Pester (l.) und Schicht-Koordinator Stefan Schulze in der Maschinenhalle. Quelle: Josefine Sack

Die Energiezentrale ist rund um die Uhr besetzt. Zehn Mitarbeiter und zwei Auszubildende arbeiten im Drei-Schicht-System. Von der Leitwarte aus haben sie nicht nur die Anlagen, sondern vor allem das Wetter im Blick, sagt Schicht-Koordinator Stefan Schulze. Je nach Wetterlage entscheiden die Energieelektroniker, wie viele BHKW betrieben werden müssen. „An heißen Tagen geht der Bedarf an Fernwärme zurück, dafür steigt die Kälteleistung für den Flughafen“, erläutert Schulze. Gekühlt werden müssen etwa das Rechenzentrum und die Gepäckbänder. Im Sommer laufen die Klimaanlagen in den Abfertigungshallen auf Hochtouren.

Bei einem Totalausfall greift die Notstromzentrale

Doch was, wenn die Systeme versagen? Sollte es trotz aller Vorkehrungen zu einem Stromausfall kommen, kann dieser durch eine Notstromzentrale kompensiert werden. „Dieser Fall ist aber so noch nicht eingetreten“, sagt Geschäftsführer Pester. Bei einem Blackout werden die Generatoren innerhalb von 15 Sekunden hinzugeschaltet. Falls nötig, sichern sie über mehrere Tage hinweg den Betrieb aller sicherheitsrelevanten Systeme. Dazu zählen etwa das Notlicht, die Sprinkleranlagen und auch die Entrauchungsanlage im künftigen Terminal.

Von Josefine Sack

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