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Gastronomie-Azubis sehen Ausbildung kritisch

DGB-Studie Gastronomie-Azubis sehen Ausbildung kritisch

Schlechte Bezahlung, viele Überstunden und mangelnde Perspektiven: Für viele Jugendliche ist eine Ausbildung im Gastgewerbe nicht attraktiv, heißt es im „Gastronomiereport“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Auf Arbeitgeberseite ruft die Kritik großes Erstaunen hervor.

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Nachwuchsmangel im Hotel- und Gastgewerbe: Nicht nur Köche sind als Azubis gefragt.

Quelle: dpa

Potsdam. Schlechte Bezahlung, viele Überstunden und mangelnde Perspektiven: Auszubildende im Hotel- und Gaststättengewerbe bewerten ihre Ausbildungsbedingungen deutlich kritischer als in anderen Lehrberufen. Das geht aus dem „Gastronomiereport“ hervor, den die Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Berlin-Brandenburg vorgelegt hat.

Daten und Fakten des Gastronomiereports

Arbeitszeit : Mit 43,5 Stunden ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit demnach um vier Stunden länger als in anderen Berufen.

Freizeit: Wochenend- und Feiertagsarbeit ist häufiger als in anderen Branchen.

Überstunden: Gut jeder Zweite (54,8 Prozent) arbeitet regelmäßig länger, deutlich mehr als in anderen Berufen (45,2 Prozent).

Bezahlung: Die Ausbildungsvergütung liegt mit 592 Euro brutto im Monat deutlich unter dem Durchschnitt aller Branchen von 717 Euro.

Zukunftsperspektive: Nicht einmal jeder dritte Azubi (29 Prozent) will langfristig in seinem Ausbildungsbetrieb bleiben, fast jeder vierte (23 Prozent) möchte nicht weiter in dem Beruf arbeiten.

DGB-Regionalchefin Doro Zinke führt die Nachwuchssorgen der Branche auch auf diese Umstände zurück. „Unbesetzte Ausbildungsplätze, hohe Abbruchquoten und ein drohender Fachkräftemangel lassen sich nicht allein durch vermeintlich unreife Jugendliche erklären, sondern sind hausgemachte Probleme der Branche.“ Für Attraktivität der gesamten Branche seien eine hohe Ausbildungsqualität und gute Rahmenbedingungen zentral, erklärt Zinke. Die sichtbaren Bemühungen des Branchenverbandes Dehoga und einzelner Betriebe seien noch nicht ausreichend, mahnt Sebastian Riesner von der Fachgewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG). „Denn in vielen Betrieben ist noch nicht viel von Qualitätsverbesserung bei der Berufsausbildung zu spüren.“

Kritik: Ein Wirtschaftszweig werde „an den Pranger gestellt“

Dehoga-Landesgeschäftsführer Olaf Lücke hebt die positiven Aspekte hervor. „Die Mehrheit ist mit ihrer Ausbildung und den Ausbildern zufrieden“, zitiert er aus dem Bericht. Arbeitgeber- und Arbeitnehmer müssten gemeinsam an den Lösungen von Problemen arbeiten, „statt sich zu profilieren“. Das sei nicht mehr zeitgemäß, sagt Lücke in Richtung des DGB. Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam kritisiert die Dachgewerkschaft – in scharfem Ton. Ein ganzer Wirtschaftszweig werde „an den Pranger gestellt“, sagt Hauptgeschäftsführer Mario Tobias. „So wird es uns nie gelingen, die Nachwuchssorgen für eine wichtige Branche zu lösen.“ Tobias verweist auf Erfolge wie die Aussetzung der Ausbildungsgebühren für IHK-Mitgliedsfirmen, gegen den allgemeinen Trend gesteigerte Azubi-Zahlen und die Initiative „Brandenburger Gastlichkeit“, einem Qualitätssiegel.

Die Branche habe viel in die Verbesserung der Ausbildung investiert, sagt Dehoga-Landeschef Lücke. So steige die Ausbildungsvergütung in diesem und im kommenden Jahr um jeweils 50 Euro. Ab 2017 verdient ein Azubi im dritten Lehrjahr demnach 760 Euro. Management-Schulungen sollen Motivation, Wertschätzung, Gesundheitsmanagement und Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. In der Branche sei es üblich, dass nicht jeder Auszubildende übernommen werden könne, sagt Lücke. Ein Wechsel des Unternehmens sei aber auch eine Chance, dazu zu lernen und beruflich aufzusteigen.

Von Bastian Pauly

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