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Brandenburg Flut vertreibt Touristen
Brandenburg Flut vertreibt Touristen
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19:26 16.06.2013
Das malerische Bälow (Prignitz) wartet auf Touristen. Quelle: Andreas König
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Potsdam/Wittenberge/Perleberg

Nach dem Elbe-Hochwasser in Wittenberge (Prignitz) droht nun die große Ebbe in den Kassen von Hotels und Gasthöfen. Touristen haben die Bilder vom Hochwasser offenbar abgeschreckt. „Wir haben massive Absagen”, sagte Katharina Zimmermann vom Tourismusverband Prignitz in Perleburg. Im vergangenen Jahr kamen rund 300.000 Besucher, viele von ihnen aus Berlin. 120.000 Übernachtungen zählte der Verband. Ob es in diesem Jahr wieder so viele werden, sei fraglich - zumal schon der lange Winter den Beginn der Saison verschoben hat.

„Wenn es so bleibt, wäre das gerade für die kleinen Familienbetriebe eine Katastrophe”, sagte Zimmermann. „Die Leute haben Angst.” Doch für Touristen bestehe keine Gefahr. „Bei uns waren nur ganz kleine Bereiche rund um Wittenberg betroffen.” Niemand müsse sich Sorgen machen, als „Hochwassertourist” beschimpft zu werden. Die Besucher könnten vielmehr damit rechnen, freudig aufgenommen zu werden. Zimmermann: „Hier geht die große Angst um, dass die Touristen weg bleiben.”

Einen Besucher hat die Prignitz sicher: Am Sonntag reist Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erneut in die Hochwasserregion. In Lenzen und Wittenberge will er sich über die Situation an der Elbe informieren, wie der Katastrophenstab mitteilte.

Derweil entspannt sich die Hochwasserlage langsam. Der Pegelstand in Wittenberge erreichte am Sonntagmorgen einen Wert von 6,91 Metern. Beim historischen Höchststand vor einer Woche lag der Wert bei 7,85 Metern. Es werde aber voraussichtlich noch bis Dienstag dauern, bis der Wasserstand unter den Grenzwert der höchsten Alarmstufe 4 von 6,70 Metern sinke, teilte das Krisenmanagement mit.

„Die Lage ist stabil und ruhig, aber das Thema Hochwasser ist noch lange nicht durch”, sagte Wolfgang Brandt vom Koordinierungszentrum Krisenmanagement in Potsdam. Für die Prignitz gilt weiter Katastrophenalarm. Die Bewohner der vor einer Woche freiwillig evakuierten Altstadt von Wittenberge konnten aber am Freitag in ihre Wohnungen zurückkehren. Das Leben normalisiert sich, viele Geschäfte haben auch am Sonntag geöffnet, um die Versorgung sicherzustellen.

In der Prignitz treiben angesichts der Überschwemmungen vermehrt tote Tiere im Wasser. Nach Aussage der Amtstierärztin besteht derzeit jedoch keine Seuchengefahr. Die Situation wird beobachtet, wie der Landkreis mitteilte.

Von den Wassermassen, die durch den Elbdeichbruch bei Fischbeck (Landkreis Stendal/Sachsen-Anhalt) immer noch in die rechtselbischen Niederungen strömen, geht am Wochenende keine akute Gefahr mehr für das etwas höher gelegene westliche Havelland aus. Deshalb hob Landrat Burkhard Schröder (SPD) den Katastrophenalarm am Sonnabend wieder auf. Er war am vergangenen Sonntag ausgerufen worden. Dennoch bleibe die Lage angespannt, hieß es in der Kreisverwaltung.

Landesweit sind noch immer mehr als 1700 Einsatzkräfte der Feuerwehren, Bundeswehr sowie von Hilfsorganisationen, Bundes- und Landespolizei und freiwillige Helfer bei der Hochwasserabwehr im Einsatz. Allein 1200 von ihnen seien in der Prignitz an Elbe und Havel tätig, hieß es. Nach Angaben des Bauernverbandes stehen bislang etwa 35.000 Hektar Land in Brandenburg unter Wasser oder sind von der Flut betroffen.

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Rund um Wittenberge in der Prignitz ist die Hochwasserlage nach wie vor kritisch. Das Wasser drückt enorm auf die Deiche. In Breese, einem Dorf bei Wittenberge, sind Straßen bereits überflutet. Am Mittwoch hat sich Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke ein Bild von der Lage.

 Zittern in Sachsen-Anhalt

Während die Stadt Havelberg nach dem Deichbruch bei Fischbeck relativ sicher ist, sieht es im Havelberger Umland dramatisch aus. Die Dörfer Jederitz und Kuhlhausen mussten evakuiert werden. Eine Bahnlinie steht unter Wasser, und auch die B 107 ist an vielen Stellen geflutet, wie der Landkreis Prignitz nach der Sitzung des Krisenstabes am Sonnabend mitteilte. Die Prignitz leistet seit Tagen Nachbarschaftshilfe und schickt Material und Einsatzkräfte in die Region.

Mit einer einzigartigen Aktion haben Einsatzkräfte das Hochwasser der Elbe eingedämmt. Vor dem gebrochenen Deich bei Fischbeck versenkten sie am Wochenende drei Schiffe, um das Loch zu schließen. Bereits am Samstag wurden dazu zwei Lastkähne an der Bruchstelle gesprengt. Ein drittes Schiff bugsierten die Experten am Sonntag vor die verbliebene etwa 20 Meter lange Lücke und versenkten es dort, wie der Krisenstab der Landesregierung in Magdeburg mitteilte. Hubschrauber warfen Sandsäcke auf die Barriere, um das Leck endgültig zu stopfen. dpa/red

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