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Fußball gucken, aber bitte ohne Gauland!

MAZ-Kommentar von Thoralf Cleven Fußball gucken, aber bitte ohne Gauland!

Wieder hat es Brandenburgs AfD-Chef Alexander Gauland geschafft, mit einer wohlkalkulierten Provokation in die Medien zu kommen. Wieder sollen die Medien schuld sein. Doch als früherer Publizist weiß Gauland genau um die Wirkung präziser Sprache. Ein Kommentar von MAZ-Chefredakteur Thoralf Cleven.

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Die deutschen Nationalspieler Emre Can, Mesut Özil und Jerome Boateng (v.l.).

Quelle: DFB

Potsdam. So in etwa können wir uns den sonntäglichen Frühstückstee bei Alexander Eberhardt Gauland in der feinen Berliner Vorstadt in Potsdam vorstellen: Der arrivierte, ältere Herr blättert sich durch die Sonntagspresse und schlägt sich lachend auf die in feinem Tweed steckenden Oberschenkel. Er hat es wieder mal geschafft, mit einer wohlkalkulierten Provokation in die Medien zu kommen. Das Telefon klingelt: Politische Freunde berichten, wie das Netz überläuft vor empörten Reaktionen. Und wer da alles reagiert! Von den üblichen Verdächtigen wie SPD-Chef Sigmar Gabriel oder Justizminister Heiko Maas einmal abgesehen – jetzt äußert sich sogar schon die deutsche Fußballnationalmannschaft. Was für ein Fest!

MAZ-Chefredakteur Thoralf Cleven

MAZ-Chefredakteur Thoralf Cleven.

Quelle: Bungert

Gauland ist wieder wer

Gauland ist wieder wer. Wenigstens für ein paar wertvolle Stunden. Jedenfalls so lange, bis ihm bewusst wird, dass er sich mit einem deutschen Fußballer anlegt, der im nahen Berlin geboren und tief verwurzelt ist und der in Deutschland viele, viele Freunde hat. Darunter natürlich eine Menge Deutsche, die vielleicht AfD gewählt haben und dennoch einen wie Jerome Boateng gern zum Nachbarn hätten.

Gaulands traurige Nummer

Intelligent wie der brandenburgische AfD-Fraktionschef nun einmal ist, rudert er schnell zurück und reagiert wie Politiker häufig reagieren: Gauland leugnet, er fühlt sich missverstanden, er hat alles nicht so gemeint, Journalisten hätten ihn aufs Glatteis geführt. Was für eine traurige Nummer! Einmalig ist die übrigens nicht. Vor nicht allzu langer Zeit hatte er deutsche Flüchtlingshelfer als „nützliche Idioten“ bezeichnet – was angeblich auch wieder völlig aus dem Zusammenhang gerissen war.

Gauland weiß um die Wirkung von Sprache

Als früherer Publizist weiß Gauland genau um die Kraft und die Wirkung präziser Sprache. Dieses Wissen setzt er immer wieder ein, um Menschen zu diskreditieren, die in seinen Augen wahrscheinlich Pöbel sind. Er drückt sich manierlicher aus als andere seiner Parteifreunde oder Anhänger, die an dieser Stelle vielleicht limitiert sind.

Gauland spielt geschickt mit Tabus

Im Grunde genommen meint Gauland aber nichts anderes als die Pegida-Rassisten aus Baden-Württemberg, die Kinderbilder deutscher Fußballstars wie Boateng oder Gündogan von einer Schokoladenverpackung streichen lassen wollten. Er spielt geschickt mit den Tabus, die heutzutage gern als Political Correctness oder überkommene Moral von Leuten verunglimpft werden, die anscheinend keine oder kaum noch moralische Verpflichtungen kennen.

Gaulands Abgehobenheit

Nun, wie man es auch dreht und wendet: Gaulands Einlassung zu Boateng war ziemlich idiotisch. Sie zeugt von einer Abgehobenheit, die AfDler sonst nur Politikern der sogenannten etablierten Parteien zuweisen. Und man möchte sich auch nicht mit Nachbarn wie Gauland ein Spiel des deutschen Teams anschauen, wenn Mustafi, Can, Khedira, Özil, Sane oder Rüdiger zaubern. Nein, einen Gauland möchte man nicht zum Nachbarn haben.

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Von Thoralf Cleven

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