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Brandenburg Forscher verblüfft: Lilienthals Flieger besteht Test
Brandenburg Forscher verblüfft: Lilienthals Flieger besteht Test
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18:45 01.06.2016
Der nachgebaute Lilienthal-Gleiter beim erfolgreichen Test im Windkanal im niederländischen Marknesse. : Quelle: DLR
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Schönefeld

Ein perfekter Nachbau des sogenannten Normalsegelapparates, mit dem der Flugpionier Otto Lilienthal vor 125 Jahren durch die märkischen Lüfte geglittenen ist, wird bis Sonnabend auf der Flugschau ILA in Schönefeld (Dahme-Spreewald) noch für viel Aufsehen sorgen. Die eigentliche Sensation ist aber der bestandene wissenschaftliche Härtetest: Das Göttinger Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik (IAS) des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) hat zum 125. Jubiläum des ersten Segelflugs nachgewiesen: Das Pioniergerät ist höchst flugtauglich.

Der Leiter des Otto-Lilienthal-Museums in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern), Bernd Lukasch, zeigt die Reproduktion. Quelle: dpa-Zentralbild

Die Ergebnisse werden am Donnerstag auf der ILA vorgestellt. Die Crew um den Ingenieur Andreas Dillmann bewies im deutsch-niederländischen Windkanal im holländischen Emmeloord, dass Lilienthals Apparat die Grundvoraussetzung eines richtigen Seglers erfüllte: Er war eigenstabil.

„Der Gleiter hat Windgeschwindigkeiten bis 36 Kilometern pro Stunde standgehalten und Datensätze geliefert, die Lehrbuchcharakter haben“, lobt Dillmann, Leiter des DLR-Instituts die Ingenieurskunst des in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) geborenen, aber vor allem in Brandenburg experimentierenden Luftfahrtpioniers. „Die Flugeigenschaften gleichen denen eines typischen Schul-Jahre, Konstruktionen, die Jahrzehnte nach Lilienthal flogen.“

Böen konnten ihm nichts anhaben

Die von Dillmann anlässlich des Jubiläums nun auch gegen Zweifel bewiesene Eigenstabilität des Gleiters ist grob gesprochen die Fähigkeit eines Flugapparates, atmosphärischen Störungen ausgleichende Kräfte entgegensetzen zu können. Solche Flugzeuge werden dann nicht von jeder Bö aus der Bahn geworfen oder gar zum Absturz gebracht. Lilienthals Normalsegelapparat konnte solche Störungen auffangen. Gesteuert wurde er durch Gewichtsverlagerung des Fliegers selbst. Um ihm diese Stabilität zu verleihen, musste Otto Lilienthal zusammen mit seinem Bruder Gustav komplizierte aerodynamische Berechnungen anstellen.

Das Modell des historischen Lilienthal-Gleiters ist auch auf der ILA zu sehen. Quelle: dpa-Zentralbild

Aufwändiger Nachbau

„Er hat sogar einen eigenen Windmesser gebaut und konnte so den Luftwiderstand berechnen“, erläutert dazu der stellvertretende Leiter des Otto-Lilienthal-Museums in Anklam, Peer Wittig, der zusammen mit seinem Chef Bernd Lukasch für den Nachbau des sogar in Serienproduktion gegangenen Apparates verantwortlich ist. Für diesen Nachbau wurde diesmal einiger Aufwand betrieben. So wurde zum Beispiel das von Lilienthal damals verwendete Leinen-Baumwollgewebe für die Tragflächen eigens nachgewebt, um die aerodynamischen Eigenschaften des Apparates zu kopieren. „Das war ganz schön teuer“, so Wittig.

Forscher sind Feuer und Flamme

Wittig und Lukasch sind nach den DLR-Ergebnissen Feuer und Flamme . „Es war für uns eine Stunde der Wahrheit“, sagt Wittig. Bei „normalen“ Nachbauten, über die das Museum zur Genüge verfügt, könne man ein bisschen schummeln. Dieses Mal ging es aber zum ersten Mal um die Funktion des Apparates. „Das war schon ein Kribbeln, weil man sich fragt, was passiert, wenn man es dem Wind aussetzt.“ Jetzt sei bewiesen, wie gut durchdacht Lilienthal seine Arbeit hatte. Die Aerodynamik habe er viel besser im Blick gehabt, als die Gebrüder Wright, die seine Versuche mit großem Interesse verfolgten.

Warum aber ist Otto Lilienthal dann am 9. August 1896 bei Stölln am Gollenberg im Havelland mit seinem perfekten Gleiter abgestürzt? Ihm wurde die Thermik zum Verhängnis. Dass starker Sonnenschein plötzlich vom Boden aufsteigende Luftblasen erzeugt und diese einen stabilen Flieger ins Trudeln bringen können, wusste Lilienthal nicht. Die komplexen Gesetze der Thermik wurden erst später richtig verstanden. Strömungsexperte Dillmann jedoch weiß: „Das Wetter an jenem Tag war Gift für den Gleiter.“

Von Rüdiger Braun

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