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Kaum noch eine Handbreit Wasser unterm Kiel

Die Oder führt seit zwölf Jahren erstmals wieder extremes Niedrigwasser Kaum noch eine Handbreit Wasser unterm Kiel

Die Hitze macht auch Brandenburgs Flüssen zu schaffen. Der Pegel der Oder sinkt von Tag zu Tag. Die Schifffahrt ist teilweise eingestellt.

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Die Oder führt Niedrigwasser: Sandbänke breiten sich aus.

Quelle: Heinz Köhler

Frankfurt (Oder). Wenn der Frankfurter Dirk Triebler in einen seiner drei Kähne steigt, um Touristen über die Oder zu schippern, hat er den deutsch-polnischen Grenzfluss derzeit quasi ganz für sich allein. Denn außer ihm fährt hier niemand mehr, wenn er nicht Gefahr laufen will, steckenzubleiben. Denn die Oder führt extremes Niedrigwasser, wie schon seit Jahren nicht mehr. Der Pegel sinkt von Tag zu Tag, liegt gerade noch bei 1,32 Metern.

Nach Angaben des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Eberswalde wurden letztmalig vor zwölf Jahren derart niedrige Wasserstände in dem Grenzfluss gemessen. Die Tauchtiefe der Fahrrinne beträgt derzeit demnach in Frankfurt nur 96 Zentimeter, weiter flussabwärts in Schwedt liegt sie bei 1,07 Metern – viel zu wenig für die Berufsschifffahrt mit ihren schweren Lastkähnen, die schon vor mehr als einer Woche zum Erliegen gekommen ist. Zum Vergleich: Beim sogenannten Mittelwasser ist die Oder-Fahrrinne mindestens zwei Meter tief.

Die Tendenz ist angesichts der Saharahitze eher weiter fallend. „Da wird noch einiges an Wasser verdunsten und in den nächsten 14 Tagen kommt nichts nach“, sagt Peter Münch, Direktor des WSA Eberswalde. Solange im Odereinzugsgebiet und am Oberlauf des Flusses in Polen nicht ergiebige Niederschläge fallen, dürfte sich die Situation weiter verschärfen. Durch die fehlende Schneeschmelze im Frühjahr hatte sich dort kaum Wasser ansammeln können.

Schon jetzt wirkt der sonst so eindrucksvolle Fluss angesichts sich immer weiter ausbreitender Sandbänke und Inseln harmlos und unscheinbar. „Wer jetzt noch auf der Oder zwischen Eisenhüttenstadt und Hohensaaten fährt, muss den Fluss schon genau kennen“, sagt eine Mitarbeiterin des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Schon bei normalem Wasserstand gilt das Grenzgewässer als tückisch – mit Stromschnellen, Wirbeln und wechselnden Sandbänken. Bei Niedrigwasser hatten sich in der Vergangenheit immer wieder große Lastkähne festgefahren – in diesem Jahr laut WSA allerdings noch nicht. „Wenn kein Wasser vom Oberlauf nachkommt, kriegst Du das Schiff nicht mehr freigeschleppt“, sagt Münch. Es ist zudem nicht wirtschaftlich, jetzt beispielsweise mit halber Ladung zu fahren.

Normalerweise werden in den Sommermonaten von Booten aus Buhnen repariert oder saniert. Aber für derartige Unterhaltungsmaßnahmen brauche man nun einmal Wasser. Seine Arbeit vorläufig eingestellt hat auch der erfahrene Fischer Detlef Schneider aus dem Oderbruch. „Die Fische sind durch die Hitze schon derart gestresst. Wenn wir sie jetzt auch noch jagen, verenden sie gleich“, erklärt der 56-Jährige. Zwar liege die Wassertemperatur der Oder mit 24 Grad noch im durchaus normalen Bereich, doch dabei bleibe es ja leider nicht, so Schneider. Und je wärmer das Wasser, um so weniger Sauerstoff werde transportiert. Neben der geringen Wassermenge macht den Tieren auch die verringerte Fließgeschwindigkeit zu schaffen, die wiederum zu Sauerstoffmangel führt, so dass die Fische zu ersticken drohen.

Die Folge wäre ein massives Fischsterben, was Schneider allerdings in der Oder noch nicht erlebt hat. „Problematischer ist es in den deutlich ruhigeren Seitenarmen des Flusses“, gibt er zu bedenken und hofft gleichzeitig auf kräftigen, lang anhaltenden Regen in den Quellgebieten des Flusses, um nicht Tag für Tag mit einem weiteren Produktionsausfall leben zu müssen. Immer noch ein gutes Geschäft macht Oderkapitän Triebler. „Die Leute zieht es schon deshalb aufs Wasser, weil die Zugluft erfrischt“, weiß der Kahnbetreiber. Im Normalfall muss der Frankfurter mit dem polnischen Fahrgastschiff „Zefir“ konkurrieren. Doch das fährt seinen Angaben zufolge schon seit über einer Woche nicht mehr – wegen „Niedrigwassers“, wie an der Anlegestelle am Frankfurter Holzmarkt zu lesen ist.

Kritisch für Trieblers Kähne wird es erst, wenn der Oderpegel unter einen Meter sinkt. Er bleibt optimistisch, dass es soweit nicht kommen wird. Allerdings wird der Pegel-Tiefststand erfahrungsgemäß erst im August oder September erreicht. Die historisch geringsten Wasserstände der Oder waren nach Angaben des Brandenburger Landesumweltamtes im Jahr 1950 gemessen worden. Damals betrug der Pegel lediglich 86 Zentimeter. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren führte der Grenzfluss wieder einmal Hochwasser und kletterte dort über seine Ufer, wo ihn keine Deiche aufhielten. Der höchste Pegelstand in Frankfurt lag damals bei sechs Metern.

Von Jeanette Bederke

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