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Brandenburg Für Pendler wird der 8. März schwierig
Brandenburg Für Pendler wird der 8. März schwierig
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17:59 24.01.2019
Der 8. März, der internationalen Frauentag, ist in Berlin ab sofort gesetzlicher Feiertag. In diesem Jahr fällt er allerdings auf einen Sonntag. Quelle: Jens Wolf/dpa
Berlin

Deutschland am 8. März 2019: Es ist Freitag, die Menschen gehen in Betrieben oder Büros ihrer Arbeit nach, Behörden und Geschäfte warten auf Kundschaft, auf den Autobahnen oder in den Shoppingmeilen wird es kurz vor dem Wochenende voll. Nicht so in Berlin. Denn als erstes Bundesland hat die Hauptstadt den Internationalen Frauentag zu einem gesetzlichen Feiertag erklärt.

Berlins Wirtschaft ist allerdings nicht begeistert über den neuen Feiertag. „Die Politik macht hier ein kostspieliges Wählergeschenk, das das Berliner Bruttosozialprodukt um rund 160 Millionen Euro schmälert“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder. Das entspreche einem Minus von 0,3 Prozent. Und: Berlin stehe bei der Produktivität trotz „beeindruckender“ Wachstumsraten im Bundesländervergleich immer noch an neunter Stelle.

Ganz konkret müssen Firmen nun ihre Lieferketten, Arbeitsprozesse und Dienstpläne kurzfristig ändern und anpassen. Das betrifft auch Kliniken oder die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die an Sonn- und Feiertagen andere Fahrpläne haben. Für bis zu 180 000 Berliner, die nach Brandenburg pendeln und am 8. März nicht frei haben, könnte der „Inseltermin“ schwierig werden: Kitas und Schulen in Berlin sind zu, viele müssen also Kinderbetreuung organisieren.

Warum ein zusätzlicher Feiertag?

Mit den Stimmen der rot-rot-grünen Koalition hatte das Abgeordnetenhaus am Donnerstag eine entsprechende Gesetzesnovelle beschlossen. Schon in diesem Jahr ist der 8. März, der seit fast 100 Jahren ein Kampftag für mehr Frauenrechte ist damit arbeitsfrei.

Warum ein zusätzlicher Feiertag? Berlin hatte bisher neun solcher arbeitsfreien Tage pro Jahr - so wenige wie kein anderes Bundesland. Nun sind es zehn, so wie in einigen anderen Ländern auch. Glücklicher sind in der Hinsicht die Bayern: Hier ruht die Arbeit an 13, in Baden-Württemberg an zwölf Feiertagen.

Der Internationale Frauentag

Der 8. März wird weltweit in vielen Ländern als Frauentag gefeiert. Wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg entstand er durch eine Initiative sozialistischer Organisationen. Den Frauen der ersten Stunde, zu denen Clara Zetkin gehörte, ging es um das Frauenwahlrecht, um Gleichberechtigung und um die Emanzipation von Arbeiterinnen.

Inspiriert wurden die europäischen Frauen durch die Gleichgesinnten in den USA. Dort veranstalteten die Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas erstmals 1909 einen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht.

Am 19. März 1911 wurde der erste Frauentag in Dänemark, im Deutschen Reich, in Österreich-Ungarn und in der Schweiz gefeiert. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März zelebriert.

2003 riefen die Vereinten Nationen den 8. März als „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ aus.

Rot-Rot-Grün sieht in der Entscheidung für den Frauentag ein Signal für ganz Deutschland. „Der heutige Tag ist ein ganz großes Zeichen dafür, dass wir auf dem Weg der Gleichstellung von Frau und Mann weiterkommen“, meinte die SPD-Abgeordnete Derya Caglar. „Der Feiertag bestärkt uns in unserem Kampf für mehr Geschlechtergerechtigkeit“, sagte ihre Linke-Kollegin Manuela Schmidt in der Parlamentsdebatte.

CDU, FDP und AfD stimmten gegen den 8. März und kritisierten, dass die Wahl nicht etwa auf den Reformationstag am 31. Oktober fiel. Dieser ist bereits in den anderen östlichen sowie seit vergangenem Jahr auch den nördlichen Bundesländern Feiertag. CDU-Generalsekretär Stefan Evers sieht im 8. März einen Feiertag mit „rein sozialistischer Tradition“. „Die Mehrheit der Bürger kann damit nichts anfangen.“

Lange Debatte über geeigneten Feiertag

Den Anstoß für den neuen Feiertag in Berlin gaben wohl Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen. Deren Regierungschefs hatten vor einem Jahr verkündet, den Reformationstag zum Feiertag machen zu wollen, der zum 500. Reformationsgeburtstag einmalig bundesweit begangen worden war. In Berlin begann daraufhin eine längere Debatte über ein geeignetes Datum - die der Berliner Senat, wie Regierungschef Michael Müller (SPD) später einräumte, eigentlich so gar nicht wollte.

SPD und Grüne standen unter Zugzwang

Neben dem Frauentag, zu dem die SPD-Abgeordnete Iris Spranger eine Internet-Petition startete, machte eine Vielzahl von Vorschlägen die Runde. So plädierte die Linke zunächst für den Tag der Befreiung am 8. Mai, Kirchenvertreter für den Reformationstag. Der Beauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Tom Sello, warb für den 9. November als Tag des Mauerfalls. Müller selbst brachte den 18. März in Erinnerung an die Märzrevolution 1848 ins Spiel.

Schließlich setzte die Linke die Koalitionspartner SPD und Grüne unter Druck, indem sie sich auf den 8. März festlegte - als Signal gegen die „Endlosdiskussion“, wie es Parteichefin Katina Schubert später formulierte. Den beiden anderen Parteien blieb nichts anderes übrig, als nachzuziehen.

Dieses Jahr fällt der 8. März auf einen Freitag

2020 fällt der 8. März übrigens auf einen Sonntag. Doch die Berliner müssen deswegen nicht traurig sein. Denn der 75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 2020 - ein Freitag - wird in der Hauptstadt einmalig als arbeitsfreier Feiertag begangen. Auch das beschloss das Abgeordnetenhaus am Donnerstag.

Von MAZonline/Stefan Kruse/dpa

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