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Forscher raten zu mäßigem Fleischkonsum

Krebserreger Wurst Forscher raten zu mäßigem Fleischkonsum

Verarbeitetes Fleisch gilt neuerdings als krebserregend – nach Auswertung zahlreicher Studien erklärt die Weltgesundheitsorganisation auch rotes Fleisch zumindest als bedenklich. Die Verbraucher sind verunsichert, die Industrie fürchtet um ihre Umsätze. Dabei gilt: Wer Fleischwaren in Maßen genießt, muss sich keine großen Sorgen machen.

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Bedenkliche Kost: Wer zu viel verarbeitetes Fleisch verzehrt, hat laut wissenschaftlicher Studien ein erhöhtes Krebsrisiko.

Quelle: dpa

Potsdam. Jetzt geht es also auch noch um die Wurst: Unter den Verbrauchern herrscht Verunsicherung, nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO verarbeitetes Fleisch wie Schinken und Salami als krebserregend eingestuft hat – und damit in eine Reihe mit Giftstoffen wie Alkohol, Zigarettenqualm und Asbest stellt. Potsdamer Experten geben jedoch eingeschränkt Entwarnung. „Ich rate zu einem moderaten Fleischverzehr“, sagt Professor Heiner Boeing, Leiter der Abteilung Epidemiologie beim Deutschen Institut für Ernährungsforschung (Dife) in Potsdam-Rehbrücke.

Dife-Wissenschaftler haben in Langzeituntersuchungen einen Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Krebsrisiko nachgewiesen. „Bei einem Durchschnittsverzehr von 50 Gramm weniger pro Tag verringert sich das Darmkrebsrisiko um 20 Prozent“, sagt Boeing, der Alkoholkonsum, mangelnde körperliche Aktivität und Übergewicht als weitere Risikofaktoren nennt. Dementgegen minderten Obst, Gemüse und ballaststoffreiche Getreideprodukte die Gefahr einer Erkrankung.

Grundlage ist eine Dauerstudie mit 27 500 Männern und Frauen aus Potsdam und Umgebung, die seit 1994 läuft. Die Ergebnisse aus Brandenburg waren Teil der Auswertung internationaler Studien, auf denen das WHO-Urteil fußt. Demnach ist auch unbearbeitetes rotes Fleisch als „wahrscheinlich“ krebserregend bedenklich.

In Deutschland essen Männer durchschnittlich 156 Gramm Fleisch pro Tag, Frauen 84 Gramm. Ratsam wären laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) 300 bis 600 Gramm pro Woche. Dife-Forscher Boeing zufolge ist Fleisch allerdings auch ein wichtiger Lieferant von Eisen, Vitaminen und Eiweißen.

Die WHO-Warnung ist bei Wurst- und Fleischherstellern auf harte Kritik gestoßen. Der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie und der Deutsche Fleischer-Verband monieren, dass komplexe Einflussfaktoren wie persönliche Lebensweise, erbliche Vorbelastungen und Umwelteinflüsse vernachlässigt würden.

In Brandenburgs Landwirtschaftsministerium hält man eine Eindämmung von Angebot und Nachfrage an Fleisch, wie es etwa das Aktionsbündnis Agrarwende fordert, nicht für nötig. Eine Ministeriumssprecherin erklärte aber, die aktuellen Studien auswerten zu wollen, um sich ein umfassendes Bild zu machen.

Von Bastian Pauly

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