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Brandenburg Frühreifer Spargel dank Fußbodenheizung
Brandenburg Frühreifer Spargel dank Fußbodenheizung
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00:28 09.04.2018
Auf einem beheizten Feld bei Gottow wird der erste Spargel des Jahres gestochen. Quelle: Julian Stähle
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Gottow

Am Feldrand bei Gottow (Teltow-Fläming) türmen sich grüne Spargelkisten, während eine Stecherkolonne im Windschatten einer Baumgruppe Mittagspause macht. Dicke, gerade, elfenbeinfarbene Stangen liegen in den Behältern. Der Anblick verblüfft. Start der Spargelsaison ist brandenburgweit eigentlich erst in der kommenden Woche. Doch Brandenburgs größter Spargelproduzent Buschmann & Winkelmann hat den Anstich in einem Pilotprojekt um ein paar Wochen nach vorn verlegt – und mit Einführung der Bodenheizung eine kleine Kontroverse angeschoben.

Erntehelfer haben jetzt schon Arbeit: Eigentlich beginnt die Saison erst in der kommenden Woche – aber die Heizung lässt das Gemüse schneller wachsen. Quelle: Julian Stähle

Auf drei Hektar hat der Betrieb ein Netz aus Warmwasserröhren in die Erde verlegt. Resultat: Vor Ostern schon war der Spargel auf dem Berliner Großmarkt zu haben – im West-Berliner Kaufhaus des Westens (KadeWe) mussten Kunden rund 30 Euro pro Kilogramm hinblättern.

Jürgen Jakobs, Vorsitzender der Produzentenvertretung Beelitzer Spargelverein, sagt: „Eine Foliendiskussion haben wir schon, um die kommen wir nicht herum. Aber eine Heizdiskussion – die muss nicht sein.“ Hintergrund: Umweltverbände und Brandenburgs Grüne stoßen sich an der Verwendung weißer und schwarzer Kunststoffbahnen auf den Spargelfeldern. Sie machen diese intensive Form der Bewirtschaftung für einen Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich. Die Spargelbauern bestreiten das. Sie steuern mit den Folien die Wärme in den Erddämmen und fürchten um ihre Konkurrenzfähigkeit im Wettbewerb mit Anbietern aus wärmeren süddeutschen Anbaugebieten.

Aus dieser Biogasanlage kommt das Methan, mit dem der Motor angetrieben wird, dessen Abwärme die Felder heizt. Quelle: Julian Stähle

Die Sache mit der Ackerbodenheizung passt nur auf den ersten Blick ins Bild eines problematischen Umgangs mit Ressourcen: Denn die Heizung nutzt lediglich die Abwärme einer Biogasanlage. „Hier wird überhaupt nichts verschwendet. Ganz im Gegenteil: Die Hitze würde sonst in die Luft geblasen“, sagt Sven Hager, der bei Buschmann & Winkelmann für die Spargelkulturen und Biogasanlagen zuständig ist. Ihm sei „die Diskussion ziemlich schleierhaft“.

Die Abwärme dieses Zwölf-Zylinder-Motors mit 350 KW lässt den Spargel auf dem Feld schneller reifen. Quelle: Julian Stähle

300 Meter vom Spargelfeld entfernt wölben sich die Kuppeln von Biogasbehältern. Einen Steinwurf davon entfernt, kann man in einen langen Kuhstall spähen. Rund 400 Rinder hat die Laprog GmbH Gottow, ein Teilbetrieb des Agrar-Unternehmens Buschmann & Winkelmann. Der Mist, die anfallende Gülle, Futterreste und gehäckselter Mais wandern in die benachbarten Reservoirs, wo Methangas aus der Pampe aufsteigt und die Planendächer aufbläht.

Das Gas treibt einen Zwölf-Zylinder-Motor mit 350 Kilowatt an – das entspricht der Leistung eines Lastwagen-Aggregats. In dem grünen Turbinen-Container, der neben Stall und Reservoirs steht, herrschen Lärm und entsetzliche Hitze. Ein paar Rohre verschwinden im Erdreich. Sie pumpen 72 Grad heißes Wasser in eine Leitung, das am Spargelfeld mit 34 Grad in das unterirdische Schleifennetz eingespeist wird.

Unternehmer Ernst-August Winkelmann hat sich das Pilotprojekt von Produzenten in anderen Bundesländern abgeschaut. Er sagt: Die Abwärme würde vergeudet – auf dem Feld sei sie deshalb ökologisch genutzt. Quelle: Julian Stähle

Zwei Handbreit unter den Spargelwurzeln entfaltet sich eine milde Wärme. Und da die Pflanzen ab einer Bodentemperatur von zwölf Grad wachsen, verspricht der Einsatz einen Zeitgewinn von vier Wochen – Mitte März ging die Ernte in diesem Jahr los. „Wenn das alles klappt, muss man Spargel nicht im März aus Peru importieren“, sagt Landwirt Ernst-August Winkelmann. Allerdings handele es sich bei der Anlage in Teltow-Fläming „um einen reinen Test“. Bewähre sich die Technik, könne man sie an anderer Stelle ebenfalls einsetzen. Allerdings gibt es Unwägbarkeiten, sagt Winkelmann. Unklar sei etwa, wie die frühreifen Spargelpflanzen Spätfröste im Mai – etwa die „kalte Sofie“ – wegsteckten.

Rund 70 Grad heiß ist das Wasser, wenn es den Motorcontainer verlässt. Quelle: Julian Stähle

500 Kilogramm Spargel pro Tag wachsen derzeit auf dem Feld bei Gottow – verschwindend wenig im Vergleich zu den Mengen, die pro Saison geerntet werden. Doch die Bodenheizung hat Potenzial. In anderen Bundesländern ist Heizspargel längst nichts Ungewöhnliches mehr. In Niedersachsen etwa nutzt der Spargel-Großproduzent Heinrich Thiermann die Abwärme einer Biogasanlage, die an einen Schweinemastbetrieb angeschlossen ist – 4,5 Hektar Heizspargel baut er an. Thiermann hat auch in Brandenburg große Spargelflächen (Domstiftsgut Mötzow/Potsdam-Mittelmark), aber setzt die Erdleitungen in der Mark nicht ein.

Die Heizungstechnik hält Thiermann für „eine Nische“. Anstatt die Energie „nutzlos zu vergeuden“, verwende sein Betrieb in Niedersachsen sie, um Büros zu heizen – und eben die Felder. Öl-, Gas- und Pellet-Heizung lehnen Thiermann und Winkelmann gleichermaßen ab. Vieles andere sei aber denkbar: In Bayern nutzt laut Thiermann ein Spargelbauer die Abwärme einer Papierfabrik, um seine Äcker zu beheizen.

Dieser Wärmetauscher steht in einem Container direkt am Acker. Rechts im Bild die Leitung, die in den Boden führt. Quelle: Julian Stähle

Kritiker Jürgen Jakobs – selbst Chef eines großen Spargelhofs in Beelitz – glaubt nicht, dass der Heizspargel einen breiteren Kundenkreis erreichen wird: Die Preise seien nach Ostern schon wieder so weit abgesackt, dass sich die Kosten kaum einspielen ließen. Karfreitag habe ein Kilo im Großmarkt noch 20 Euro gekostet, nach den Feiertagen nur noch die Hälfte. „Das ist dann nicht mehr rentabel“, so Jakobs.

Von Ulrich Wangemann

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