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Brandenburg Geflügelhalter fordern: Weg mit Stallpflicht
Brandenburg Geflügelhalter fordern: Weg mit Stallpflicht
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00:17 20.03.2017
Hinter Gittern gegen Infektion durch Wildvögel. Quelle: dpa
Potsdam

Hühner auf dem Misthaufen, Enten im Vorgarten – Geflügelhaltung prägt die märkischen Dörfer. Doch jetzt gehen die Hobby-Züchter auf die Barrikaden. Der Grund: Seit vier Monaten müssen sie ihre Tiere wegen der Vogelgrippe in Ställen halten. Die aber sind im bäuerlichen Umfeld meist klein und nur für die Nachtruhe der Tiere gedacht. „Viele Züchter werfen das Handtuch, zahlreiche Rassen werden die ständigen Einschränkungen nicht überleben“, heißt es in einem offenen Brandbrief des Landesverbands der Rassegeflügelzüchter. Er fordert eine „sofortige Befreiung unseres Rassegeflügels von den Zwangsmaßnahmen der Stallpflicht“.

Unterstützung erhalten die Kleintierzüchter vom Bauernbund, einer Vereinigung kleinerer bäuerlicher Betriebe. „Alle Wildvögel sind inzwischen mit dem Vogelgrippe-Erreger in Berührung gekommen“, sagte Bauernbund-Präsident Marco Hintze: „Für die Sicherheit der größeren Geflügelbestände ist es daher unerheblich, ob draußen zusätzlich noch ein paar Gänse und Hühner rumflattern.“

Stille Macht: Züchterverband hat 3090 Mitglieder

Der Rassegeflügelzüchter-Verband vertritt in der Mark 3090 Hobby-Halter und 430 lokale Vereine – eine stille Macht, der Gegenentwurf zur Agrarindustrie mit ihren zigtausend Hennen unter Wärmelampen in riesigen Leichtbauhallen. Stattdessen vereinigt der Verband Rentner, die sich 20 Perlhühner halten, und andere Feierabend-Kleinbauern, die mit ihren Zwerg-Italienern, Friesenhühnern oder Marans-Hennen zu Leistungsschauen fahren. Viele vom Aussterben bedrohte Rassen wären ohne ihr Wirken schon verschwunden.

Verband: „Freude an Tieren wird uns genommen“

Zehn Austrittsgesuche hat Eberhard Nakonzer, Vorsitzender des Kreisverbands Luckau-Lübben (Dahme-Spreewald) seit Verhängung der Stallpflicht entgegennehmen müssen. Manch einer schlachtet seine paar Hennen, anstatt einen Unterstand zu bauen. „Die Freude an den Tieren wird uns genommen“, sagt Nakonzer, der in Caminchen (Dahme-Spreewald) 30 Hühner hält und mit seinen Schwarzhühnern bereits einen Bundespreis errungen hat. Auf Stallhaltung seien die Freizeit-Züchter nicht vorbereitet. Für Großbetriebe müssten strengere Maßstäbe gelten, das gesteht auch der Verband zu, denn dort sei bei einem Befall und Tod der Tiere der wirtschaftliche Schaden immens ist.

Ministerium: 28-fach höheres Infektionsrisiko ohne Stallpflicht

Das Verbraucherschutzministerium verteidigt die Landesweite Pflicht zur Aufstallung. Das Risiko, mit dem Erreger infiziert zu werden, sei bei ungeschützten Beständen 28-mal höher als bei Stalltieren, so Cheftierarzt Stephan Nickisch vom Verbraucherschutzministerium. Generell helfe die Stallpflicht, die Ausbreitung zu behindern. Das belegten wissenschaftliche Studien.

„Es muss nicht jeder einen Stall bauen“, sagt Nickisch. „Eine Plane gegen Kot von Wildvögeln und eine engmaschige Seitenwand reichen aus.“ Einige Halter hätten ein Partyzelt mit Seitenwänden zum Unterstand umfunktioniert. Nickisch verweist darauf, dass die Infektionswelle in diesem Winter so heftig wie noch nie gewesen sei. Seiner Einschätzung nach müssten Geflügelhalter generell mit immer wieder kehrenden Pflicht-Aufstallungen in den kommenden Jahren rechnen. Der Tierarzt weist aber auf mögliche Ausnahmegenehmigungen für Härtefälle. Strauß-Vögel und Gänse etwa lassen sich kaum in Ställen halten. 86 solcher Erlaubnisse seien bislang erteilt worden.

Von Ulrich Wangemann

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