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Brandenburg Gedreht in Brandenburg: „Tschick“
Brandenburg Gedreht in Brandenburg: „Tschick“
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19:38 01.05.2016
Regisseur Fatih Akin (Mitte) mit seinen beiden Helden Tschick (Anand Batbileg, l.) und Maik Klingenberg (Tristan Göbel,r.). Quelle: Studiocanal
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Potsdam

Im September ist es soweit: Die Verfilmung von Wolfgang Herrndorfs Kultbuch „Tschick“ über zwei jugendliche Außenseiter, die im geklauten Lada durch die ostdeutsche Provinz fahren, kommt ins Kino. Marco Mehlitz hat den Film produziert.

Herr Mehlitz, was hat Sie so fasziniert an „Tschick“, dass Sie das Buch unbedingt verfilmen wollten?

Marco Mehlitz: Das Buch hat unglaublich eingeschlagen, bei allen, nicht nur bei mir. Wolfgang Herrndorf hat die Geschichte dieser beiden Jungs in Bildern geschrieben. Das liegt vielleicht daran, das er eigentlich Maler war und dann Schriftsteller wurde. Ich konnte mich mit den Jungs identifizieren, hatte das Gefühl, dieses „Geh mal raus aus deinem kleinen Käfig und werd erwachsen!“ zu kennen.

Wie haben Sie die Rechte an dem Buch ergattert? Da war doch die gesamte deutsche Filmbranche hinterher.

Mehlitz: Wie alle meine Kollegen bin ich zunächst gegen die Wand gerannt. Wir haben gepitcht, das heißt unsere jeweiligen Vorstellungen der Romanverfilmung präsentiert, um zu zeigen, wohin die Reise gehen könnte. Auch Herrndorf hat sich noch mit dem Verkauf der Rechte befasst. Aber bald  war er gesundheitlich nicht mehr in der Lage das Projekt zu verfolgen. Dann lag es auf Eis. Nach seinem Tod bot sich noch einmal die Gelegenheit, mit der Witwe und dem Verlag zu reden... Den Ausschlag gab möglicherweise Lars Hubrich, den ich als Drehbuchautoren schon sehr früh ins Gespräch brachte. Ich kannte ihn schon länger, ohne zu wissen, dass er ein Freund von Wolfgang Herrndorf war. Das passte, ich hatte Glück.

Sind Sie bei der Verfilmung eng am Buch geblieben?

Mehlitz: Wir wollten nicht den Roman bebildern, da waren wir uns mit der Familie und dem Verlag einig. Der Film sollte eigenständig sein und eine eigene Welt haben. 

Das Buch hat sich zwei Millionen Mal verkauft, ist mittlerweile Schullektüre in der achten Klasse. Wie groß ist der Druck?

Mehlitz: Der Druck ist da. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen im Kopf, die wir nicht alle bedienen können.  Wir bieten eine Interpretation von zwei Millionen möglichen an. 

Eigentlich sollte David Wnendt Regie führen, aber es gab wohl zeitliche Probleme mit ihm?

Mehlitz: Nun, wir wollten den Film zeitnah präsentieren, waren so weit fortgeschritten, dass wir nicht mehr zurück konnten. Dann ist Fatih Akin als Regisseur eingestiegen. Er hatte eine viel geringere Vorbereitungszeit, aber dadurch hat er den Film komplett aus dem Bauch heraus inszeniert. Diese Nähe und diese Emotionalität hat eine ganz eigene Qualität, die zur Geschichte passt.

„Tschick“ ist zurück

Marco Mehlitz, studierter Germanist, Politikwissenschaftler und Medienberater, gründet 2004 die Filmproduktionsfirma Lago Film und hat seitdem etliche Filme produziert, wie „The Voices“, „Rico, Oskar und die Tieferschatten“, „Eine dunkle Begierde“ oder „Doktorspiele“.

Seit Erscheinen des Romans „Tschick“ von Wolfgang Herrendorf im Herbst 2010 wurden zwei Millionen Exemplare des Erfolgsromans verkauft. Laut Rowohlt-Verlag ist „Tschick“ in nahezu 30 Ländern erschienen und wurde an mehr als 50 Theaterbühnen inszeniert.

Für die Verfilmung des Bestsellers „Tschick“ steuerte das Medienboard Berlin-Brandenburg 900 000 Euro bei, die Mitteldeutsche Medienförderung war mit 600 000 Euro dabei, die FFA Filmförderungsanstalt mit 500 000 Euro.

Gedreht wurde von September bis November 2015 in Brandenburg, Berlin und Mitteldeutschland. Kinostart ist 15. September.

Das Casting hat die Potsdamer Agentin Jacqueline Rietz übernommen. Tristan Göbel, der Maik Klingenberg spielt, kennen wir aus anderen Filmen. Ihre Titelfigur Tschick ist ein ganz neues Gesicht.

Mehlitz: Anand Batbileg, der Tschick spielt, hat sich nach einem Castingaufruf selbst beworben. Ein absoluter Glücksfall, nachdem wir schon ganz Russland bis in die Mongolei abgegrast hatten.

Wo haben Sie gedreht?

Mehlitz: Wir haben viel in Brandenburg gedreht, in Werder, in und um Bernau, in Rüdnitz, der Schorfheide. Das ist ja auch die Welt, in der sich die Jungs bewegen.  

War die Finanzierung schwierig?

Mehlitz: Leicht! Wir wurden überall mit offenen Armen empfangen. Das Buch hat so viel positive Energie, das jeder, den wir angesprochen haben, gesagt hat: Klar, das machen wir. Wenn es immer so leicht wäre! Aber man kann ja nicht jedes Jahr etwas von so einem Kaliber machen.

Von Claudia Palma

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