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Brandenburg Flusssäure-Gefahr auf A 10 erst spät bemerkt
Brandenburg Flusssäure-Gefahr auf A 10 erst spät bemerkt
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13:17 28.04.2016
Ätzende Flüssigkeiten liefen auf die Fahrbahn. Quelle: Julian Stähle
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Michendorf


Der Brand eines mit Chemikalien beladenen Lastwagens auf der A 10 am Dreieck Nuthetal am Dienstag war viel gefährlicher und folgenreicher als zunächst angenommen. So sind bis zu 300 Kilogramm der hoch giftigen Flusssäure bei dem Brand entstanden, außerdem traten Schwefelsäure und Ammoniak aus. Vier Mitarbeiter der Rettungsdienste sind nach Angaben des Landkreises Potsdam-Mittelmark verletzt worden. Sie klagten über Hautrötungen, Kreislaufschwäche und Brechreiz, haben sich aber mittlerweile erholt. 90 Retter mussten auf Anordnung eines Notfallarztes in Krankenhäuser in Ludwigsfelde, Treuenbrietzen, Brandenburg an der Havel und Potsdam zur Untersuchung. Sie wurden mit Salzlauge dekontaminiert.

Viele Einsatzkräfte waren zunächst wenig geschützt

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde der Einsatz erst eine halbe Stunde nach Ausbruch des Feuers als äußerst kritischer Gefahrgutunfall eingestuft. Zwei Stunden vergingen, bis klar war, dass die potenziell tödliche Flusssäure im Spiel war. Der Grund: Die Ladepapiere waren im Führerhaus verbrannt, die Gefahrgutzeichen am Fahrzeug ließen sich nicht mehr erkennen. Erst ein Fax des Transportauftrags seitens des polnischen Speditionsunternehmens brachte Klarheit. Da waren bereits Feuerwehrleute ohne spezielle Schutzausrüstung, Polizisten, Journalisten und die Insassen der im Stau stehenden Fahrzeuge dem beißenden Rauch ausgesetzt gewesen. Ein Chemieexperte traf erst um 17 Uhr an der Unfallstelle ein – vier Stunden, nachdem der Lastwagen umgestürzt war. Am Abend erfuhren die am Einsatz beteiligten Polizisten nach MAZ-Informationen, dass ihre Feuerwehr-Kollegen ins Krankenhaus geschickt worden waren – dann erst ging auch an die Polizisten die Order, beim Arzt vorstellig zu werden. Die Öffentlichkeit wurde nicht gewarnt.

Reifenplatzer soll Ursache für Unglück sein

Ein Reifenplatzer hat laut Polizei den Unfall vermutlich verursacht. Die A 10 blieb in Fahrtrichtung Westen bis zum Donnerstag gesperrt, über die Öffnung einzelner Fahrspuren Richtung Berlin sollte am Mittwochabend entschieden werden. Die Fahrbahn muss, so hieß es aus dem Landkreis, vermutlich abgefräst werden. Die Oberfläche sei durch die Hitze und möglicherweise durch ausgelaufene Chemikalien in Mitleidenschaft gezogen worden. Seit 2013 zählte die Polizeidirektion West 14 Gefahrgutunfälle mit fünf Verletzten und einem Toten.

Von Ulrich Wangemann

Alexander Trenn ist der Chemie-Experte der Brandenburger Landesfeuerwehr. Auch beim brennenden Gefahrguttransporter auf der A 10 war der 40-Jährige im Einsatz. Mit der MAZ sprach Trenn über die Lage vor Ort, die Gefahren und die Auswirkungen.

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