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Für Selbstbestimmung bei Kinderehen

Gericht trifft Grundsatzentscheidung Für Selbstbestimmung bei Kinderehen

Das Brandenburger Oberlandesgericht hat entschieden, dass Eltern es hinnehmen müssen, wenn ihre Teenager-Kinder Beziehungen zu deutlichen älteren Partnern haben. Dieses Urteil kommt zu einer Zeit, in der in der Bundespolitik über Kinderehen diskutiert wird.

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Der Fall der damals 14-jährigen Josephine hat nun für ein Grundsatzurteil gesorgt.

Quelle: dpa

Brandenburg. Eltern müssen es hinnehmen, wenn ihre Tochter im Teenager-Alter mit einem 33 Jahre älteren Mann zusammen ist. Dieses Urteil des Brandenburgischen Oberlandesgericht (OLG) vom Februar zitierte die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltsvereins (DAV) im Kontext der Debatte um das Verbot von Kinderehen.

Fachanwältin Eva Becker vom Deutschen Anwaltsverein

Fachanwältin Eva Becker vom Deutschen Anwaltsverein.

Quelle: privat

„Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Selbstbestimmtheit von Kindern in Deutschland bereits besser als in den meisten anderen Ländern geschützt ist“, sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Eva Becker der MAZ. „Kinder werden vor Gericht sogar persönlich angehört“, so Becker. Der Anwaltsverein stärkt Justizminister Heiko Maas (SPD) den Rücken. Der hat einen Gesetzentwurf zum Verbot von Kinderehen angekündigt, in dem er Ausnahmen für 16- bis 18-Jährige vorsehen will. Während Maas in jedem Fall die Gerichte über die Aufhebung einer Ehe entscheiden lassen will, fordert die CSU in einem Leitantrag für ihren Parteitag Ende der Woche, Kinderehen sollten „von Anfang an nichtig“ sein.

Der Anwaltsverein zitiert den Fall einer inzwischen 16-Jährigen aus dem Kreis Oberhavel, die eine Liebesbeziehung mit ihrem 33 Jahre älteren angeheirateten Onkel hatte. Ihre Eltern hatten immer wieder versucht, den Kontakt zwischen den beiden zu unterbinden, wogegen sich das Mädchen wehrte. Das Paar war mit einem Wohnmobil geflüchtet und erst nach mehreren Wochen in Südfrankreich aufgegriffen worden. Die damals 14-Jährige hatte danach erklärt, sie sei aus Liebe freiwillig mit ihrem Onkel gereist. Der Konflikt eskalierte, zwischenzeitlich brachten die Eltern ihre Tochter für einige Wochen in der Psychiatrie unter.

Doch auch das Oberlandesgericht pocht auf das Selbstbestimmungsrecht der Kinder. Es lehnte das von den Eltern geforderte Kontakt- und Näherungsverbot für den Partner ihrer Tochter ab und hob damit ein Urteil des Amtsgerichts Oranienburg auf. Das OLG befand, dass der eskalierte Konflikt Gefahren für das Wohl des Mädchens bedeute. Den Richtern zufolge ist der Entscheidung des Mädchens ein hohes Gewicht beizumessen. Der Kindeswille könne hier nicht übergangen werden, ohne dass dadurch das Kindeswohl gefährdet würde. Die Jugendliche habe ihren Wunsch, diese Liebesbeziehung weiter zu leben, „zielorientiert und stabil“ geäußert. Die Richter sahen darin eine sehr bewusste Eigenentscheidung, die zu beachten sei, zumal die Liebesbeziehung nicht auf manipulativer Einwirkung des erwachsenen Partners beruhe.

Von MAZonline

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