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Freiwilliges Soziales Jahr boomt in Brandenburg

Freiwilligendienst Freiwilliges Soziales Jahr boomt in Brandenburg

Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) in Brandenburg boomt. Viele Jugendliche nutzen das Jahr dazu, um sich über ihre Zukunftspläne klar zu werden. Obwohl sich immer mehr junge Leute für die soziale Arbeit entscheiden, gibt es auch eine Kehrseite. Das Land Brandenburg will unterdessen weiter in den Ausbau des FSJ investieren.

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Ein FSJ-Schwerpunkt ist der Einsatz in Pflegeheimen und bei der Betreuung Älterer.

Quelle: dpa

Potsdam. Bereut habe sie diesen Schritt bis heute nicht, sagt Charlotte Wieland. Die Arbeit mit Kindern mache ihr einfach Spaß. Seit Oktober vergangenen Jahres ist die 19-Jährige im Freiwilligen Sozialen Jahr“ an einer Kita in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark). Viele Jugendliche würden nach der Schulzeit doch nur planlos durch die Gegend irren und wüssten nicht, was sie tun sollen, sagt sie.

Die junge Frau, die auf Punkmusik steht, ist derzeit eine von 787 Jugendlichen in Brandenburg, die sich für einen Freiwilligendienst entschieden haben. Für Charlotte ist es eine willkommene Pause zwischen Schule und Universität. Sie würde gern Schauspiel studieren, sagt sie, was Bildungsminister Günter Baaske (SPD) am Dienstag zu der launigen Bemerkung veranlasste, dass Kita und Schauspiel doch viele Parallelen hätten.

In Brandenburg ist Jahr für Jahr das Interesse am Freiwilligendienst in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Werkstätten für Menschen mit Behinderungen oder in Kitas und Kultureinrichtungen gestiegen. Fast 50 Jugendliche weniger als jetzt waren es 2014. Zwei Jahre davor entschieden sich 663 Jugendliche für ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr. Eine solche Zeit sei eine gute Möglichkeit für junge Menschen nach der Schule Orientierung und Einblick „ins richtige Leben“ zu bekommen, sagte Minister Baaske.

Allerdings hat der augenblickliche Boom in Brandenburg eine Kehrseite, auf die Corinna Benzel vom FSJ-Träger Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) verwies. Etliche Plätze gerade in ländlichen Regionen gelten als weniger lukrativ und konnten noch immer nicht besetzt werden. „Wir freuen uns über Bewerber“, sagte Benzel.

Baaske hat mit dem Freiwilligendienst große Pläne. Ab dem Schuljahr 2017/2018 ist ein sogenanntes Sonderprogramm der Landesregierung aufgelegt werden. Erstmals sollen Jugendliche im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres auch an Schulen im Ganztagsbereich eingesetzt werden. Sie sollen junge Migranten und Schüler mit „besonderem Förderbedarf“ unterstützen und dabei mit ihren Erfahrungen den Lehrern zur Seite stehen. 25 Plätze sind zunächst dafür vorgesehen. Dazu hat der Minister für die Schuljahre 2017/2018 und 2019/2020 pro Jahr 202 000 Euro beantragt.

Der Großteil der derzeit 787 FSJ-Stellen laufen ohne Landesmittel. Sie werden vom jeweiligen Träger finanziert. Das Land unterstützt laut Bildungsministerium 119 Stellen direkt mit Geld, davon 63 in der Kinder-und Jugendhilfe sowie 56 im Breitensport. Weitere 55 Plätze gibt es in den Bereichen Kultur und Denkmalpflege. Zusätzlich stehen Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung. Für die nächsten vier Jahren sind das mehr als 1,8 Millionen Euro.

Der Bund wiederum ist auch an der Finanzierung beteiligt. Zur pädagogischen Begleitung der Jugendlichen werden pro Platz vom Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Gelder zwischen 112 Euro und 200 Euro zur Verfügung gestellt.

Die Jugendlichen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren, erhalten generell ein monatliches Taschengeld. Für ihren Kita-Einsatz in Kleinmachnow erhält Charlotte Wieland 360 Euro vom zuständigen Träger, den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten. Davon geht Geld für die Verpflegung ab, sagte sie. Den Jugendlichen stehen mindestens 26 Tagen Urlaub zu.

Freiwilliges Soziales und Ökologisches Jahr

Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder ein Freiwilliges Ökologische Jahr (FÖJ) können Jugendliche zwischen 16 und 27 Jahren absolvieren. Die meisten Plätze gibt es im Inland, es gibt aber auch Stellen im Ausland.

20 zugelassene Träger gibt es in Brandenburg, die das Freiwillige Soziale Jahr durchführen. Darunter sind die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd), das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeitersamariterbund, die Arbeiterwohlfahrt, das Diakonische Werk, Caritas. Träger können auch Kommunen sein.

Das Freiwillige Ökologische Jahr ist möglich auf Bauernhöfen, in Naturparks, Wild- und Tierparks, Natur- und Umweltschutzverbänden und Instituten. Im FÖJ stehen jährlich 120 Plätze zur Verfügung. Die Teilnehmer erhalten ein Taschengeld in Höhe von 153 Euro pro Monat und eine Pauschale für Unterkunft und Verpflegung.


In der Regel dauert es ein Jahr, mindestens sechs, höchstens 18 Monate.

Die Freiwilligen nehmen an der Bildungsarbeit teil und erhalten eine individuelle pädagogische Begleitung. Etwa 25 Seminartage gibt es.

Der Freiwilligendienst ist Ländersache. FSJ und FÖJ wurden 2011 durch den Bundesfreiwilligendienst ergänzt. 2015 haben sich bundesweit 24  508 junge Menschen an den Freiwilligendiensten beteiligt.

Von Igor Göldner

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