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Brandenburg Forstbetrieb warnt: Wälder nicht betreten!
Brandenburg Forstbetrieb warnt: Wälder nicht betreten!
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17:27 07.10.2017
Dieser Notarztwagen wurde in Nauen (Havelland) von einem Baum getroffen. Zum Glück wurde niemand verletzt. Quelle: fotoS: julian Stähle
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Potsdam/Berlin

Das große Aufräumen nach Sturmtief Xavier hat begonnen – aber die Gefahr ist noch nicht überall gebannt. Ein Überblick über die Lage:

Waldschäden: Brandenburgs Forstministerium warnt, das Betreten der Wälder sei nach dem Sturm weiterhin lebensgefährlich. „Der Boden ist vom vielen Niederschlag aufgeweicht und es muss damit gerechnet werden, dass weiterhin Bäume umstürzen und abgebrochene Äste von den Bäumen fallen“, sagte der Sprecher des Umweltministeriums, Jens-Uwe Schade. Der Landesbetrieb Forst appelliert an die Bürger, „dass sie in den nächsten Tagen den Wald und vor allem abgesperrte Bereiche zum eigenen Schutz meiden

Im ganzen Land entwurzelte Bäume, hunderte zerstörte Autos, viele beschädigte Straßen und Wege: Sturmtief „Xavier“ hat am 5. Oktober auch in Brandenburg gewütet. Wir zeigen die Bilder der Verwüstung.

Schulfrei – nicht überall: Die Schulen Brandenburgs gingen ganz unterschiedlich mit dem Orkan „Xavier“ um. Während zum Beispiel die Voltaireschule in Potsdam nach 12.30 Uhr ihre gut 800 Schüler nach Hause schickte, tat das die Potsdamer Gerhart-Hauptmann-Grundschule nicht. „Bei uns war das nicht nötig, weil unsere Schüler nicht auf Bahnen oder Busse angewiesen sind“, sagt Rektorin Sabine Röding-Kanwischer. Auch die Informationspolitik wird unterschiedlich gehandhabt. Das führte am Donnerstagnachtmittag zu sehr unterschiedlichen Wahrnehmungen, ob in Brandenburg wegen des Orkans nun der Unterricht ausfalle oder nicht. Wie Schulen auf extreme Wetterlagen reagieren sollen, regeln die Verwaltungsvorschriften für den Schulbetrieb. „Grundsatz ist: Die Schulleiter vor Ort entscheiden selbst“, sagt der Sprecher des Bildungsministeriums, Ralph Kotsch. Wie viele Schulen am Donnerstag den Unterricht tatsächlich vorzeitig beendet haben, konnte das Bildungsministerium nicht sagen.

Wasserwerk im Notfallmodus: Mit 600 Einsatzkräften unterstützte das Technische Hilfswerk (THW) in Norddeutschland den Katastropheneinsatz. So versorgten die Ehrenamtlichen in Brandenburg das Wasserwerk in Wusterhausen/Dosse (Ostprignitz-Ruppin) mit Notstrom. Dort streikten die Pumpen ab Donnerstagnachmittag. Nach Angaben des Ordnungsamts waren 2000 Bürger längere Zeit ohne Trinkwasserversorgung – die letzten Haushalte sollten am Freitagmittag wieder angeschlossen worden sein.

Wild auf den Straßen: Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) warnte wegen niedergerissener Rückhaltezäune entlang der Autobahnen, Rehe und anderes Wild könnten ungehindert auf die Fahrbahnen laufen. Mit Straßensperrungen aus Sicherheitsgründen sei auch am Wochenende zu rechnen.

Verwüstete Parks und Gärten: Wegen Schäden durch Sturmtief „Xavier“ bleiben die Schlossgärten in Berlin und Brandenburg bis mindestens Montag geschlossen. Es gebe „erhebliche Schäden“, sagte ein Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten am Freitag. Es werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis die Verkehrssicherheit wieder gegeben sei, hieß es.Allerdings konnten in Potsdam einige Schlösser wie Sanssouci, das Neue Palais und Schloss Babelsberg oder in Berlin das Schloss Charlottenburg wieder öffnen. Im Wildpark Schorfheide (Kreis Barnim) nördlich von Berlin mussten dagegen die geplante Wolfsnacht und das Hirschfest abgesagt werden. Der Wildpark Johannismühle in Baruth im Landkreis Teltow-Fläming blieb am Samstag zu, wollte aber am Sonntag wieder öffnen. Der Sturm hatte zahlreiche Bäume umstürzen lassen, zudem drohen nun weitere Äste aus den Baumkronen zu fallen.

Flamingos erschlagen:
Im Berliner Zoo wurden 18 Flamingos von herabfallenden Ästen getötet. „Wir sind sehr traurig mitteilen zu müssen, dass wir trotz aller Vorkehrungen Tiere verloren haben“, erklärte der Zoo am Freitag. Die große Gruppe der insgesamt 80 Flamingos hätte sich am Donnerstag nicht in ihre Stallungen bewegen lassen. Für Aufräumarbeiten blieben der Zoo und der Tierpark im Ostteil der Stadt am Freitag geschlossen. Der Zoo berichtete von Schäden durch umgestürzte Bäume, etwa beim Streichelzoo, an einem Zaun und der Außenanlage der Elefanten. Im Tierpark mit seinem großen Baumbestand seien nahezu alle Wege unpassierbar. Am Samstag wollten beide Zoos wieder öffnen.

KZ-Mauer umgekippt: In Oranienburg kippte ein 15 Meter langes Stück der Außenmauer des Konzentrationslagers Sachsenhausen um, meldete die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Besucher kamen nicht zu Schaden.

Der Sturm brachte Teile der historischen Lagermauer in der Gedenkstätte Sachsenhausen zum Einsturz. Quelle: Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Pöbelei gegen Feuerwehr: Nicht alle Bürger dankten den Einsatzkräften. Eine Feuerwehrfrau aus Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) berichtet, sie sei beim Beseitigen von Fallholz von einem Grundstücksbesitzer bedroht worden: Wenn er „auch nur einen Ast auf der Hecke“ finde, werde er Anzeige erstatten, so der Mann. Der MAZ sagte die Feuerwehrfrau, die anonym bleiben möchte: „Dieses Verhalten ist nicht der Regelfall, wir bekommen von vielen Leuten Anerkennung und Dankbarkeit. Aber es kommt immer mal wieder vor, dass jemand kein Verständnis für unsere Arbeit hat – und das trifft einen.“

Von Ulrich Wangemann und Rüdiger Braun

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