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Frankfurt will Studenten aus Berlin locken

Studieren in Brandenburg Frankfurt will Studenten aus Berlin locken

An der Europa-Universität Viadrina studieren schön und gut, aber in Frankfurt (Oder) wohnen? „Um Himmels Willen!“, denken viele – und pendeln täglich drei Stunden zwischen Berlin und der Oderstadt. Flüchtige Studenten haben aber auch andere Uni-Städte in Brandenburg.

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Für die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) ist Internationalität Programm.

Quelle: dpa

Frankfurt (Oder). Der Regionalexpress zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) ist morgens knüppeldickevoll mit jungen Leuten. Sie sind in Bücher, Computer oder Mitschriften vertieft, kritzeln etwas in Hefter oder durchwühlen Klarsichtfolien. Wenn der Zug an der Oder ankommt, pilgern die Studenten einer Karawane gleich ins Stadtzentrum, dort wo sich Hörsaalkomplex und Bibliothek der Europa-Universität Viadrina befinden. Am Abend ist ein ähnliches Bild zu beobachten – in umgekehrter Richtung.

Dank der guten Verkehrsanbindung und des preisgünstigen Semestertickets wohnt geschätzt jeder zweite Viadrina-Student nicht an seinem Studienort, sondern in Berlin. Da ist es eigentlich kein Wunder, dass eingefleischte Frankfurter von der Existenz der vor 25 Jahren neu gegründeten Hochschule in ihrer Stadt noch immer nicht viel bemerken. „Studentisches Leben kommt nicht von allein. Damit Deine Uni-Stadt auch Uni-Flair hat, braucht sie Dich. Zieh nach Frankfurt“, appelliert der Allgemeine Studierenden Ausschuss (AStA) der Viadrina jetzt in einer Kampagne gegen das Pendeln. „Damit wollen wir Aufmerksamkeit erzeugen, dass Frankfurt mehr ist als der Weg zur Uni, dass die Stadt schöne Ecken und tolle Freizeitmöglichkeiten hat“, sagt Asta-Referent Georg Gauger.

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In Brandenburg studieren, in Berlin wohnen, denken junge Leute. Nicht nur Frankfurt (Oder) hat ein Problem mit Pendlern. Auch andere Städte in Brandenburg wollen die jungen Leute aufs Land locken. Doch das ist schwer...

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Große Fotos und Plakate mit malerischen Stadtansichten Frankfurts und auch der polnischen Nachbarstadt Slubice hängen in allen Viadrina-Gebäuden. Rückendeckung bekommt die Studentenvertretung von der Frankfurter Stadtverwaltung. Denn Uni-Städte sind meist sehr lebendig. Davon will nun auch Frankfurt profitieren. „Gegenüber dem Hörsaalkomplex im Stadtzentrum gibt es eine Brachfläche, auf der Investoren weitere Internate bauen wollen. Wir unterstützen das“, sagt Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos). Ihm ist bewusst, dass sich die 1300 Wohnheimplätze, die das Frankfurter Studentenwerk vermietet, vor allem an den Stadträndern befinden.

„Solange Studenten von dort bis zur Uni fast genau so lange brauchen wie innerhalb Berlins, können wir mit der Hauptstadt nicht wirklich konkurrieren“, findet auch Rene Wilke, Fraktionsvorsitzender der Linken im Frankfurter Stadtparlament. Punkten könne die Grenzstadt damit, Teil des Metropolenraums Berlin zu sein. „Wir sollten davon profitieren, dass die Hauptstadt aus allen Nähten platzt und Wohnraum dort nicht mehr bezahlbar ist“, sagt er. Zwischen Bahnhof und Uni wird gerade der ehemalige Ferdinandshof von einem Investor neu gestaltet. Auf dem früheren Brauereigelände sollen Studentenbuden entstehen.

Vor allem Neu-Studenten sollen mit verschiedenen Aktionen überzeugt werden, an der Oder und nicht der Spree zu wohnen. Denn bei den höheren Semestern wird es schwierig, zeigen Erfahrungen. „Wer sich einmal dazu entschieden hat, nicht in die angebliche Provinz zu ziehen, bleibt dabei“, hat Robert Schwaß bei seinen Kommilitonen beobachtet. Die würden gerne frotzeln: In Frankfurt sei ja nicht viel los, da könnten sich Streber voll auf das Studium konzentrieren. Der Student der Kulturwissenschaften ist selbst Berliner und hat sich vor drei Jahren bewusst für Frankfurt auch als Wohnort entschieden. „Täglich drei Stunden im Zug zu verbringen ist für mich verschenkte Lebenszeit. Außerdem gibt es auf der RE1-Strecke so häufig Probleme und Zugausfälle“, erzählt der 25-Jährige. Bereut habe er seine Entscheidung bisher nicht und langweilig sei es in Frankfurt ganz und gar nicht.

„Berlin kann jeder, Frankfurt können nur die Coolsten“, meint Studentin Marie Gließmann, die aus Bremen stammt. Um auszugehen oder auch für ein Praktikum sei sie schnell in Berlin. „Für mein Zimmer in Frankfurt zahle ich aber nur die Hälfte.“ Allerdings müsse die Stadt auch an anderen Stellen nachbessern, stimmt sie mit Schwaß überein. „Praktikumsplätze oder auch Studentenjobs zu finden, ist hier Glückssache.“

Von Jeanette Bederke und Rüdiger Braun

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