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Gefährlicher Trend: Selfies auf Bahngleisen

Bundespolizei warnt Gefährlicher Trend: Selfies auf Bahngleisen

Im Februar 2016 klettert ein Mädchen in Fürstenwalde (Oder-Spree) an einem Güterzug herum und erleidet einen tödlichen Stromschlag. – Obwohl der Zutritt zu Bahnanlagen streng verboten ist, werden sie immer wieder als „Spielplatz“ genutzt. Neuester gefährlicher Trend: Selfies auf Bahngleisen.

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Quelle: dpa

Potsdam, Berlin. Es ist ein gefährlicher Trend: Die Bundespolizei warnt Kinder und Jugendliche davor, Selfies auf Bahngleisen zu machen. „Bahnanlagen sind kein Spielplatz. Wer sie betritt, handelt äußerst leichtsinnig und begeht eine Ordnungswidrigkeit“, sagte ein Sprecher.

An Schulen in Berlin führt die Bundespolizei regelmäßig Präventionsveranstaltungen durch, um Kinder und Jugendliche auf die Risiken von Bahnanlagen aufmerksam zu machen. „Neben herannahenden Zügen sind auch offene Stromschienen und umspringende Weichen gefährlich“, sagte der Sprecher. „Wir versuchen, den Schülern die Folgen ihres Handelns vor Augen zu führen.“

Erst im April hatte die Bundespolizei in Sachsen-Anhalt mehrere Jugendliche und junge Erwachsene von den Gleisen holen müssen: In Halle waren drei Jungen im Alter zwischen 12 und 13 Jahren bei einem Foto-Shooting am Hauptbahnhof erwischt worden. Am selben Tag ereignete sich ein ähnlicher Fall in Merseburg, dort wollte ein 20-Jähriger Selfies im Gleisbett machen.

Lebensgefahr!

Leichtsinnige Aktionen an Schienen oder Zügen bezahlen junge Leute immer wieder mit ihrem Leben. Jährlich würden mehrere solcher Vorfälle mit Kindern und Jugendlichen bekannt, sagt Jens Schobranski, Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin. In regelmäßigen Abständen gebe es in Brandenburg Tote oder Schwerverletzte durch Stromschläge an Bahnanlagen. Die Ursachen seien meist Übermut, Leichtsinn, Unwissen oder Mutproben.

Drei schwere Fälle

Der Sprecher verwies auf drei herausragende Fälle, die sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre in Brandenburg ereignet haben. So sei ein 15-Jähriger im Januar 2015 am Bahnhof Rangsdorf (Teltow-Fläming) vom letzten Personenwagen auf die am Zugende angehängte Lok geklettert - und durch einen Stromschlag schwer verletzt worden. Tödlich endete der Stromschlag aus der Oberleitung für einen 17-Jährigen im März 2015. Er war in einen Kesselwagen eines abgestellten Güterzuges in Guben (Spree-Neiße) geklettert. Im Februar 2016 sei eine 15-Jährige am Bahnhof Fürstenwalde (Oder-Spree) auf die gleiche Weise ums Leben gekommen.

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18. Februar 2016: Eine 15-Jährige erleidet im Bahnhof Fürstenwalde einen tödlichen Stromschlag.

Quelle: Maz

Spielende Kinder in den Gleisen

Lokführer würden immer wieder spielende Kinder im Bahnbereich melden. „In diesen Fällen werden Streifen der Bundespolizei zur Suche nach den Kindern eingesetzt“, sagte Schobranski. Gleiches gelte, wenn Jungen oder Mädchen auf dem Dach einer S-Bahn surfen, Bahnanlagen an verbotenen Stellen überquert werden oder Selfies auf Gleisen geknipst werden.

Phänomen S-Bahn-Surfen

„Das kann für Stunden den Bahnbetrieb lahm legen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn in Berlin. S-Bahn-Surfer oder Graffitisprayer seien eher im berlinnahen Raum aktiv. Das Phänomen S-Bahn-Surfen ist Schobranski zufolge jedoch bei Weitem nicht mehr so verbreitet wie noch in den 90ern. Das liege vor allem an den neuen Zügen. Bei ihnen sei es nahezu unmöglich, während der Fahrt Türen zu öffnen, sich an Regenablaufrinnen festzuhalten oder auf einem Trittbrett zu stehen.

Krankenkassen gucken sehr genau

Die Kranken- und Unfallversicherer schauen sehr genau auf den Hergang des Unfalls, wenn ihre Versicherten aus Leichtsinn schwere Verletzungen davontragen. „Die Betroffenen müssen dann einen Unfallbogen ausfüllen“, erklärte ein Sprecher der Krankenkasse DAK. „In der Regel gehen wir aber zunächst in Vorleistung“, sagt eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse. Gerade bei Jugendlichen gebe es aber kaum Fälle, in denen die Kasse die geleisteten Kosten zurückfordern würden.

Auch von ihrer Unfallversicherung müssen Betroffene selten Zahlungsverweigerungen befürchten, wie ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mitteilt. „Wer einen Unfall erleidet, ist als Versicherter in der Regel geschützt“, sagte er. Dabei spiele es grundsätzlich keine Rolle, ob der Versicherte leicht oder grob fahrlässig oder auch leichtsinnig gehandelt habe.

Anders sieht es hingegen aus, wenn Unfälle von anderen Personen verursacht werden. „Dann versuchen wir, über die Versicherung des Verursachers unser Geld zurückzufordern“, erklärte der DAK-Sprecher. Das passiert zum Beispiel, wenn Züge oder Bahnanlagen attackiert werden. „Immer wieder werden Züge mit Steinen und ähnlichen Wurfgeschossen beworfen oder Hindernisse auf die Gleise gelegt“, sagte Jens Schobranski. Anhand der Spurenlage stelle sich häufig heraus, dass es sich bei den Tätern um Kinder und Jugendliche gehandelt habe.

Von Christian Bark, Janne Kieselbach

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