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Fräser gehen heute mit sauberen Händen nach Hause

Digitalisierung in Brandenburg Fräser gehen heute mit sauberen Händen nach Hause

Die Zerspanungsfirma Körber & Körber aus Birkenwerder (Oberhavel) mit ihren 30 Mitarbeitern hat ihre Arbeitsabläufe voll digitalisiert und sich zu einem führenden Zulieferer mechanischer Präzisionsteile entwickelt. Für die Mitarbeiter war der Weg nicht einfach. Die Arbeit sei vielfältiger, aber auch anspruchsvoller geworden, meint Junior-Chef Benjamin Körber.

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Unternehmenschef Peter Körber (l.) mit Sohn und Co-Chef Benjamin Körber an einer Messmaschine der Firma mit Mitarbeiter Carsten Kempa (r.)

Quelle: FOTO: dpa

Birkenwerder. Die alten, also die analogen Zeiten liegen für Junior-Chef Benjamin Körber lange zurück. „Da kam der Kundenauftrag noch als Zeichnung per Fax zu uns“, erinnert sich der 39-Jährige und muss selbst ein wenig grinsen. An alten Maschinen seien damals die Metallteile, quasi in aufwendiger Handarbeit, produziert worden. Das war 2011, als die Firma für Präzisionsmechanik in Birkenwerder (Oberhavel) neu startete.

Heute kommen die Aufträge als 3-D-Modelle am Computer ins Haus. Die Maschinen sind entsprechend programmiert. Dauerte die Produktion für ein Einzelteil damals 14 Stunden, sind heute nur noch 90 Minuten nötig – dank neuer digitaler Methoden. Als Beleg hält Körber eine kupferne Spindel für einen Labor-Dekanter in die Höhe, mit dem Schwebstoffe aus Flüssigkeiten abgesondert werden können. Genauso ist es mit der Kalkulation eines Angebots, die heute am Rechner nur noch fünf Minuten dauere, so Körber.

Das Familienunternehmen aus Berlin, das heute 30 Mitarbeiter beschäftigt, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1977 machte sich Peter Körber in einem Hinterhof in Moabit selbstständig, fräste Metallteile für Automobilfirmen. Die Firma wuchs, zog nach Reinickendorf, Sohn Benjamin stieg in die Firma ein, die 2008 rund 200 Mitarbeiter beschäftigte, darunter 50 in den USA. Dann kam die Wirtschaftskrise. Körbers waren 2010 gezwungen, das Unternehmen zu verkaufen. „Mein Vater stand ohne Lebenswerk da und ich war arbeitslos“, so Benjamin Körber.

Beide entschieden sich, noch einmal von vorn anzufangen, es „noch einmal richtig“ zu machen. Das neue Konzept sah auch vor, sich breiter auszustellen und nicht nur an die konjunkturabhängige Automobilindustrie zu binden. Erfahrungen, Netzwerke und der gute Name aus der Zeit in Berlin halfen beim Neustart. In Birkenwerder wurde Benjamin Körber fündig. Dort standen Hallen der Heidelberger Druckmaschinen leer, die ihren Standort geschlossen hatte. Mit zehn Mitarbeitern aus der alten Belegschaft ging es dort wieder los. Heute ist die Firma Zulieferer für die Luftfahrtindustrie und die Medizintechnik und macht einen Umsatz von vier Millionen Euro.

Entschieden drängte Sohn Benjamin auf die Digitalisierung der Arbeitsabläufe. Anfangs sei sein Vater skeptisch gewesen, die Maschinen digital umzurüsten, erzählt er. Inzwischen habe ihn sein Sohn überzeugt, sagt der 69-jährige Peter Körber stolz. Allein vier Kilometer Kabel seien in der Produktionsstätte verlegt worden, um alle Maschinen an ein zentrales Netz anzuschließen. Es wurden komplexe Software-Programme angeschafft. Lagerverwaltung, Maschinenpark und Buchhaltung – alles ist miteinander vernetzt. Es wurden fünf Millionen Euro in die Maschinen investiert. Sogar eine Anerkennung gab es schon. Im November erhält die Firma den Zukunftspreis des Landes Brandenburg.

Für die Mitarbeiter war der Weg nicht einfach, sagt Carsten Kempa, der als Messtechniker für die Qualitätskontrolle bei Körber & Körber zuständig ist. Es habe anfangs Vorbehalte in der Belegschaft gegeben, berichtet er. „Wir haben aber gute Erfahrungen gemacht.“ Die Arbeitsabläufe seien jetzt effizienter. „Wir wissen auf einen Blick, was genau wann gefertigt wird und wo die Teile gelagert sind.“ Vorteile sieht Kempa auch in der eigenen Arbeit. An der Zeiss-Messmaschine, die er täglich bedienen muss, könne „auf den Tausendstel Millimeter“ genau nachgemessen werden. „Das ist mit einem Messschieber oder anderen herkömmlichen Methoden einfach unmöglich.“

Die Arbeit sei durch die Digitalisierung vielfältiger, aber auch anspruchsvoller geworden, meint Junior-Chef Benjamin Körber. Ein Vorzug der neuen, digitalen Zeit sei für die Mitarbeiter auch, dass die Arbeit weniger schmutzig sei als bisher. „Heute geht ein Fräser mit sauberen Händen nach Hause und muss sich nicht mehr das Öl von den Händen abkratzen.“

Das ist Körber & Körber

Gründung: 2010

Firma: Produktion komplexer Zerspanungsteile mit automatischen CNC-Werkzeugmaschinen

Mitarbeiter: 30

Zielgruppe: Luftfahrtindustrie, Medizintechnik und Telekommunikation

Von Igor Göldner

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