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Freundeskreis baut Brücken nach Perugia

Städtepartnerschaft Freundeskreis baut Brücken nach Perugia

Kein Zweifel: Lebendige Beziehungen zur umbrischen Hauptstadt Perugias würden sich für Potsdam lohnen. Die malerische italienische Stadt hat ein reiches Kulturleben. Perugia ist zwar seit 1990 Partnerstadt, aber der Austausch hielt sich in Grenzen. Vor einem Jahr gründete sich der „Freundeskreis Potsdam-Perugia“. Die ehrenamtlichen Mitglieder haben einen harten Weg vor sich.

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Touristenattraktion: Die Altstadt von Perugia.

Quelle: foto: Fotolia

Potsdam. Die Fotos, die Karl-Heinz Konrad im Vortragssaal des Bildungsforums auf die Leinwand wirft, wecken Reiselust: Enge Gässchen, Backsteinkirchen auf baumbewachsenen Hügeln, strahlende Bauten der Renaissance. Ohne Frage, Perugia, die Hauptstadt Umbriens, ist eine Augenweide. Auch als Werbung, sich für den noch jungen Verein „Freundeskreis Potsdam-Perugia“ zu engagieren, war das „Lunchpaket“ am Mittwoch in der Bibliothek gedacht. Dafür schilderte Vorstandsmitglied Konrad auch seinen Studienaufenthalt dort.

Potsdam und Perugia, das ist eine lange und manchmal holprige Geschichte. Italiensehnsucht zeigt sich ja schon im Stadtbild Potsdams. Villen mit Geschlechtertürmen sind in der City allgegenwärtig. Preußische Könige schwärmten von südlichen Gefilden und es gab sogar zu DDR-Zeiten einen Freundschaftsvertrag mit der umbrischen Hauptstadt. Der bestand aber vor allem auf dem Papier. Die Chance einer echten Städtepartnerschaft ergriffen 1990 die damaligen Bürgermeister Horst Gramlich und Mario Valentini. Mit Leben erfüllen wollte das Bündnis die Romanistin Maria-Luise Döring, die den Verein „Il Ponte“ gründete. Der zuletzt rund 200 Mitglieder zählende Verein war vor allem wegen seiner „Bürgerreisen“ nach Italien sehr beliebt. Nur: Er löste sich 2015 auf. Das damalige „Il Ponte“-Vereinsmitglied Bernd Malzanini fand, dass das nicht das Ende sein sollte. Er suchte auch mit ehemaligen Mitgliedern von „Il Ponte“ neue Gleichgesinnte, die jene Brücke in die malerische italienische Stadt fortsetzen wollten. Im März 2016 gründeten 18 engagierte Potsdamer den Verein „Freundeskreis Potsdam-Perugia“.

Inzwischen zählt der Freundeskreis 28 Mitglieder. Lesungen aus Goethes „Italienischer Reise“, eine musikalische Aufführung in italienischer Sprache in der Orangerie im Neuen Garten, eine Spende für Helfer im umbrischen Erdbebengebiet 2016 und vor allem die Teilnahme am Lesemarathon zu Umberto Eco kann der Verein inzwischen vorweisen. Doch einzelne Veranstaltungen reichen dem Verein nicht. Er möchte eine lebendige Städtepartnerschaft erreichen.

„Das Interesse bei der Stadt Potsdam ist schon recht groß“, sagt der Vorsitzende Malzanini. Mit der für Städtepartnerschaften zuständigen Mitarbeiterin Isabell Sommer gebe es rege Kontakte. Auf italienischer Seite sei man dagegen nicht so engagiert. „Zum einen ist die finanzielle Lage in Perugia wie in ganz Italien nicht so rosig“, sagt Malzanini, „Zum anderen gab es in Perugia auch einen politischen Wechsel und das Thema Städtepartnerschaft steht dort möglicherweise nicht mehr ganz oben auf der Agenda.“

Immerhin: Mit der Beauftragten für die Pflege von Städtepartnerschaften in Perugia, Daniela Borghesi, ist Malzanini in Kontakt Ein angestrebtes Projekt: Jugendliche aus Italien zur Ausbildung nach Potsdam zu holen. „Da sind wir aber noch ganz am Anfang“, sagt Malzanini. Der Freundeskreis versuche, die Industrie- und Handelskammern beider Städte zusammenzubringen. Einen Kontakt hat der Freundeskreis auf kultureller Ebene erreicht. Der „Chor International Potsdam“ hat Verbindung mit einem Chor in Perugia aufgenommen. Schwierig seien dagegen Schulpartnerschaften. „In Potsdam gibt es keine Schule, die Italienisch unterrichtet“, sagt Malzanini.

Trotz aller Schwierigkeiten und ihren beruflichen Verpflichtungen wollen er und seine Mitstreiter das Bohren dicker deutsch-italienischer Bretter nicht aufgeben. „Ich denke schon, dass es gerade heute eine wichtige Aufgabe ist, internationale Beziehungen zu pflegen“, sagt Malzanini. Und darüber hinaus sei Perugia einfach eine liebenswerte Stadt mit wunderbaren Einwohnern. „Für mich ist sie zu einer zweiten Heimat geworden.“

Von Rüdiger Braun

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