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Funkloch an Funkloch selbst im Speckgürtel

Über 23 000 Funklöcher in Brandenburg Funkloch an Funkloch selbst im Speckgürtel

Seit Mai haben die Brandenburger über eine von der CDU eingerichteten Website über 23000 Funklöcher im Land gemeldet. Die CDU fordert seit geraumer Zeit von der Regierung, sich dem Problem anzunehmen. Heute zeigt sich ein erster Erfolg. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wird aktiv.

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Auf dem Lande fehlen Funkmasten. Die Mobilfunkbetreiber wollen wegen Unwirtschaftlichkeit keine neuen errichten lassen.

Quelle: fotolia

Potsdam. Anja Straßburg könnte überglücklich sein, denn im Sommer hat sie sich gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten den Traum vom Eigenheim in Falkenhöh (Havelland), direkt an der Grenze zu Berlin-Spandau, erfüllt. Während der Bauarbeiten kündigte sich wie üblich das eine oder andere Problem an, die alle zeitnah zu lösen waren, bis auf eines: das über ihrem Grundstück prangende Funkloch. Dadurch ist das Paar im Haus komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Weder Anrufe, noch SMS erreichen sie, auch das mobile Internet funktioniert nicht. „Dass so etwas mitten im Speckgürtel von Berlin möglich ist, hätte wir nie gedacht“, sagt Straßburg.

Anja Straßburg (37) muss zum Telefonieren in die hinterste Ecke ihres Gartens, denn woanders hat sie keinen Handy-Empfang

Anja Straßburg (37) muss zum Telefonieren in die hinterste Ecke ihres Gartens, denn woanders hat sie keinen Handy-Empfang.

Quelle: Josefine Kühnel

Über 23000 Funklöcher im Land

Viele Brandenburger teilen dieses Schicksal, denn die Netzabdeckung im ländlichen Raum weist noch immer Lücken auf. Die oppositionelle CDU unter Fraktionschef Ingo Senftleben hat sich diesen eher mittelalterlichen Verhältnissen im Zeitalter der Digitalisierung angenommen: Sie bat im Mai die Brandenburger, Funklöcher auf einer Website im Internet zu melden. Innerhalb eines knappen halben Jahres meldeten sie über 23.000 der unerfreulichen Kommunikationskiller. Allein am ersten Tag gingen laut CDU 1000 Meldungen ein, nach einer Woche waren es bereits 10  000. Zum Vergleich: Die Thüringer CDU fragte ihre Landsleute ebenfalls nach Funklöchern. Seit Juli gingen dort erst 2100 Meldungen ein.

Telekom-Kunden am schlechtesten, O2-Kunden am besten erreichbar

23 000 Meldungen gingen in Brandenburg bis Dato ein. Doch die Zahl muss mit Vorsicht genossen werden, denn Mehrfachmeldungen zu einem mobilfunklosen Ort wurden nicht zusammengefasst, wie die CDU einräumt. Zusätzlich zum Ort sollten die Brandenburger angeben, welchen Mobilfunkanbieter sie nutzen: O2, Vodafone oder Telekom. Die Kunden der Telekom sind im Land demnach am schlechtesten erreichbar und die der O2 am besten. Doch auch diese Zahlen haben nur bedingt Aussagekraft, da laut CDU-Sprecherin Franziska Rode die Telekom der im Land am häufigsten vertretene Mobilfunkanbieter sei.

Landkreis Potsdam-Mittelmark ist Spitzenreiter

Was für Privathaushalte lediglich nervig und ärgerlich ist, kann für Unternehmen zur ernsthaften Existenzbedrohung werden. Dierk Homeyer, Wirtschaftsexperte der CDU, besuchte im Rahmen des Projekts im Sommer besonders schwach versorgte Regionen im Land. Darunter den Ort Kleßen im Havelland, der laut Homeyer ein absolutes Funkloch ist, in dem es von keinem der großen Anbieter Netz gibt. Ähnlich sei es in Ferbitz in der Prignitz. „Dort habe ich mit einem Abschleppunternehmer gesprochen, der mittlerweile eine umgekehrte Rufumleitung vom Handy aufs Festnetz einrichten musste, damit ihn Kunden überhaupt noch erreichen.“ Spitzenreiter war der Landkreis Potsdam-Mittelmark mit 3162 Funklochmeldungen, gefolgt vom Kreis Havelland mit 1944 und dem Kreis Ostprignitz-Ruppin mit 1809 Meldungen.

CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben sagt

CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben sagt: „Jeder Bürger, egal, wo er lebt, zahlt 100 Prozent Handytarif und muss auch 100 Prozent Empfang haben“.

Quelle: dpa-Zentralbild

Keine neuen Funkmaste wegen Unwirtschaftlichkeit

Die Unwirtschaftlichkeit bei wenigen Kunden auf dem Lande sei laut Aussage der Mobilfunkanbieter der Grund, warum keine neuen Mobilfunkmasten errichtet werden. Fraktionschef Ingo Senftleben forderte, dass die Landesregierung endlich aktiv werden müsse, um auch den ländlichen Raum zu unterstützen. „Jeder Bürger, egal, wo er lebt, zahlt 100 Prozent Handytarif und muss auch 100 Prozent Empfang haben“, sagte er. Notfalls müsse der Bund oder das Land die angesprochenen Wirtschaftlichkeitslücken mit Investitionskostenzuschüssen schließen. 1,5 Millionen Euro kostet ein neuer Mobilfunkmast in etwa; Kosten, die sich die drei großen Anbieter auch teilen könnten, wie Dierk Homeyer meinte. In Bayern funktioniere das bereits problemlos, erklärte er.

Erste Erfolge nach langem Kampf

Aus Sicht der CDU trägt der Druck ihrer Kampagne erste Früchte: Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) lädt am 7. November zu einem Gipfel mit Vertretern der drei großen Anbieter. Unterdessen sieht Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) den Bund in der Pflicht: Zuschüsse zum Ausbau des Mobilfunknetzes seien nach EU-Recht derzeit nicht möglich. Mit einem Antrag Brandenburgs und Baden-Württembergs zur Ministerpräsidentenkonferenz in Saarbrücken solle die Bundesregierung aufgefordert werden, sich bei der EU-Kommission für eine entsprechende Änderung einzusetzen.

Von Josefine Kühnel

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