Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° heiter

Navigation:
Flusssäure-Gefahr auf A 10 erst spät bemerkt

Chemie-Unfall auf Berliner Ring Flusssäure-Gefahr auf A 10 erst spät bemerkt

Dass Flusssäure tödlich sein kann, ist bekannt, aber mit welchem Teufelszeug es die Feuerwehrleute, Polizisten und im Stau wartenden Autofahrer am Dienstag beim Lkw-Brand auf der A10 genau zu tun hatten, wussten sie erst spät – das hatte Folgen.

Nuthetal 52.3236954 13.1410803
Google Map of 52.3236954,13.1410803
Nuthetal Mehr Infos
Nächster Artikel
A10: Verkehr rollt in Richtung Frankfurt (Oder)

Ätzende Flüssigkeiten liefen auf die Fahrbahn.

Quelle: Julian Stähle

Michendorf.
Der Brand eines mit Chemikalien beladenen Lastwagens auf der A 10 am Dreieck Nuthetal am Dienstag war viel gefährlicher und folgenreicher als zunächst angenommen. So sind bis zu 300 Kilogramm der hoch giftigen Flusssäure bei dem Brand entstanden, außerdem traten Schwefelsäure und Ammoniak aus. Vier Mitarbeiter der Rettungsdienste sind nach Angaben des Landkreises Potsdam-Mittelmark verletzt worden. Sie klagten über Hautrötungen, Kreislaufschwäche und Brechreiz, haben sich aber mittlerweile erholt. 90 Retter mussten auf Anordnung eines Notfallarztes in Krankenhäuser in Ludwigsfelde, Treuenbrietzen, Brandenburg an der Havel und Potsdam zur Untersuchung. Sie wurden mit Salzlauge dekontaminiert.

Viele Einsatzkräfte waren zunächst wenig geschützt

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde der Einsatz erst eine halbe Stunde nach Ausbruch des Feuers als äußerst kritischer Gefahrgutunfall eingestuft. Zwei Stunden vergingen, bis klar war, dass die potenziell tödliche Flusssäure im Spiel war. Der Grund: Die Ladepapiere waren im Führerhaus verbrannt, die Gefahrgutzeichen am Fahrzeug ließen sich nicht mehr erkennen. Erst ein Fax des Transportauftrags seitens des polnischen Speditionsunternehmens brachte Klarheit. Da waren bereits Feuerwehrleute ohne spezielle Schutzausrüstung, Polizisten, Journalisten und die Insassen der im Stau stehenden Fahrzeuge dem beißenden Rauch ausgesetzt gewesen. Ein Chemieexperte traf erst um 17 Uhr an der Unfallstelle ein – vier Stunden, nachdem der Lastwagen umgestürzt war. Am Abend erfuhren die am Einsatz beteiligten Polizisten nach MAZ-Informationen, dass ihre Feuerwehr-Kollegen ins Krankenhaus geschickt worden waren – dann erst ging auch an die Polizisten die Order, beim Arzt vorstellig zu werden. Die Öffentlichkeit wurde nicht gewarnt.

Reifenplatzer soll Ursache für Unglück sein

Ein Reifenplatzer hat laut Polizei den Unfall vermutlich verursacht. Die A 10 blieb in Fahrtrichtung Westen bis zum Donnerstag gesperrt, über die Öffnung einzelner Fahrspuren Richtung Berlin sollte am Mittwochabend entschieden werden. Die Fahrbahn muss, so hieß es aus dem Landkreis, vermutlich abgefräst werden. Die Oberfläche sei durch die Hitze und möglicherweise durch ausgelaufene Chemikalien in Mitleidenschaft gezogen worden. Seit 2013 zählte die Polizeidirektion West 14 Gefahrgutunfälle mit fünf Verletzten und einem Toten.

Von Ulrich Wangemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg